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Olympiasiegerin im Schwimmen: Was macht eigentlich ... Sandra Völker?

Als Schwimmerin gewann sie 1996 drei olympische Medaillen, zudem holte sie vier Weltmeistertitel. Zuletzt machte Sandra Völker durch ihre Insolvenz Schlagzeilen. Ein Interview.

Sandra Völker: Was macht die Olympiasiegerin im Schwimmen von 1996 heute?

Sandra Völker, 43, kürzlich in einem Park in Lübeck, wo sie heute lebt

Zuletzt machten Sie 2014 durch Ihre Insolvenz Schlagzeilen. Wie geht es Ihnen heute?

Danke, gut! Vor einem guten Jahr bin ich noch mal Mutter geworden. Ich habe jetzt drei Töchter. Das macht mich sehr glücklich.

Um Ihre Schulden in Höhe von etwa 100.000 Euro zu tilgen, ließen Sie Medaillen, einen Startblock mit Autogrammen und sogar getragene Badeanzüge versteigern. Haben Sie das je bereut?

Nein. Als ich Insolvenz anmeldete, war mir klar, dass ich von allem, was Wert hat, Abschied nehmen muss, um es zu Geld zu machen. Auch wenn es sich vielleicht komisch anhört: Aber wenn man in Existenznot gerät, verliert so etwas wie eine olympische Medaille an Wert. Es war wichtiger, dass ich wieder Stabilität in mein Leben bekam.

Die gesamte Onlineauktion brachte 67.500 Euro. Haben erfolgreiche Bieter später zu Ihnen Kontakt aufgenommen?

Ja. Mehrfach wollten mir Menschen Medaillen sogar zurückschenken. Das durfte ich aber nicht annehmen. Es wäre sonst sofort wieder in die Insolvenzmasse geflossen. Trotzdem hat mich das sehr gerührt. Auch wenn meine Medaillen jetzt alle weg sind – den Siegesmoment und das, was ich erlebt habe, kann mir keiner nehmen.

Bei den Olympischen Spielen 1996 in Atlanta gewannen Sie Silber und zweimal Bronze. Unvergessen?

Die Silbermedaille über 100 Meter Freistil war der Hammer. Ich hatte auf Bronze spekuliert, weil ich als Drittschnellste aus dem Vorlauf kam. Dass ich Zweite werde, damit hatte ich nicht gerechnet. Ein Erlebnis!

Manchmal entpuppt sich eine große Lebenskrise im Nachhinein als Chance. Wie ist das bei Ihnen?

Mittlerweile sehe ich es als Geschenk, noch mal von vorne anfangen zu können. In die Insolvenz zu kommen hat mich demütiger gemacht. Früher, als erfolgreiche Schwimmerin, dachte ich, es würde nach meinem Karriereende einfach so weitergehen – dabei hätte ich mir erst mal ein neues Leben aufbauen müssen. So steckte ich etwa ehrenamtlich viel zu viel Zeit in meine Stiftung für asthma- und allergiekranke Kinder, statt als Schwimmtrainerin Geld zu verdienen. Meine Zeitaufteilung war falsch. Da war ich etwas naiv. Über den harten Weg musste ich das erst lernen.

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Was machen Sie heute beruflich?

Ich bin Schwimmtrainerin, gebe Kurse, Personal Trainings und Seminare. Meine Zielgruppe ist groß, ich bringe Kindern wie Erwachsenen schwimmen bei, feile mit Hobbysportlern an ihrer Technik, trainiere zugleich Leistungssportler. Wieder anderen Kunden helfe ich, die Angst vor dem Wasser und der Tiefe zu überwinden. Mir ist es wichtig, auf jeden individuell einzugehen. Oft ist es so, dass meine Kunden außer dem Schwimmen noch in ein, zwei Lebensthemen Unterstützung brauchen.

Das müssen Sie erklären.

Viele sind sehr verkopft und denken, sie könnten alles mit dem Verstand lösen. Das zeigt sich auch beim Schwimmen, sie spannen ihre Muskeln zu stark an. Ich bringe ihnen bei loszulassen, mit weniger Widerstand durchs Wasser zu gleiten. Wir trainieren das Zusammenspiel von Anspannung und Entspannung. Oft hilft das auch in anderen Alltagssituationen.

Ihr großer Traum?

Ich habe ein Konzept für eine Schwimmhalle entwickelt, die vom Aufbau vollkommen neuartig ist und so richtig viele Leute ins Wasser ziehen soll. Das Konzept ist noch geheim, aber es wäre ein Traum, es umzusetzen und mein eigenes Schwimmbad zu haben!

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