America's Cup Geld schwimmt oben


Segler sind in Valencia nur noch Statisten. Bei den Vorläufen drängen sich die Sponsoren und ihre gekauften Promis vor die Kamera. Echte Teams haben keine Chance gegen die prallen Kassen der Konzerne.
Von Roberto Lalli delle Malebranche, Valencia

Auf den ersten Blick ist Sponsoring im Sport eine gute Idee: Unternehmen stellen einem Aktiven oder einer Mannschaft Geld und Know-How zur Verfügung, und dank dieser Unterstützung überflügeln die gesponserten Sportler und Mannschaften die Konkurrenz. Die Sache hat aber einen Haken, oder besser, sie hat zwei: Zum einen setzt das Sponsoring im Sport eine Art Wettrüsten in Gang, was dazu führt, dass Aktive und Teams ohne Sponsor langfristig kaum noch Chancen auf einen Sieg haben. Zum anderen erwarten die Unternehmen auch vom Sponsoring das, was sie immer anstreben, nämlich Gewinn.

Am Beispiel des America's Cup lässt sich diese Entwicklung gut beobachten. Zwar war dieser Wettbewerb seit jeher die Spielwiese der superreichen Unternehmer wie Teezar Sir Thomas Lipton, Eisenbahnkönig Harold Vanderbilt oder Medienmogul Ted Turner. Aber der Cup blieb dabei über hundert Jahre lang eine Veranstaltung, bei der die Konzerne hinter den Milliardären kaum eine Rolle spielten. Sie stellten die Quelle des Reichtums der Yachteigner dar, mehr nicht. Der America's Cup im neuseeländischen Auckland im Jahre 2000 brachte die Wende. Die Unternehmen haben sich seitdem vom simplen Geldgeber zum technologischen Ansprechpartner gemausert, und das hat in einem Sport, in dem das schnellste Boot fast immer gewinnt, zu einer Verlagerung der Machtverhältnisse geführt.

Von Oracle BMW zu BMW Oracle

Was da in nur sieben Jahren geschehen ist, wird deutlich, wenn wir der Basis des US-Teams BMW Oracle hier in Valencia einen Besuch abstatten. Sie könnte so auch in München stehen und stattdessen für die Sportwagen des Konzerns werben, und das ist nicht zufällig so: BMW ist nicht nur der Hauptsponsor des Teams um den Milliardär Larry Ellison, BMW hat die Boote des San Francisco Yacht Club auch federführend mitentwickelt. Die Parallele zum Formel 1-Engagement der Bayrischen Autoschmiede ist nicht zu übersehen: Vom Team-Sponsor nach und nach zum Team-Eigner aufzusteigen, um die eigenen Marketing-Vorstellungen immer konsequenter durchzusetzen, das scheint auch im America's Cup das eigentliche Ziel von BMW zu sein. Wie aber wird der America's Cup der Zukunft aussehen, wenn immer mehr Sponsoren das Ruder selbst in die Hand nehmen?

Das Aus für die Außenseiter

Der massive Einstieg der Konzerne in den Cup nimmt dem Wettbewerb schon heute einen Teil seiner Spannung. 1995 konnten die Neuseeländer mit einem Budget von weniger als zehn Millionen Dollar die Silberkanne nur deshalb erobern, weil sie ein gewagtes neues Bootskonzept verwirklichten. Heute wäre das unmöglich, denn die Konzerne und ihre Forschungsabteilungen haben den Bootsbau längst in eine extrem kostspielige und wenig Spielraum belassende Richtung geführt. Der Vergleich mit dem Rennsport ist auch hier nützlich: Welcher noch so reiche Privatmann würde es heute noch wagen, in der von den Konzernen hoch gezüchteten Formel 1 ein neues Team an den Start zu bringen?

Das Sponsoren-Paradies

Dabei geht es den Konzernen hinter den Booten letzten Endes gar nicht ums Gewinnen, sondern um den Gewinn. Ihr Traum vom Glück ist ein America's Cup, der mindestens alle zwei Jahre stattfindet und ein Louis Vuitton Cup der jährlich und möglichst an sechs verschiedenen Orten weltweit ausgetragen wird: ganz gleich, wer am Ende die Silberkanne in Händen hält. Medienpräsenz ist das Zauberwort, kostenlose Werbeminuten das Elixier, nach dem die Konzernstrategen dürsten.

Der Teufel trägt Prada

Prada-Chef Patrizio Bertelli kam 1999 mit seiner Mannschaft quasi als Privatmann nach Auckland und offenbar ohne auch nur einen Gedanken an den möglichen Werbeeffekt für seine Firma zu verschwenden. Als Luna Rossa dann völlig überraschend den Louis Vuitton Cup der Herausforderer gewann, traf das Prada gänzlich unvorbereitet. Nicht einmal die Segeljacken der Mannschaft, geschweige denn eine ganze Sportlinie hatte der Konzern parat, als in den Filialen tausende von Bestellungen eingingen. Zwar hat Prada mittlerweile beides und noch viel mehr im Angebot, doch Bertelli wehrt sich nach wie vor vehement gegen die zunehmende Kommerzialisierung des Cups. "Wir sollten immer daran denken, das wir hier an einem Sportwettbewerb teilnehmen und nicht an einer Marketing-Initiative", erklärt er trotzig und droht offen damit, sein Team beim nächsten America's Cup nicht mehr ins Rennen zu schicken.

Freude schöner Götterfunke

Viel wird für die Zukunft des Großereignisses davon abhängen, wer am Ende den diesjährigen America's Cup gewinnt. Sollte dem Defender-Team Alinghi ein Da Capo gelingen, ist künftiger Ärger vorprogrammiert. Denn der Schweizer Milliardär Ernesto Bertarelli hat mit der Einführung der Vorregatten konsequent dafür gesorgt, dass der Cup den medialen Anforderungen der Konzerne schon heute mehr denn je entspricht. Dass er im Falle eines Sieges von Alinghi auch in den kommenden Jahren auf die Konzerne setzen wird, bezweifelt hier in Valencia niemand. Ist der Endkampf um die Zukunft des America's Cup also bereits entbrannt? Erleben wir hier zeitversetzt dasselbe, was dem europäischen Fußball und der Formel 1 bereits widerfahren ist, nämlich eine schleichende Machtübernahme jener Kräfte, die den Sport doch eigentlich nur "sponsern" und nicht auch noch besitzen sollten?


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