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America's Cup: Nur zehn Meter

Der Louis Vuitton Cup vor Valencia tritt in seine entscheidende Phase. Die BMW-Bezwinger von Luna Rossa fanden gegen die überraschend starken Neuseeländer bisher kein Mittel und müssen sich schleunigst etwas einfallen lassen, wenn sie den America's Cup gegen Alinghi ausfechten wollen.

Von Roberto Lalli delle Malebranche, Valencia

Es gibt da eine dünne rote Linie, die die Hoffnung von der Verzweiflung trennt. In Valencia stehen auf dieser dünnen roten Linie fünf Buchstaben: PRADA. Die Italiener liegen im Finale des Louis Vuitton Cup mit 0:3 gegen Emirates Team New Zealand zurück, und das Problem ist, dass sie selbst nicht wissen, warum. Prada-Steuermann James Spithill hat keinen einzigen Start gegen Dean Barker verloren, allerdings auch keinen einzigen gewonnen.

Ein hauchdünner Vorsprung gleich nach der Linie in jedem der drei bisherigen Rennen hat den Neuseeländern jeweils genügt, die Italiener gnadenlos zu decken und zu schlagen. Die alte America's Cup-Weisheit, dass man den Start gewinnen muss, um das Match Race nach Hause zu fahren, bewahrheitet sich hier in Valencia auf brutale Weise. Nach den ersten drei Minuten waren alle drei Rennen entschieden, die Neuseeländer, nicht gerade die innovativsten auf dem Wasser, taten nur das Nötigste: Sie spiegelten den Gegner aus der Führungsposition heraus und gewannen.

Zeitlupe des dritten Rennens

Wie hoch das Niveau und wie eng das Feld beim diesjährigen Louis Vuitton Cup ist, zeigt die Zeitlupe des dritten Rennens zwischen den beiden Segel-Großmächten. Die Uhr steht auf fünf Minuten und läuft rückwärts, und Spithill gelingt es, die Neuseeländer "an den Haken" zu nehmen, also die Vorfahrtsregeln so zu nutzen, dass Emirates nicht nach links ziehen kann, um die unsichtbare Linie auf der an diesem Tag favorisierten Seite zu kreuzen. Spithill macht alles richtig, er bringt das Boot genau im richtigen Moment auf Speed und kreuzt die Startlinie bei plus eine Sekunde mit maximaler Geschwindigkeit. Er zieht nach links und Emirates kann nur dabei zusehen und, leicht nach rechts versetzt, etwa gleich schnell folgen.

Luna Rossa hat 25 Meter Vorsprung, eine Bootslänge, und die Männer von Prada machen sich bereit, nach rechts zu kreuzen und New Zealand hinter sich zu zwingen. "Noch zehn Meter!", ruft Torben Grael, der Taktiker, und alle warten, dass der Vorsprung um diese magischen zehn Meter anwächst. Zehn Meter und Luna Rossa kann sich vor den Gegner bringen und hat damit den Start und wahrscheinlich auch das Match Race gewonnen. Aber genau in diesem Moment wechselt die Windrichtung um wenige Grad. "Zehn Meter!" ruft Grael noch einmal, aber Luna Rossa wird diese zehn Meter nicht mehr gut machen. Innerhalb von 150 Sekunden verwandelt sich der Rückstand der Neuseeländer in einen Vorsprung von vierzig Metern, und nun sind sie es, die kreuzen können und Luna Rossa hinter sich zwingen. Das Rennen ist entschieden. Ein leichter Dreher des Windes hat genügt, das ganze hat vier Minuten gedauert. Am Ende gewinnt Emirates Team New Zealand mit einem Delta von einer Minute 38 Sekunden - das sind im Match Racing Welten.

Die dünne rote Linie

Max Sirena, Mid-Bow an Bord von Luna Rossa, sitzt mir gegenüber und lächelt. "Nein, ich denke nicht, dass die Kiwis besser sind als wir. Beide Boote sind in etwa gleich schnell." "Nein, ich würde nichts anders machen."" Ja, es ist schwer, 0:3 hinten zu liegen, aber wir glauben nach wie vor an uns. Wir können es immer noch schaffen." Die rote Linie läuft quer über seine Brust, sie ist seit dem ersten Auftritt von Luna Rossa 2000 in Auckland das Wahrzeichen des italienischen Teams beim America's Cup. Unter dieser roten Linie auf seinem T-Shirt schlägt sein Herz, und es wartet wahrscheinlich wie wir alle auf das nächste Rennen. Die Italiener müssen es unbedingt gewinnen, wenn sie weiter hoffen und träumen wollen.

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