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Anni Friesinger: Heftige Kritik nach Comeback

Nach 277 Tagen Pause bestritt Anni Friesinger ihren ersten Wettkampf - und war gar nicht zufrieden. Das lag aber weniger an ihrer eigenen Leistung als vielmehr am Eisschnelllauf-Verband. Denn die Wettkämpfe in Berlin entpuppten sich als laue Nummer mit zwei Ausnahmeathletinnen.

Anni Friesinger hat sich mit einem überzeugenden Comeback nach 277 Tagen Wettkampfpause in der Weltelite zurückgemeldet und heftige Kritik am Eisschnelllauf-Verband geübt. "Was hier abgelaufen ist, ist beschämend. Da wird ein Wettkampf als Qualifikation für die WM ausgeschrieben und dann dürfen sich einige Sprinterinnen vor dem Rennen drücken", meinte sie.

Debüt nach Knie-OP

In 1:18,23 Minuten feierte Anni Friesinger am Sonntag über die 1000 Meter ein gutes Debüt nach der Knie-Operation im Juni. Tags zuvor hatte sich auch Claudia Pechstein nach dem Gewinn ihres sechsten Allround-Titels ähnlich kritisch über die Modalitäten geäußert. Nach Aussage von Verbands-Präsident Gerd Heinze stehen die deutschen Mehrkampf-Meisterschaften nach einem deprimierend trostlosen Titelkampf in Berlin nun vor dem Aus.

"Das war nicht fair für jene, die hier angetreten sind", meinte Friesinger und bezog das vor allem auf ihre Teamgefährtinnen Pamela Zoellner und Judith Hesse, die sich nun auf einen weiteren Wettkampf einstellen müssen. Laut Bundestrainer Markus Eicher soll es am 8. Januar in Klobenstein/Südtirol ein weiteres Ausscheidungsrennen aller WM-Kandidatinnen geben. Friesinger selbst ist dann nicht dabei, für sie gibt es für die WM längst Grünes Licht.

Friesinger will an Starts arbeiten

"In Moskau will ich mich auf die 1000 Meter konzentrieren. Dazu muss ich noch viel an den explosiveren Starts arbeiten." Zuvor waren ihre Startprobleme vor allem auf den 500 Metern (39,93) deutlich geworden. "Die 40 Sekunden war mein stilles Ziel. Aber natürlich ist die Zeit noch nicht das, was ich erhoffe. Aber das ist nach dieser Pause wohl normal", urteilte die 15-fache Weltmeisterin.

Claudia Pechstein hatte am Samstag in einer schwachen Konkurrenz gegen 15 Jahre jüngere Rivalinnen ihre Klasse demonstriert: Trotz "angezogener Handbremse" erkämpfte sie souverän ihren insgesamt 13. nationalen Titel. Die zweitplatzierte Isabell Ost lag in der Vierkampf-Wertung 11,25 Punkte hinter ihr - hochgerechnet auf das 5000-Meter-Rennen wären das schier unglaubliche 112,5 Sekunden. "Es ist schon bitter, wenn man sieht, was der Nachwuchs leistet. Da wurden trainingsmethodische Fehler gemacht, an denen sicher weniger die Athleten, sondern mehr die Trainer schuld sind", kritisierte Pechstein, die nach den 500 (39,91) und den 3000 Metern (4:08,84) am Samstag auch die 1500 (1:58,54) und die 5000 Meter (7:09,77) in ansprechenden Zeiten gewann.

Die 36 Jahre alte Berlinerin meinte danach, dass die Titelkämpfe unbedingt als Qualifikation für die EM und die nächsten Weltcups hätten ausgeschrieben werden müssen. "Kein Wunder, dass hier keiner startet", meinte sie. "Man muss ernsthaft darüber nachdenken, ob man diese Meisterschaften nicht gänzlich streicht und sich auf die Einzelstrecken-Titelkämpfe konzentriert", sagte der Präsident der Deutschen Eisschnelllauf-Gemeinschaft (DESG), Gerd Heinze. "Das Niveau entsprach nicht dem Rahmen einer Meisterschaft. Dies wird Konsequenzen haben", sagte Heinze, nachdem nur vier Läuferinnen die Damen-Konkurrenz beendeten. Angesichts zahlreicher Verletzungen war der Titelkampf nicht als Qualifikation um das vierte EM-Ticket ausgeschrieben. Diese wird nun am 3./4. Januar in Erfurt nachgeholt.

Das Herren-Trio für die EM in Heerenveen wird von Tobias Schneider angeführt, der seinen vierten Mehrkampf-Titel in Serie erkämpfte. Der Berliner gewann die 1500 (1:48,65) und die 5000 m (6:34,88). "Bis zur EM muss ich noch zulegen, ich will wieder in die Top 8", meinte der Meister. Begleitet wird er zur EM von Vizemeister Marco Weber (Chemnitz), dem Besten über 10 000 m (13:28,49) und dem Erfurter Robert Lehmann, der die 500 m (36,76) gewonnen hatte.

DPA / DPA

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