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Australian Open Federer weint vor Glück


Roger Federer triumphiert bei den Australian Open: In vier Sätzen bezwang er den Überraschungsfinalisten Marcos Baghdatis. Der Zyprer verlangte Federer aber einiges ab.

Tennis-Magier Roger Federer hat den aufmüpfigen "Zauberlehrling" Marcos Baghdatis im Finale der Australian Open in die Schranken gewiesen und war nach dem Gewinn seines siebten Grand-Slam-Titels in Tränen aufgelöst. Der Weltranglistenerste aus der Schweiz blieb am Sonntag in Melbourne auch in seinem siebten großen Endspiel unbesiegt.

Nach wackligem Beginn brach er den Widerstand des 20 Jahre alten Überraschungsfinalisten aus Zypern und gewann in 2:46 Stunden mit 5:7, 7:5, 6:0, 6:2. Nach Wimbledon und den US Open im vergangenen Jahr hat Federer damit den dritten Grand-Slam-Titel in Serie gewonnen und mit seiner Trophäensammlung unter anderen den dreimaligen Wimbledonsieger Boris Becker überholt.

Pokal aus den Händen einer Legende

"Ich hoffe, Ihr wisst, wie viel mir das bedeutet", sagte der beste Tennisspieler der Welt in seiner bislang emotionalsten Dankesrede und schluchzte: "Jetzt bricht alles aus mir heraus." Der Schweizer hatte den Silberpokal aus den Händen von Rod Laver entgegengenommen und war überwältigt von diesem Moment. Er umarmte die Tennis-Legende zwei Mal und wischte sich verstohlen die Tränen aus dem Gesicht.

Der Australier Laver ist der einzige Spieler, der alle vier Grand-Slam-Turniere innerhalb eines Jahres gleich zwei Mal gewinnen konnte (1962, 1969). Dieses Ziel kann auch Federer wieder ins Auge fassen, nachdem er zum zweiten Mal nach 2004 das erste Major-Turnier des Jahres gewonnen hat. "Er ist der einzige, den ich sehe, der es schaffen kann. Er ist so talentiert. Es ist eine Freude, ihm zuzuschauen", sagte Laver.

Die Rollen schienen vertauscht

Zunächst bekamen Laver und die 15.000 Zuschauer in der nach ihm benannten Arena jedoch ungewöhnliche Dinge zu sehen. Baghdatis, der nacheinander die Top-Ten-Spieler Andy Roddick (USA), Ivan Ljubicic (Kroatien) und David Nalbandian (Argentinien) bezwungen hatte, setzte den Favoriten unter Druck. Federer strahlte alles das aus, was man von Baghdatis in seinem ersten großen Finale erwartet hätte: Nervosität, Unsicherheit, ja sogar Angst, je mutiger der Außenseiter seine wütenden Angriffe parierte.

Im zweiten Durchgang verpasste Baghdatis die Chance, mit einem Doppelbreak 3:0 in Führung zu gehen, und plötzlich war Federer wieder da. Er ging mit 6:5 in Führung und gewann bis zum 3:0 im vierten Satz elf Spiele nacheinander. Baghdatis war völlig ausgepowert, bekam sogar Wadenkrämpfe, doch aufgeben wollte der Teufelskerl bis zum letzten Punkt nicht.

"Ein Traum, aus dem ich jetzt aufgewacht bin"

Als Lohn für seinen sensationellen Durchmarsch erhält Baghdatis 375.500 Euro. Zudem klettert der Mann, der noch nicht einmal ein kleines ATP-Turnier gewonnen hat, in der Weltrangliste vom 54. auf den 26. Platz. Unbezahlbar sind die Sympathien, die der tadellose Sportmann mit seinem freundlich-unbekümmerten Auftreten überall auf der Welt gewonnen hat. "Es war ein Traum, aus dem ich jetzt aufgewacht bin", sagte der ebenfalls zu Tränen Gerührte und dankte vor allem seinen Eltern zu Hause: "Die ganzen Opfer, die wir gebracht haben, zahlen sich aus."

"Marcos erinnert mich ein bisschen an mich vor sieben Jahren. Er genießt jeden Moment", sagte Damen-Siegerin Amelie Mauresmo. "Doch die Frage ist, ob er stark genug ist, um nach diesem Turnier so weiter zu machen." Mauresmo weiß, wovon sie spricht. Nach ihrer Finalniederlage in Melbourne 1999 benötigte sie sieben lange Jahre, um erneut in ein Grand-Slam-Endspiel einzuziehen. Dass es ein etwas bizarres Ende fand, schmälerte ihre Leistung nicht. "Ich war bereit, auf dem Platz zu sterben", sagte sie. "Ich habe so lange darauf gewartet, hart gearbeitet und es mir verdient."

DPA DPA

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