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Axel Schulz' Desaster: Die Schändung des Teddybären

Schlechtes Boxen, wütende Zuschauer, fassungslose Experten: Das versuchte Comeback von Axel Schulz war ein Desaster. Wieso schafft Schulz immer noch bessere Einschaltquoten als alle erfolgreichen Boxer? Und was bedeutet dieser Flop für Henry Maske?

Verprügelt, verspottet und mit einem gellenden Pfeifkonzert aus der Halle gejagt: Für Publikumsliebling Axel Schulz wurde die Rückkehr in den Boxring nach siebenjähriger Pause zur peinlichen Vorführung und schmerzhaften Demontage. Nur 23 Minuten und 38 Sekunden dauerte der Comeback-Versuch des "weichen Riesen" am Samstagabend gegen den Amerikaner Brian Minto, dann war in der vom Fernsehsender RTL als "Nacht der Antworten" apostrophierten Veranstaltung keine Frage mehr offen: Technischer K.o. in Runde sechs. "Dat war’s. Ick mach definitiv Schluss", schwor der blau und grün geschlagene Schwergewichtler.

Bevor der elf Zentimeter kleinere Minto den seit der zweiten Runde durch den Ring stolpernden Schulz endgültig zu Boden schicken wollte, sprang Ringrichter Joachim Jacobsen (Geesthacht) dazwischen und brach das Gefecht ab, während zeitgleich aus der Schulz-Ecke ein Handtuch zum Zeichen der Aufgabe geflogen kam. "Geh’ Golf spielen oder mach’ Kochsendungen", schrie ein erboster Fan von den teuren Plätzen in dem mit 12.000 Zuschauern ausverkauften Gerry-Weber-Stadion im westfälischen Halle. Zumindest eines dürfte den Beschimpften trösten: Für seine desolate Leistung sackte er immerhin 1,5 Millionen Dollar ein. Die gemeinsam mit RTL geplanten zwei weiteren Zahltage müssen jedoch ausfallen.

Chancenlos gegen Mittelmaß

"Ick hab’ einfach beschissen jeboxt. Ick hab’ mich übaschätzt", stammelte der 1,91-Meter-Hüne aus Frankfurt an der Oder, der wegen der starken Schwellungen im Gesicht kaum noch aus den Augen sehen konnte und deshalb befand: "Ick hab’ schön vorn Kopp jekriegt." Schulz sah genauso zerbeult aus wie vor sieben Jahren nach seinem letzten Kampf gegen Wladimir Klitschko. Der war allerdings schon damals Weltklasse. Minto verkörperte indes nur biederes Mittelmaß. Und auch gegen den hatte Schulz nicht den Hauch einer Chance.

Die Zuschauer konnten die geradezu Mitleid erregende Vorstellung des Mannes, der sechs Mal um Welt- und Europameisterschaften bei den Profis gekämpft hat, kaum ertragen. "Wenn man sich elf Monate vorbereitet, dann weiß ich nicht, was er gemacht hat. Das war so schlecht, man hätte die Augen schließen sollen", mäkelte Ex- Weltmeister Graciano Rocchigiani.

Promoter Wilfried Sauerland, der Schulz früher unter Vertrag hatte, meldete sich aus dem sommerlichen Südafrika zu Wort: "Meine schlimmsten Erwartungen wurden noch übertroffen." Das Ergebnis dürfte zugleich eine deutliche Warnung an Henry Maske sein, der am 31. März gegen Cruisergewichtsweltmeister Virgil Hill in den Ring steigen will. "Axel hatte nicht so viel zu verlieren wie Henry das hat. Ich mach mir da schon Sorgen", meinte Trainer Ulli Wegner aus dem Sauerland-Stall.

Nicht gut, aber beliebt

Dass Qualität der Darbietungen und Publikumsgunst nicht unbedingt einhergehen, hat Fernsehstar Schulz erneut bewiesen. Schon in den 90er Jahren nie Weltklasse verkörpernd, sorgte er damals mit über 18 Millionen Zuschauern für die höchste je in Deutschland gemessene Einschaltquote bei Box-Übertragungen.

Seinen kläglichen Abgesang gegen Minto schauten sich für heutige Verhältnisse erstaunliche 11,53 Millionen Menschen an: Das ist der höchste Wert seit zehn Jahren. Weder die Klitschkos noch Dariusz Michalczewski, Sven Ottke, Luan Krasniqi, Regina Halmich oder Russen-Riese Nikolaj Walujew haben je diese Resonanz erreicht. "Wir brauchen eben solche Typen. Die kannst du dir nicht basteln", meinte der Technische Leiter und Schulz-Freund Jean-Marcel Nartz.

Prügelknabe Schulz begründete seine desolate Vorstellung mit seinem schwachen Nervenkostüm, das dem Erwartungsdruck nicht standhalten konnte. "In der Kabine ging's mir noch super. Als ich in die Halle kam, hat es mich erschlagen. Das war wie eine Wand", gab der 38-Jährige zu. Schulz, dessen Manager Wolfram Köhler und Nartz meinten unisono, ein schwächerer Gegner wäre Selbstbetrug gewesen. Doch Köhler gestand, dass die Wahl Mintos "wirtschaftlich keine kluge Entscheidung" gewesen sei.

Franko Koitzsch/DPA / DPA

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