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Basketball: Männerfeindschaft unterm Korb

Die Saison in der amerikanische Basketballliga NBA beginnt spektakulär: Die Fehde der ehemaligen Teamkollegen Kobe Bryant und Shaquille O´Neal hält die Liga in Atem.

Kobe Bryant oder Shaquille O´Neal - wer ist der wahre Superstar? Oder ist am Ende gar Dirk Nowitzki mit den Dallas Mavericks der lachende Dritte, wenn sich die ehemaligen Teamkameraden der Los Angeles Lakers in der am Dienstag beginnenden Saison der nordamerikanischen Basketball-Profiliga (NBA) darin beweisen wollen, wer der bessere Führungsspieler ist?

Die Wege der beiden eitlen Egomanen hatten sich nach endlosen Querelen im Sommer getrennt: Bryant bleibt für 136,4 Millionen Dollar bis 2011 bei den Los Angeles Lakers, O´Neal wurde zur Ostküste an die Miami Heat abgeschoben. Vor Beginn der 59. Spielserie, in der nach der Neuaufnahme der Charlotte Bobcats nun 30 Mannschaften in sechs statt bisher vier Divisionen um die Meisterschaft spielen, stellt sich zudem die spannende Frage: Können die Detroit Pistons ihren sensationellen Triumph wiederholen?

Der bullige Center wird im Osten ganz schön aufräumen

"Detroit zählt zweifellos zu den Titelkandidaten. Der Favorit sind für mich aber die San Antonio Spurs", meinte Nowitzki, der mit den Mavericks zum Auftakt in der Nacht zum Mittwoch in heimischer Arena auf die Sacramento Kings trifft. Der texanische Rivale, Meister 1999 und 2003, sei am ausgeglichensten besetzt und habe die beste Defensive, meinte der deutsche Nationalspieler.

Allerdings seien durch O´Neals Wechsel die Machtverhältnisse in der Liga gehörig durcheinander gewirbelt worden, wodurch es so spannend wie lange nicht zugehen könnte, vermutet Nowitzki. Der bullige Center wird "im Osten ganz schön aufräumen, denn es gibt dort nicht viele, die gegenhalten können."

Wird Bryant seiner Führungsrolle gerecht?

Die Fehde zwischen O´Neal und Bryant hatte ihren Höhepunkt erfahren, als bekannt wurde, dass Bryant vor 15 Monaten bei einem Polizeiverhör wegen angeblicher Vergewaltigung über den Kollegen gesagt hatte: "Shaquille O´Neal zahlt in vergleichbaren Situationen Millionen Dollar Schweigegeld an die Frauen."

Die Experten glauben, Bryant, den O´Neal nur noch als "Witzfigur" und "Clown" betitelt, wird es schwerer haben, seiner Führungsrolle gerecht zu werden. Denn vom vorjährigen "Dream-Team" der Lakers, das Detroit im Playoff-Finale mit 1:4 unterlegen war, sind neben O´Neal auch Trainer-Guru Phil Jackson sowie Gary Payton, Rick Fox und Derek Fisher nicht mehr dabei. Die Zukunft von Karl Malone ist ungewiss.

Kongenialer Partner für O´Neal

O´Neal indes habe in Miami mit dem 22-jährigen Dwyane Wade einen kongenialen Partner gefunden. So wie einst mit Bryant bei den Lakers, der in Jacksons neuestem Buch "Die letzte Saison", als extrem egoistischer Spieler bezeichnet wurde, der die Autorität des Trainers untergräbt und versucht, zwischen den Spielern einen Keil zu treiben.

Für die Mavericks seien trotz der großen Ausgeglichheit unter den Teams die Playoffs "natürlich ein Muss", fordert Nowitzki, der nach dem überraschenden Weggang seines Freundes Steve Nash zu den Phoenix Suns dessen Aufgabe als Regisseur übernehmen soll. Die Verpflichtung von Center Erick Dampier (Golden State) dient nicht nur der Verstärkung der Abwehr, der Schwachstelle der Mavericks, sondern auch der Schaffung von mehr Freiräumen für Nowitzki im Angriff. Trotz der geglückten Generalprobe vor vier Tagen mit dem 112:93 gegen Sacramento, wobei der Würzburger mit 30 Punkten glänzte, verlief jedoch die Vorbereitung alles andere als verheißungsvoll.

Nowitzki fehlte in Testspielen

Wegen zahlreicher Verletzungen konnten sich die Mavericks nicht wie gewünscht einspielen. Nowitzki selbst fehlte wegen einer Magen-Darm-Grippe und der Beerdigung seiner Großmutter bei drei von acht Testpartien. Neuzugang Jerry Stackhouse (Washington Wizards) wird wegen Schmerzen im Oberschenkel vorerst nicht zum Einsatz kommen. Die fehlende Mannschaftsharmonie hatte in der vorigen Saison, die Nowitzki als "verlorenes Jahr" bezeichnete, zum enttäuschenden Aus in der ersten Playoff-Runde geführt. "Daran soll es nicht wieder liegen", versicherte der Franke. "Im Moment haben wir mit der Chemie überhaupt keine Probleme. In der Kabine herrscht eine super Stimmung. Das Beste in diesem Jahr ist, dass wir alle Positionen doppelt besetzt haben."

Gunnar Meinhardt/DPA / DPA

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