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Basketballstar Dirk Nowitzki: Krieger mit Fieber

Erst der Finger, jetzt das Fieber: Nach dem erneuten Drama in der NBA-Finalserie zwischen Dallas und Miami hat sich Basketball-Superstar Dirk Nowitzki einen neuen Namen verdient: der Unkaputtbare.

Von Klaus Bellstedt

Der große Held wollte nur noch schlafen. Schwer gezeichnet von einer Nasennebenhöhlenentzündung und 39 Grad Fieber saß Dirk Nowitzki nach Spiel vier in der NBA-Finalserie in der Pressekonferenz, schniefte und hustete in einer Tour. Nur wenige Minuten zuvor hatte der 2,13-Meter-Riese seine Dallas Mavericks zu einem 86:83-Heimsieg gegen die Miami Heat geführt - und Dirk Nowitzki hatte seinen bislang beeindruckenden Playoff-Auftritten in der NBA ein weiteres, grandioses Kapitel hinzugefügt. Nicht weil er so dominant aufgetreten war, sondern weil er gesundheitlich schwer angeschlagen wieder mal Verantwortung zum richtigen Zeitpunkt übernommen hatte. "Dies sind die Endspiele, da musst du alles geben. Das Team braucht mich, also habe ich versucht zu helfen." Cool und bescheiden, so ist er.

14.4 Sekunden vor Schluss hatte Nowitzki seine letzten Kraftreserven in einen Zweikampf mit Miamis Udonis Haslem gelegt - und den Ball zum vorentscheidenden 84:81 in den Korb. Es steht jetzt 2:2-Unentschieden in der Best-of-Seven-Serie. Nowitzkis Traum vom Meisterschaftsring lebt weiter. Aber darüber wollte er nach dem Spiel wirklich nicht sprechen. Nach neun kurzen Fragen war er verschwunden - ab nach Hause, ins Bett. Er werde ein paar Medikamente nehmen, dann hoffentlich gut schlafen und für Spiel fünf bereit sein, ließ der 32-Jährige beim Verlassen der Arena wissen.

"Er ist ein fantastischer Krieger mit unheimlich viel Herz. Wir haben ihn heute tagsüber beobachtet und mitbekommen, wie er bei jedem Versuch zu sprechen einen Hustenanfall bekam. Seine Leistung ist mit Worten nicht zu beschreiben" - Nowitzkis Mitspieler Tyson Chandler bekam sich im Anschluss an die Partie gar nicht mehr ein. Und auch die Zeitungen überschlugen sich. "Deutsch-Fieber! Dirks kranker Korbleger und die Bank helfen Mavericks zum Ausgleich", jubelte die "Dallas Morning News" am Tag danach. Das "Fort Worth Star Telegram" schrieb von einem "Fieberhaften Finale".

Nowitzki ist ein Phänomen

Nach der Niederlage in der dritten Partie ging es für die "Mavs" im zweiten Heimspiel hintereinander fast schon um alles. Ein 1:3-Rückstand in der NBA-Finalserie wurde noch von keinem Team aufgeholt. Mehr denn je kam es also auf den "Flying Deutschman" an. Aber Nowitzki war krank, hatte die Nacht vor dem Spiel gar nicht geschlafen. Er schleppte sich über das Parkett. Schon wieder spielte sich ein Dirkules-Drama ab, nur dass ihm das Fieber viel schwerer zu schaffen machte, als der Sehnenriss im Mittelfinger, den er sich zu Beginn der Finalserie zugezogen hatte.

Nowitzki waren die fast 39 Grad Temperatur nicht nur bei den Würfen sichtlich anzumerken. Immer wieder sah man den Hünen auf der Bank in ein Handtuch gehüllt vor sich hin husten. Er nahm sich mehr Auszeiten als sonst - und war trotzdem der Matchwinner. "Eine großartige Aktion, es war nicht einfach für ihn, sich heute durchzubeißen", lobte Mavericks-Coach Rick Carlisle hinterher und spielte damit auf den Korbleger kurz vor Schluss an. "Auf mich hat er so wie immer gewirkt. Jedes Mal, wenn er wirft, hältst du den Atem an", betonte Miamis Trainer Erik Spoelstra.

Dirk Nowitzki ist ein Phänomen. Es war in Spiel eins der NBA-Finalserie zwischen den Dallas Mavericks und Miami Heat als er sich im linken Mittelfinger einen Sehnenriss zuzog. Ein Aufschrei ging durch Texas - zumal die "Mavs" das erste Match auch noch verloren hatten. Die "Linke" ist zwar nicht Nowitzkis Wurfhand, dennoch sahen die leidgeprüften Fans aus Dallas die Zukunft finster. Wie sollte das bloß weitergehen? Ihr mit Abstand beste Spieler war nun plötzlich verletzt, der Finger fortan die Story der NBA-Finals. "Shocking, the finger!", schrieb die "Dallas Morning News" am Tag nach dem ersten Endspiel. Aber die Angst war unbegründet.

Man sollte sich keine Sorgen machen

Mit getapter Fingerkuppe und einer Plastikschiene zum Schutz des Gelenks ging Dirk Nowitzki in die nächste Partie. Was soll man sagen? Beim 95:93-Auswärtserfolg in Miami gelang ihm 3,6 Sekunden vor Ende der Partie der entscheidende Korbleger - ausgerechnet mit der linken Hand. Nowitzki war nicht der Gehandicapte, er war der alles überragende Akteur in der American Airlines Arena von Miami. Dallas, nein Nowitzki, hatte die Finalserie ausgeglichen. "Unstoppable Dirk" hatten die Fernsehleute von "Fox Sports" ihre Sendung am Tag nach Dallas' Erfolg bei den Heat in weiser Voraussicht betitelt. Denn zwei Spiele weiter weiß jetzt jeder im basketballverrückten Amerika, dass dieser Dirk Nowitzki tatsächlich nicht zu stoppen ist. Das sportliche Schicksal der Dallas Mavericks wird also weiterhin in den Händen des Unzerstörbaren liegen. Aber das kennt Nowitzki ja. Man sollte sich keine Sorgen machen.

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