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Basketball-Star Dirk Nowitzki: "Dirkules" - der Herkules aus Dallas

Der Hype um Dirk Nowitzki kennt in den USA derzeit keine Grenzen. Es ist wohl sein letzter Anlauf mit Dallas auf den NBA-Titel. Die ganze Nation hofft mit ihm, denn Gegner Miami Heat ist verpönt.

Von Frank Siering, Los Angeles

Immer wieder blicken die nervösen Trainer auf den Finger. Dieser verdammte Finger. "Dirkules", "Nomissky", "Dörk" muss mit einer Schiene spielen. "Ich bin okay, es geht schon", sagt er nach der Trainings-Session im American Airlines Center von Dallas zuversichtlich. Aber ganz Basketball-Amerika ist nervös. Auf einmal ist er verwundbar, der Deutsche Megastar, der "Giant from Germany".

Jetzt plötzlich scheint er zu wackeln. 1:2 liegen sie in der Best of Seven Serie zurueck, die "Mavs". Ausgerechnet ihr Publikumsliebling "Dörk" patzte im letzten Heimspiel bei seinem letzten Wurf. Der Ausgleich lag in der Luft, der Ball kugelte aus dem Ring. Niederlage. Jetzt muss in der Nacht zum Mittwoch (MESZ) ein Sieg her. Sonst scheint das Schickal besiegelt - und Nowitzkis wohl letzter grosser Run auf den Titel gescheitert.

Gefeiert wie ein König

Nie zuvor wurde ein deutscher Sportler in Amerika so gefeiert wie der Zwei-Meter-Lulatsch aus Würzburg. Klar, das liegt zum einen daran, dass die NBA-Finals für die Amerikaner so wichtig sind wie eine Fußball-WM für den größeren Rest der Welt. Zum anderen aber hat "Dirkules" eine noch viel wichtigere Aufgabe zu erfüllen. Ganz allein soll er die gehassten Miami Heat besiegen. Ein Team, das am Anfang der Saison auf dramatische Art und Weise zusammengekauft wurde. Nicht zuletzt deshalb ist es von Los Angeles bis New York verachtet und verpönt.

Nowitzki hingegen verkörpert all das, was LeBron James, Dwayne Wade und Chris Bosh von den Heat nicht haben. Loyalität, Stehvermögen, eine schweigende Clint-Eastwood-Kraft. "Dirk Nowitzki kann sich durch einen Sieg gegen die Heat zur Legende machen", sagt Ex-Trainer und TV-Reporter Jeff van Gundy. Basketball-Superstar Magic Johnson über den Center aus Dallas: "Nowitzki ist ein großartiger Anführer. Er verkörpert deutsche Disziplin und Effizienz. Er ist solide wie ein Mercedes, präzise wie ein BMW und schnell wie ein Porsche."

Nowitzki tritt auf die Euphorie-Bremse

Nowitzki selbst kommt mit soviel Lobhudelei nicht so ganz klar. Immer wieder versucht er, das Tempo aus den Sensationsmeldungen um seine Person herauszunehmen, spielt seine Rolle als Star des Teams herunter und stellt stattdessen die Mannschaft in den Vordergrund. "Wir sind ein gutes Team", sagt er dann. Wohlwissend, dass der Druck natürlich auf seinen Schultern lastet.

Aber seine Versuche, im Moment der Beschleunigung auf die Euphorie-Bremse zu treten, schlagen immer häufiger fehl. Wo man auch hinguckt, er wird mit Lob ueberschüttet. Kein Tag vergeht, an dem sein Konterfei nicht auf dem Titelblatt einer Sportzeitung erscheint. Sie nennen ihn den "german wonderboy". In den Sport-Talkshows gibt es nur noch ein Thema dieser Tage: Kann es Nowitzki diesmal schaffen?

Selbst Hollywood hat "Dirk" entdeckt

Bei einer Radioumfrage in Dallas wollten Frauen ihr erstes Kind "Dirk" nennen. Und van Gundy schlug der deutschen Regierung nach der großartigen Leistung Nowitzkis im ersten Spiel gegen Oklahoma gar vor, "den 17.Mai zum Nationalfeiertag zu machen".

Selbst Hollywood ist auf Nowitzki aufmerksam geworden. Nicht nur denken einige Studios schon längst über die Verfilmung von Dirks Geschichte nach. Auch Superstar Jack Nicholson, Dauerkarten-Gast bei den LA Lakers, gibt Kommentare ab. "Der Typ hat mir zwar die Saison verhagelt. Aber er ist einer der anständigsten Typen, die ich jemals kennengelernt habe. Und er hat einen Arbeitsethos, von dem sich 'ne ganze Menge anderer Basketballer eine Scheibe abschneiden können."

Eine amerikanische Geschichte

Amerika liebt solche Geschichten wie die von Dirk Nowitzki. Vom Schuljungen, der nach Amerika ging, um hier in der NBA das große Glück zu machen, der englischen Sprache kaum mächtig, voller Heimweh. Heute parliert er wie ein Einheimischer, gibt Interviews auf dem Platz, fühlt sich pudelwohl in Texas, scheffelt Millionen und denkt kaum noch an eine mögliche Rückkehr nach Würzburg.

Natürlich gehört zu jedem Superstar auch ein bisschen Drama. Privat hatte der "Holywitzki" bis vor kurzem noch nicht so viel Glück. Unvergessen die Geschichte von seiner Ex-Freundin Crystal Tayloer. Eine Frau, die er liebte und heiraten wollte. Und die dann als steckbrieflich gesuchte Betrügerin enttarnt und verhaftet wurde.

Nummer 41 trägt die Hoffnung

Heute ist Nowitzki wieder liiert. Die Schwedin Jessica Olsson arbeitet als Managerin in einer Kunstgalerie. Aus dem Freundeskreis von Nowitzki heißt es, dass es ernst ist. Der Basketball-Superstar hat schon in diversen Interviews angedeutet, dass er sehr kinderfreundlich ist und unbedingt selbst eine eigene Familie gründen möchte. "Jessica ist das Beste, war mir im vergangenen Jahr passiert ist", sagt er.

Aber zunächst muss er noch einen "Job erfüllen". Und dieser Job heißt Titelgewinn. Und wenn Dirk Nowitzki im American Airline Center von Dallas aufläuft, wird die Stadionstimme seinen Namen noch ein bisschen lauter ins blauweiße Rund hinausrufen. Denn auf den Schultern von Nummer 41 ruht die Hoffnung einer ganzen Nation. Beat Miami, beat LeBron James. Dirk Nowitzki ist bereit.

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