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Bayern München: Eklat bei Klinsmann-Auftritt

Das geht ja gut los: Bei der ersten Pressekonferenz des neuen Bayern-Trainers Jürgen Klinsmann hat es gleich einen handfesten Skandal gegeben. Sämtliche Fotografen verließen geschlossen den Saal, nachdem ihnen die Arbeit untersagt worden war. Klinsmanns Begründung klingt skurril.

Jürgen Klinsmann sprühte vor Elan und Ehrgeiz, Karl-Heinz Rummenigge sprach von einem perfekten Projekt und Uli Hoeneß war total überwältigt - doch in die Begeisterung der Chefetage über die schöne, neue Bayern-Welt mischten sich erste Misstöne. Bei seiner ersten Pressekonferenz als neuer Trainer des deutschen Fußball-Rekordmeisters FC Bayern München sorgte der 43-jährige Ex- Bundestrainer am Mittwoch in München für Aufregung unter den zwei Dutzend Fotografen. Weil Klinsmann bei der Pressekonferenz nicht vom Blitzlichtgewitter und Kamerageräuschen gestört werden wollte, verließen die Bildreporter wenige Minuten nach Beginn der Gesprächsrunde geschlossen den Presseraum in der Münchner Arena.

Bei der Vorbereitung auf die Weltmeisterschaft im Mai 2006 in Genf hatte sich Klinsmann mit einer ähnlichen Reaktion bereits den Unmut der Fotografen zugezogen, seiner guten Laune tat der Protest der Bildberichterstatter aber auch diesmal keinen Abbruch. "Ich bin mit viel Freude und Enthusiasmus in die Vorbereitung gestartet", sagte Klinsmann nach seinem Dienstbeginn, "die Anforderung bei einem Club wie Bayern, der zu den zehn besten Vereinen in der Welt gehört, sind die höchsten. Aber ich bin sehr stolz und es ist mir eine Ehre, diese Verantwortung übernehmen dürfen. Und ich bin unheimlich ehrgeizig."

Buddhas für die Stars

Generalstabsmäßig und in akribischer Arbeit hat der gebürtige Schwabe seit dem Anruf von Bayern-Chef Rummenigge vor Weihnachten 2007 sein Projekt vorangetrieben und beim erfolgreichsten deutschen Fußball-Club eine völlig neue Welt geschaffen. "Ich will die Spieler jeden Tag besser machen", beschrieb der Weltmeister von 1990 seine Philosophie. Das nagelneue Leistungszentrum als "Schmuck- und Herzstück" biete ideale Voraussetzungen bei der Fort- und Weiterbildung sowie der Kommunikation mit den Profis. "Ich glaube, die Spieler haben in diesem Wohlfühlbereich einen Riesenspaß", meinte Klinsmann.

An Acht-Stunden-Tagen genießen Luca Toni und Co. eine Rund-um-Betreuung vom morgendlichen Espresso über das gemeinsame Mittagessen bis zum Deutsch-Unterricht. Innenarchitekt Jürgen Meisner, der schon für das Design des WM-Quartiers 2006 in Berlin verantwortlich war, hat in Klinsmanns Tagesstätte selbst vier Buddha-Statuen nicht vergessen, die von der Dachterrasse hinunter auf den Trainingsplatz schauen. "Die ersten Eindrücke sind überwältigend positiv", sagte Klinsmann.

"Perfekte Oase"

Auch seine Bosse gerieten ins Schwärmen. "In dieser perfekten Oase können sich die Spieler 100prozentig auf den Fußball konzentrieren", betonte Rummenigge. "Ich bin total überwältigt", sagte Hoeneß, warnte aber: "Das alles schießt keine Tore. Jetzt liegt es an der Mannschaft." Wenn die EM-Spieler nach und nach in München eintreffen und mit der Rückkehr der deutschen Nationalspieler am 17. Juli der Kader komplett ist, beginnt der harte Konkurrenzkampf.

Klinsmann freut sich darauf, auch wenn er dem einen oder anderen klar machen muss, dass es bei dem hochwertig besetzten Kader keine Stammplatzgarantie geben wird. Das betrifft Lukas Podolski, der auf Geheiß von Rummenigge weder zum 1. FC Köln noch zu einem anderen Club wechseln darf, und Bastian Schweinsteiger, der ebenfalls bleiben muss, aber auch Neuzugang Tim Borowski. "Ich schätze ihn sehr, er kann hier in seiner Karriere einen Schritt nach vorne machen", so Klinsmann. Die Entscheidung, wer nach Oliver Kahn neuer Kapitän wird, will er erst treffen, wenn die Mannschaft vollständig ist.

Rensing die Nummer eins

Die Torwartfrage ist dagegen entschieden. "Michael Rensing ist die klare Nummer eins", stellte der neue Chefcoach klar. Neuzugang Hans-Jörg Butt solle ihm den Rücken stärken und immer bereit sein, sagte Klinsmann, der sich bei seinem ersten Job als Vereinstrainer "die höchsten Ziele" gesetzt hat: Meisterschaft und Pokal "und in der Champions League bis zum Schluss ganz vorne dabei sein".

Ex-Torwart Kahn traut Klinsmann übrigens den ganz großen Wurf zu. "Nicht nur bei der Verteidigung der deutschen Meisterschaft, sondern auch in der Champions League", sagte er.

DPA / DPA

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