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Blutdoping-Vorwurf: Claudia Pechstein für zwei Jahre gesperrt

Die größte deutsche Wintersport-Karriere könnte ihr Ende im Doping-Sumpf finden: Die fünfmalige Olympiasiegerin im Eisschnelllauf, Claudia Pechstein, ist des Blutdopings überführt worden und muss für mindestens zwei Jahre aussetzen. Ihr Anwalt will gegen die Sperre vorgehen. Es gebe keinen positiven Befund, lediglich Indizien.

Schock für den deutschen Eisschnelllaufsport: Die fünfmalige Eisschnelllauf-Olympiasiegerin Claudia Pechstein ist des Blutdopings überführt worden. Wie die Internationale Eislauf-Union (ISU) am Freitag mitteilte, wurden bei der 37 Jahre alten Berlinerin "auffällige Werte und auffällige Veränderungen der Werte in einer Serie von Tests (vor allem in den Tests, die während der Mehrkampf-Weltmeisterschaften am 7. und 8. Februar 2009 in Hamar durchgeführt wurden)" festgestellt. Damit wird sich die Berlinerin möglicherweise nun den Traum von ihren sechsten Olympischen Spielen 2010 in Vancouver nicht erfüllen können.

Pechsteins Rechtsanwalt Simon Bergmann hat bereits gemeinsam mit der Deutschen Eisschnelllauf-Gemeinschaft (DESG) beim Internationalen Sportgerichtshof (CAS) in Lausanne Berufung gegen die Sperre eingelegt. "Es gibt keinen positiven Befund, sie ist ohne positive Doping-Probe verurteilt worden", erklärte Bergmann. Claudia Pechstein sei allein aufgrund von Indizien bestraft worden. "Insofern unterscheidet sich dieser Fall maßgeblich von allen aktuellen Dopingfällen, insbesondere im Radsport", erklärte Bergemann. "Alle Proben von Claudia Pechstein waren negativ", unterstrich der Anwalt in einer Presseerklärung. In Pechsteins Blutbild waren anormale Retikulozyten-Werte festgestellt worden, die als Vorläufer der leistungssteigernden roten Blutkörperchen gelten. Die erfolgreichste deutsche Wintersportlerin aller Zeiten hatte die Mehrkampf-WM im Februar in Norwegen wegen einer angeblichen Erkrankung abgebrochen und auf den 5000-Meter-Lauf verzichtet.

Disziplinarkommission unsicher

In der Disziplinarkommission der ISU, die die Sperre aussprach, hatten sich drei Funktionäre zu einem Urteil durchgerungen, obwohl einige Gutachter eingeräumt hatten, dass die anomalen Blutwerte Pechsteins auch durch andere Ursachen hervorgerufen werden könnten. "Wenn die ISU es mitteilt, wird es wohl stimmen", reagierte Gerd Heinze, Präsident der Deutschen Eisschnelllauf-Gemeinschaft (DESG), betroffen. "Es ist eine große Tragik, aber das ist noch nicht das Ende. Deshalb will ich im Moment nicht mehr sagen", erklärte Heinze.

Erste Doping-Verdächtigungen gegen die deutsche Läuferin waren im vergangenen Winter aufgetaucht, als sie einen im Vergleich zu den Vorjahren auffällig großen Leistungssprung machte. Bei den Mehrkampf-Europameisterschaften im Januar im holländischen Heerenveen gewann sie nach 1998 und 2006 zum dritten Mal den Titel.

Dopingvorwürfe in den Niederlanden

Nach der WM im Februar war Pechstein von der Bildfläche verschwunden mit dem Hinweis, dass sie nach Hamar nicht wieder zu alter Form gefunden hätte. Vor den Einzelstrecken-Weltmeisterschaften Anfang März auf der Olympia-Bahn in Richmond in den USA hatte schließlich die niederländische Moderatorin Ria Visser im niederländischen Fernsehen darauf hingewiesen, dass es Doping-Gerüchte rund um das deutsche Team gebe. Empört hatten sich alle Verantwortlichen dagegen verwahrt und der Journalistin sogar mit rechtlichen Schritten gedroht.

Wie funktioniert Blutdoping?

DPA/dho / DPA

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