BOXEN »Rocky« soll wieder boxen


Graciano Rocchigiani plant nach seiner Freilassung einen Wechsel zum Universum-Boxstall und hält ein Comeback im Frühjahr 2003 für realistisch.

Graciano Rocchigiani plant nach seiner Freilassung aus der Haftanstalt Berlin-Tegel einen Wechsel zum Universum-Boxstall von Promoter Klaus-Peter Kohl und hält ein Comeback schon für Frühjahr 2003 gegen Thomas Ulrich für realistisch. »Das ist ein Riesenkampf aus deutscher Sicht. Wir sind bereit diesen Kampf zu machen«, sagte Kohl am Sonntag der dpa. Der Box-Manager kündigte an: »Wir werden jetzt verhandeln.«

»Schnellstmöglich wieder ins Training«

Nachdem Rocchigiani in der vergangenen Woche nach 279 Tagen Gefängnis vorzeitig in die Bewährung entlassen worden war, wolle der Box-Profi »schnellstmöglich wieder ins Training«, sagte sein Anwalt Björn Ziegler dem Internet-Anbieter Sport1. Rocchigiani feiert am 29. Dezember seinen 39. Geburtstag. Kohl sieht Chancen, den Kampf gegen Ulrich im März zu realisieren.

Kampf gegen Thomas Ulrich

Ein Kampf mit dem Berliner »Enfant terrible« Rocchigiani verspricht im Fernsehen hohe Einschaltquoten. Der 27 Jahre alte Europameister Ulrich gilt im Universum-Lager als Hoffnungsträger im Halbschwergewicht. In dieser Gewichtsklasse ist WBO-Weltmeister Dariusz Michalczewski das Aushängeschild des Hamburger Box-Unternehmens. »Einen Manager-Vertrag mit Rocky kann ich mir nicht vorstellen, eine Zusammenarbeit schon, denn wir sind an einem Kampf Ulrich gegen Rocchigiani interessiert«, sagte Universum-Geschäftsführer Peter Hanraths denn auch.

Aufbaukämpfe

Jean Marcel Nartz, der als Technischer Leiter des Sauerland-Boxstalls mit Beginn nächsten Jahres ins Management der konkurrierenden Universum Promotion wechseln wird, weiß: »Zunächst muss Graciano ein, zwei Aufbaukämpfe bestreiten. Danach ist ein solches Duell aber möglich«, meinte Nartz. Inwieweit Rocchigiani mit fast 39 Jahren die Trainingsbelastungen auf sich nehmen will und welchen Leistungsstandard er noch erreicht, seien dabei aber andere Fragen.

Die geprellte Gönnerin

Rechtsanwalt Ziegler bestätigte, dass sich Rocchigiani von seiner Promoterin und Gönnerin Eva Rolle trennen werde. Die engagierte Berlinerin schäumte am Sonntag: »Ich bin sehr irritiert und traurig. Keiner der Manager kümmerte sich um Graciano, als er im Gefängnis saß. Ich habe ihm die Anwälte besorgt, ich habe ihm eine berufliche Perspektive geboten: Er hätte in meinem Boxstall trainieren, kämpfen und sich, wie von ihm versprochen, in der Jugendarbeit profilieren können.«

Nach seiner Entlassung habe sich Rocchigiani noch nicht bei Rolle gemeldet: »Ich warte noch ein paar Tage - dann werde ich darauf öffentlich reagieren. Man trifft sich immer zwei Mal im Leben«, sagte am Sonntag Eva Rolle, die das Jugend-Projekt »Doppeldeckung« leitet, womit sie gestrandete Jugendliche auffangen will.

Bekommt Rocky seinen Titel zurück?

Nachdem Rocchigiani im Rechtsstreit mit dem World Boxing Council (WBC) in New York 31 Millionen Dollar Entschädigung für die unrechtmäßige Aberkennung seines 1998 gewonnen WM-Titels zugesprochen worden waren, hofft der Berliner auf eine weitere frohe Botschaft. In den nächsten Tagen wird sich nach Auskunft von Ziegler entscheiden, ob Rocchigiani »neben dem Geld den WM-Titel im Halbschwergewicht nach Version des WBC« zurückerhält.

Wegen Fahrens ohne Führerschein und Körperverletzung war Rocchigiani von der Berliner Justiz zu einem Jahr Haft verurteilt worden. Gute Führung und eine günstige Sozial-Prognose hatten dafür gesorgt, dass der ehemalige Gebäudereiniger nach neun Monaten wieder auf freien Fuß kam - trotz des Einspruchs der Berliner Staatsanwaltschaft. Über konkrete Comeback-Pläne mache sich der Boxer »nach dem Urlaub einen Kopf«, wie er am Sonntag die »Berliner Morgenpost« wissen ließ.

Von Franko Koitzsch und Andreas Zellmer (dpa)


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