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Boxen: Arslan entthront Weltmeister Hill

Der deutsche Box-Profi Firat Arslan ist neuer WBA-Weltmeister im Cruisergewicht. In einem packenden Kampf gegen Virgil Hill ließ Kraftpaket Arslan keinen Zweifel an seiner Überlegenheit aufkommen.

Box-Profi Firat Arslan hat sich seinen großen Traum erfüllt. Nach fast zwei Jahrzehnten zähen Ringens ist der mittlerweile 37 Jahre alte Göppinger endlich Weltmeister. "Als ich mit 18 angefangen und gesagt habe: ich will Weltmeister werden, haben mich alle ausgelacht. Nun habe ich es geschafft und bin sehr glücklich", sagte der Deutsch-Türke wenige Augenblicke nach dem einstimmigen Punktsieg (118:110, 116:113, 117:111) über Virgil Hill. Arslan nahm dem sechs Jahre älteren US-Amerikaner damit den WBA- Gürtel im Cruisergewicht ab.

Und das völlig zurecht. Kraftpaket Arslan machte praktisch über die gesamte Distanz hinweg ungeheuren Druck, traf immer wieder mit seinen linken und rechten Haken, so dass dem boxerisch eigentlich besseren Hill das Hören und Sehen verging. "Firat war sensationell gut. Einen, der so nach vorn gegangen ist, hatte ich noch nicht", gestand der in 57 Kämpfen gestählte US-Amerikaner unumwunden und unter sichtlichen Schmerzen ein. Hill konnte vor Schwäche kaum mehr das Mikrofon halten und sah nach dem letzten Gong aus, als ob er unter eine Dampfwalze geraten wäre.

Das hatten auch die 3,18 Millionen Zuschauern (Marktanteil 30,4 Prozent) gesehen, die den Kampf weit nach Mitternacht live im ZDF verfolgten. Die Protagonisten am Ring sowieso. "Firat hat eine tolle Leistung gezeigt und ist für seine jahrelange Arbeit belohnt worden", lobte Universum-Promoter Klaus-Peter Kohl den nimmermüden Sieger. "Ich hätte noch weitermachen können und war noch lange nicht am Ende", bekräftigte das Konditionswunder nach dem 28. Sieg im 32. Kampf seiner Profi-Karriere, die er über viele Jahre an der Seite und im Schatten seines Freundes Luan Krasniqi gestaltete.

Der frühere Europameister saß so auch in der Ecke und bekam sich vor Freude auch kaum ein. "Ich bin auch ein Stück Weltmeister geworden. Ich war noch nie in meinem Leben so glücklich", bekannte Krasniqi euphorisch. Trainer Michael Timm, der Arslan erst vier Wochen vor dem WM-Kampf unter seine Fittiche genommen hatte, empfand ebenso. "Das ist ein typisches Beispiel für: Lebe deinen Traum. Unglaublich", sagte der Weltmeister-Coach, der als Amateur 1985 selbst Europameister war.

Zsolt Erdei zollte Arslan ebenfalls seine tiefen Respekt. Der 33 Jahre alte Ungar hatte zuvor seinen WBO-WM-Titel im Halbschwergewicht mit einem 2:1-Punktsieg (116:112, 117:111, 111:117) über Tito Mendoza (Panama) verteidigt. Erdei blieb damit auch im 28. Kampf seiner Karriere ungeschlagen. Zufrieden war er aber nicht. "Ich habe schon bessere Kämpfe abgeliefert. Heute habe ich einfach nicht die richtige Distanz gefunden", resümierte der Schützling von Trainer Fritz Sdunek.

Auch Erdei - in seiner Heimat längst ein Volksheld - hat noch einen großen sportlichen Traum. Der Universum-Boxer möchte in Amerika einen der amerikanischen Topstars Bernard Hopkins oder Roy Jones jr. vor die Fäuste bekommen. "Wir stehen in Verhandlungen. Ich bin zuversichtlich dass wir das hinbekommen", erklärte Kohl.

DPA / DPA

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