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Boxen Floyd Mayweather Jr. sucht einen Gegner


Nach der schwachen Leistung von Manny Pacquiao halten viele Floyd Mayweather Jr. für den Pound-for-Pound-König des Boxens. Der ungeschlagene Weltergewichtler gilt als einer der besten technischen Boxer der Welt und sucht einen Gegner. Für diesen Zahltag melden einige Bedarf, wir schätzen ein, wer es werden könnte.

Seit Floyd Mayweather jr. Anfang November angekündigt hatte, am 5. Mai 2012 in den Ring zurückkehren zu wollen, melden sich fast täglich neue Bewerber um den Zahltag gegen "Money“ Mayweather. Fast hat man den Eindruck, dass es keinen Top 50 Boxer zwischen Leicht- und Mittelgewicht gibt, der nicht der Meinung ist, dass er der einzig richtige Herausforderer für den ungeschlagenen WBC-Weltmeister wäre.

Der Grund dafür ist einfach: Ein Pay-Per-View am 5. Mai – dem mexikanischen National-Feiertag – ist wie eine Lizenz zum Gelddrucken. Sind es doch vor allem die Mexikaner, die für die großen Box-Übertragungen beim TV-Sender HBO 50 Dollar und mehr bezahlen, und das natürlich besonders an einem Festtag, an dem sie ohnehin in großen Gruppen zusammensitzen.

So verspricht sich jeder mögliche Gegner des größten PPV-Sellers in den USA eine Rekord-Börse. Wir haben mal fünf mögliche Namen unter die Lupe genommen und die Wahrscheinlichkeiten für den Kampf gegen Mayweather eingeschätzt.

1. Kandidat: Manny Pacquiao

Mayweather selber hatte über seinen Berater Leonard Ellerbe gleich bei der Ankündidung, am 5. Mai boxen zu wollen, klar gemacht, gegen wen es gehen sollte. Der "Pretty Boy“, der WM-Gürtel in fünf Gewichtsklassen sammeln konnte, will den Mega-Fight gegen "that little fella“ ("diesen kleinen Kerl“), Superstar Manny Pacquiao.

Aber obwohl Pacquiao natürlich die erste Option sein muss, weil dieser Kampf sämtliche Einnahme-Rekorde brechen würde, und obwohl Pacquiao direkt nach seinem nicht überzeugenden Sieg gegen Juan Manuel Marquez am 12. November sagte, dass er den Kampf gegen Mayweather ebenfalls wolle, scheinen die Verhandlungen zwischen den Lagern nach wie vor zu stocken.

Pacquiao-Promoter Bob Arum (Top Rank) war schon vom ersten öffentlichen "Angebot“ des Mayweather-Lagers alles andere als begeistert. "Das kann ich nicht ernst nehmen, wenn sie es ernst meinen würden, würden sie sich mit uns an einen Tisch setzen und verhandeln und nicht erst mal an die Öffentlichkeit gehen“, sagte Arum verärgert noch vor Pacquiao vs. Marquez III.

Inzwischen scheint Top Rank eher an einem vierten Kampf zwischen dem "Pac-Man“ und Marquez zu arbeiten als am Mega-Duell mit Mayweather. Fakt ist: Arum wird sich die Bedingungen des Kampfes nicht von Mayweather oder Golden Boy diktieren lassen. Die Wahrscheinlichkeit für Pacquiao vs. Mayweather am 5. Mai sehen wir bei 30%.

2. Kandidat: Saul Alvarez

Der erst 21-jährige Saul Alvarez untermauerte nach seinem beeindruckenden TKO-Sieg über Kermit Cintron am vergangenen Samstag seine Ambitionen, gegen Mayweather in den Ring steigen zu wollen. "Ich will im nächsten Jahr gegen die Besten boxen, ich will Mayweather im Mai“, sagte "Canelo“ unmittelbar nach seinem Kampf zu HBO. Für Alvarez spricht, dass er als größtes mexikanischen Talent gilt und damit am "Cinco de Mayo“ enorme Pay-Per-View-Umsätze verspricht.

Der ungeschlagenen WBC-Weltmeister im Halbmittelgewicht ist schlagstark und beweglich, aber auch noch sehr jung und ungetestet. Alvarez, der im Oktober 2005 mit gerade mal 15 Jahren sein Profi-Debüt feierte, hat zwar schon 40 Kämpfe bestritten (39 Siege, 29 davon durch KO, 1 Unentschieden), musste sich dabei aber nur selten gegen wirkliche Top-Gegner durchsetzen.

Trotzdem scheint er eine gute Option für Mayweather zu sein, falls der Pacquiao-Kampf nicht zustande kommen sollte. Was für Alvarez spricht: Er wird von Mayweathers Partner Golden Boy promotet und wurde beim letzten Kampf des "Pretty Boy“ gegen Victor Ortiz als Co-Feature übertragen. Wir sehen die Wahrscheinlichkeit für diesen Kampf bei ebenfalls 30%.

3. Kandidat: Amir Khan

Der britische Superstar Amir Khan hat sich spätestens mit seinem spektakulären Fight gegen Marcos Maidana im Dezember 2010 in die Herzen der US-Fans geboxt. Bis zu diesem Zeitpunkt galten vor allem Khans Nehmerqualitäten bei vielen Experten zumindest als fragwürdig, seit er im September 2008 im heimischen Manchester vom Kolumbianer Breidis Prescott in der ersten Runde ausgeknockt worden war.

Inzwischen ist "King Khan“ anerkannter Halbweltergewichts-Champion und durch seine große Fan-Basis in England – und die damit zu erwartenden Mehreinnahmen durch internationale TV-Gelder – ein interessanter Gegner für "Money“ Mayweather. Bevor es zur Kür gegen den "Pretty Boy“ kommen könnte, muss der 24-jährige Normalausleger aber am 10. Dezember in Washington erst mal seine Pflicht erfüllen und Lamont Peterson besiegen.

Wie Alvarez wird auch Khan von Golden Boy co-promotet, so dass ein möglicher Kampf nicht es an schwierigen Verhandlungen scheitern dürfte. Die Wahrscheinlichkeit für Mayweather vs. Khan am 5. Mai liegt bei 20%.

4. Kandidat: Sergio Martinez

Das "Wunder“ ("Maravilla“) Sergio Martinez wäre sportlich neben Manny Pacquiao wohl der reizvollste Gegner für Mayweather. Der Argentinier konnte sich seit seiner knappen Punktniederlage gegen Paul Williams im Dezember 2009 mit spektakulären Siegen über Kelly Pavlik, Williams, Serhiy Dzindziruk und Darren Barker als Mittelgewichts-Champion und Pound-for-Pound-Star etablieren.

Das Team von Martinez wäre einem Kampf gegen Mayweather mit Sicherheit nicht abgeneigt, scheitern wird das Duell aber wohl an der Frage nach dem zulässigen Kampfgewicht. Mayweather wird mit Sicherheit nicht zu Martinez ins Halbmittel- oder Mittelgewicht aufsteigen, und ob der Rechtsausleger im fortgeschrittenen Alter von 36 Jahren noch mal auf Weltergewichts-Limit abkochen kann, darf auch eher bezweifelt werden. Die Wahrscheinlichkeit für diesen Kampf liegt deshalb nur bei 10%.

5. Kandidat: Robert Guerrero

Robert Guerrero ist zuletzt mehr durch gute PR-Arbeit als durch starke Leistungen im Ring aufgefallen. Eine Schulterverletzung verhinderte seinen Kampf gegen Marcos Maidana und zwang den sympathischen Amerikaner zu einer langen Pause. Jetzt meldet sich "The Ghost“ erstaunlich laut zu Wort, wenn es darum geht, sich als möglicher Mayweather-Gegner ins Gespräch zu bringen.

Der ehemalige Superfeder- und aktuelle Leichtgewichts-Champion steht mit 28 Jahren voll im Saft, hat sich schon gegen solide Gegner wie Joel Casamayor und Michael Katsidis durchgesetzt, hat mexikanische Wurzeln – was am "Cinco de Mayo“ nicht ganz unwichtig sein dürfte – und steht ebenfalls bei Golden Boy unter Vertrag. Trotzdem räumen wir ihm nur Außenseiter-Chancen auf den großen Zahltag ein: 5%.

Außenseiterchancen: Morales, Aydin

Geübte Mathematiker werden festgestellt haben, dass wir bei unseren Prognosen insgesamt nur auf 95% kommen. Das ist durchaus gewollt, denn natürlich besteht auch die Möglichkeit, dass wir komplett daneben liegen und Mayweather eine ganz andere Option zieht als die hier genannten fünf Kandidaten.

Als Leonard Ellerbe von "that little fella“ als Wunschgegner Mayweathers für den 5. Mai sprach, befürchteten manche Kommentatoren schon, dass nicht Pacquiao sondern der Mexikaner Erik Morales gemeint sein könnte. Morales ist zwar ein echter Ring-Veteran mit beachtlichem Kampfrekord und kann immerhin einen Sieg über Manny Pacquiao vorweisen, wäre aber für Mayweather nur ein weiteres Opfer und kann wohl ausgeschlossen werden.

Pflichtherausforderer des WBC-Weltmeisters im Weltergewicht wäre übrigens der für den deutschen Arena-Stall kämpfende Türke Selcuk Aydin, der seinen Status als WBC Silber Champion durch einen Punktsieg über den Rumänen Jo Jo Dan am vergangenen Wochenende noch einmal bestätigte. Aydin ließ sich dann auch nicht zwei Mal bitten und forderte sofort nach seinem Sieg den Mayweather-Kampf ein.

Dass sich das "Money“-Team auf diese aus Vermarktungssicht unattraktivste Option einlässt, ist aber mehr als unwahrscheinlich. Selbst wenn die WBC den Kampf anordnen sollte, würde Mayweather wohl eher seinen Titel niederlegen, als gegen den in den USA weitgehend unbekannten Aydin in den Ring zu steigen. Geht es nach den Hoffnungen aller Boxfans, geht es danach, was der sportlich interessanteste Kampf ist und in diesem Fall deckungsgleich, dem finanziell größtmöglichen Event, dann müsste der Gegner Manny Pacquiao heißen, doch Boxen ist kein Wunschkonzert.  

Michel Massing

sportal.de sportal

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