Deutschland-Tour Astana-Team droht Startverbot


Bisher hatten sich die Veranstalter der Deutschland-Tour in Sachen Absage wortkarg gegeben. Jetzt melden sie sich doch zu Wort: Das Radrennen werde stattfinden, teilten sie mit - aber möglichst ohne das Team Astana.

Als Reaktion auf den Dopingskandal bei der Tour de France waren zuletzt Rufe nach einer Absage der im August anstehenden Deutschland-Tour immer lauter geworden. Die Verantwortlichen hatten sich zunächst in Schweigen gehüllt, waren Anfragen ausgewichen. Doch jetzt brachen sie ihr Schweigen. Die Upsolut Sports AG - Dachorganisation der Deutschland-Tour GmbH und der für die Cyclassics verantwortlichen Upsolut Event GmbH - vermeldet: Die beiden deutschen UCI ProTour Rennen Deutschland-Tour und die Hamburger Cyclassics werden planungsgemäß stattfinden.

"Astana wird ein Problem haben bei uns"

Deutschland-Tour-Chef Kai Rapp kündigte zudem rigorose Präventivmaßnahmen an. So wolle er etwa verhindern, dass das dopingverdächtige Team Astana um Andreas Klöden bei dem Radrennen im August startet. "Astana wird ein Problem haben bei uns. Wir sehen sie nicht am Start", sagte Rapp in einem "Spiegel Online"-Interview. Das kasachische Team hatte sich am Dienstag von der Tour de France zurückgezogen, nachdem Kapitän Alexander Winokurow positiv auf Blutdoping getestet wurde. Auch der Cottbuser Klöden musste vorzeitig die Heimreise antreten.

Rapp erklärte, der Rennveranstalter würde derzeit prüfen, ob Start-Verbote für bestimmte Teams und Fahrer bei der Deutschland-Tour möglich seien. Da die Rundfahrt ein ProTour-Rennen ist, müssen nach den Regeln des Weltverbands UCI bislang alle Mannschaften mit entsprechender Lizenz zugelassen werden. "Inwieweit wir uns daran halten können und werden, das klären wir zurzeit", sagte Rapp.

Eine Absage der Tour lehnte der Tour-Chef aber ab. Er sieht die diesjährige Deutschland-Tour in einer Vorreiter-Rolle für die Zukunft des Sports. "Hier wird entschieden, in welche Richtung der Radsport künftig fährt. So wie bisher kann es nicht weitergehen. Das System hat komplett versagt", sagte Rapp.

Zuschauer zeigen Tour die kalte Schulter

Die Ankündigungen Rapps kommen möglicherweise zu spät. Die Deutschen Radsportanhänger sind enttäuscht: Ihre Vorbilder Alexander Winokurow, Patrik Sinkewitz, Jan Ullrich - sie haben alle haben die französischen Pyrenäen, die Alpen, die quälend langen Kilometer durch Frankreich nicht durch pure Muskelkraft, sondern mit Hilfe illegaler Mittel bezwungen. Tour-Zuschauer und -Fans reagierten mit Ignoranz und Konsequenz: 85 Prozent der stern.de-Leser hatten bereits einen Abbruch der Tour de France gefordert. Auch für die Live-Übertragung der Tour scheint sich niemand mehr zu begeistern. Der TV-Fernsehsender Sat.1 hatte nach dem Absprung von ARD und ZDF die Übertragungen des Radrennens übernommen. Ohne Erfolg. Wegen des unerwartet geringen Zuschauerinteresses springen bereits die Werbekunden ab. Ob die Radsport-Fans bei der Deutschland-Tour ihre Begeisterung wiederbeleben werden, bleibt vor diesem Hintergrund fraglich.

Doch die Organisatoren halten an der Durchführung der beiden Radsportevents Deutschland-Tour und Vattenfall-Cyclassics fest. Fast ein wenig trotzig ließt sich die diesbezügliche Pressemitteilung der Upsolut Sports AG: "Eine Absage oder, wie auch teilweise gefordert wird, den deutschen Profiradsport durch Entzug der wirtschaftlichen Grundlage zu beenden, löst aus unserer Sicht nicht die Doping Problematik, sondern führt nur zu einer Verlagerung, sei es ins Ausland oder in andere Sportarten."

DPA/hes DPA

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