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DOPING: Freispruch für DDR-Spitzensportlerin Rita Schiemann

Die frühere DDR-Spitzensportlerin Rita Schiemann ist vom Vorwurf des Meineides freigesprochen worden. Eine bewusste Falschaussage beim damaligen Prozess gegen den Arzt Bernd Pansold (Foto) sei ihr nicht nachzuweisen, so die Urteilsbegründung.

Die frühere DDR-Spitzensportlerin Rita Schiemann ist am Mittwoch vor einem Berliner Amtsgericht vom Vorwurf des Meineides freigesprochen worden. Die Gewinnerin einer Goldmedaille in der 4x400-Meter-Staffel bei den Olympischen Spielen von München 1972 war angeklagt, weil sie im Dopingprozess gegen den Sportmediziner Bernd Pansold zur Vergabe von Anabolika-Spritzen gelogen haben soll. Der Nachweis einer bewussten Falschaussage durch die unter ihrem Mädchennamen Kühne bekannte Leichtathletin ist nicht geführt worden, hieß es im Urteil. Die Staatsanwaltschaft hatte gegen Schiemann eine Freiheitsstrafe von sechs Monaten auf Bewährung verlangt, die Verteidigung Freispruch.

Die 54-jährige Angeklagte betonte, sie habe 1998 im Prozess gegen den Sportmediziner Bernd Pansold »die volle Wahrheit gesagt«. Der 59-jährige Pansold sagte als Zeuge, er habe Schiemann keine Doping-Spritzen verabreicht.

In Widersprüche verstrickt

Im Pansold-Prozess soll Schiemann gesagt haben, der Arzt habe ihr lediglich eine Spritze wegen einer Fußverletzung verabreicht. Nach dem Polizeiprotokoll hatte die Sportlerin aber vor dem damaligen Prozess erklärt, Pansold habe ihr über ein Jahr lang Anabolika gespritzt.

Es sei ihr vor Gericht damals nicht gelungen, die Widersprüche aufzuklären, weil Richter Hans-Georg Bräutigam sie angeschrien habe, als sie ihre Aussagen vor der Polizei erläutern wollte, sagte die Angeklagte am Mittwoch. Die Polizei habe ihre Darstellung falsch niedergeschrieben. Sie habe das Protokoll blindlings unterschrieben, weil sie »als sehr leichtgläubiger Mensch dachte, es werde schon richtig sein«. Sie habe die Seiten nicht lesen können, weil sie ihre Brille vergessen habe, erklärte Schiemann.

Pansold war vom Landgericht wegen Dopings minderjähriger Sportlerinnen zu einer Geldstrafe von 14.400 Mark verurteilt worden. Richter Bräutigam hatte den Sportarzt wegen Beihilfe zur Körperverletzung schuldig gesprochen.

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