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Dopingarzt Fuentes: Er hat auch Fußballer "betreut"

Nach langem Schweigen gibt Eufemiano Fuentes nun zu, er habe nicht nur Radsportler, sondern auch Fußballer und Tennis-Spieler "betreut". Der Dopingarzt ist sich keiner Schuld bewusst.

In den vergangenen Tagen stiftete der in die spanischen Doping-Affäre verwickelte Sportarzt Eufemiano Fuentes Verwirrung. Nach den Aussagen des mutmaßlichen Drahtziehers der spanischen Dopingaffäre sollen auch Fußballer, Tennisspieler und Leichtathleten verwickelt sein. Er habe nicht „nur“ Radprofis „behandelt“ beziehungsweise beraten, erklärte der Mediziner am Mittwoch fast schon beleidigt in einem Interview mit dem spanischen Radiosender SER. So habe er auch Vereine der ersten und zweiten spanischen Fußball-Liga betreut oder zumindest „Behandlungen“ vorgeschlagen, die deren Leistung gesteigert hätten.

Fuentes ist sich keiner Schuld bewusst

Diese Aussagen machte er, nachdem am Montag der Oberste spanische Sportrat (CSD) erklärt hatte, die Doping-Fahnder hätten nur Radprofis, aber keine spanischen noch ausländischen Fußballer oder Tennisspieler im Visier. Die CSD reagierte damit auch auf den Bericht einer französischen Zeitung, die das spanische Tennis-Idol Rafael Nadal als Kunden von Fuentes genannt hatte. Der 20-Jährige wies die Vorwürfe zurück.

Einer Schuld ist er sich nicht bewusst, denn seine Methoden könnten nicht als Doping eingestuft werden: „Ich habe kein Verbrechen begangen und fühle mich auch nicht als Krimineller. Es sind biologische Behandlungen, um Sportler wieder fit zu machen. Mir ging es nur ums Wohl meiner Patienten.“

Gedopte Sportler bei der Tour

Namen könne er wegen seiner ärztlichen Schweigepflicht aber nicht nennen. Nach Fuentes’ Worten habe er zu einigen der bislang in dem Blutdoping-Skandal genannten Sportler gar keinen Kontakt gehabt. Es seien Namen gefallen, die er gar nicht kenne. „Einige von mir behandelte Radprofis sind noch bei der Tour de France“, versicherte er. Warum hingegen bestimmte Fahrer ausgeschlossen worden seien, könne er nicht nachvollziehen. Im Zusammenhang mit der Affäre waren am vergangenen Freitag neun Profis von der Teilnahme an der 93. Tour de France ausgeschlossen worden, darunter auch Jan Ullrich und der Spanier Oscar Sevilla. Ihr Team T-Mobile hatte sie wegen einer möglichen Verwicklung in den Skandal suspendiert.

Dass die Affäre seinen Ruf ruiniert habe, dessen ist sich Fuentes aber bewusst. „Ich werde wohl nicht mehr als Sportarzt praktizieren können.“ Er habe aber noch andere Projekte. Fuentes war als mutmaßlicher Drahtzieher des Doping-Rings am 23. Mai zusammen mit vier anderen Verdächtigen festgenommen worden, unter ihnen auch den Hämatologe José Luis Merino, Leiter eines Madrider Speziallabors, und Manolo Saiz, der Chef des früheren Liberty-Radteams. Fuentes und Merino befinden sich nach Zahlung einer Kaution von 120 000 Euro auf freiem Fuß.

Ludwig räumt auf

Das gesamte Betreuungssystem bei T-Mobile steht jetzt auf dem Prüfstand. Meinungsunterschiede zwischen Sponsor-Interessen und sportlicher Leitung bei der angestrebten Neuordnung sieht Team- Manager Olaf Ludwig nicht. Die Entscheidung der Suspendierung sei "ein deutliches Zeichen, dass wir gut zusammen arbeiten", sagte er, betonte aber, die kommenden Neuregelungen müssten in der Praxis auch "umsetzbar" sein. Ludwig: "Wenn ich sage, alle gehen nur noch zu einem Arzt, dann werde ich den einen oder anderen Fahrer nicht bekommen."

Sicherheitshalber schloss auch Etappensieger Kessler den T-Mobile- Vorstandsitzenden mit ein, als er seinen beeindruckenden Erfolg von Valkenburg seinem Freund Ullrich und René Obermann widmete. So stellte der Nürnberger Profi geschickt eine Verbindung zwischen rauem Asphalt und Führungs-Etage her.

Beweise gegen Basso

Die Gazetta dello Sport veröffentlichte während dessen Auszüge aus Telefongesprächen,die den CSC-Kapitän Ivan Basso belasten. Ignacio Lambarta habe am Abend der Etappensieges von Ivan Basso ein Telefongespräch mit „Dottore“ Fuentes geführt. Der Sportliche Leiter der Mannschaft Comunidad Valenciana - die wegen ihrer Verwicklung in die Doping-Affäre von der Tour-Direktion wieder ausgeladen wurde - sagte: „Gut gemacht, Junge. Erster und Zweiter mit einem gewissen Basso und einem gewissen Guti.“ Damit bezog sich Labarta auf das Gesamtergebnis des Giro: Dort rangierte Basso vor José Enrique Gutierrez. Der Spanier wurde nach dem Giro bereits suspendiert.

Die aktuelle Doping-Diskussion hat nun auch das Team Gerolsteiner erreicht. Team-Manager Hans-Michael Holczer räumte am Donnerstag vor dem Start der 5. Etappe der Tour de France in Beauvais mögliche Kontakte seines Mannschaftskapitäns Levi Leipheimer mit dem umstrittenen Mediziner und Trainingsanalytiker Michele Ferrari ein. „Levi war im Vorjahr beim Training auf Teneriffa im selben Hotel, in dem auch Ferrari abstieg. Aber er versicherte mir noch ein Mal: Er arbeitet nicht mit dem Italiener zusammen“, sagte Holczer.

aja mit DPA

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