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Eishockey: DEL - Die Bilanz der Hauptrunde

Die 18. Hauptrunde der DEL ist vorüber, die Playoffs stehen vor der Tür. Neben vielen anderen Highlights sind sportal.de sieben Sachen besonders im Gedächtnis geblieben. Dabei liegen Freud‘ und Leid dicht beieinander.

Bei der Saisonbilanz der 18. DEL-Hauptrunde sind uns sieben Sachen besonders im Gefächtnis geblieben.

Lüdemann: Tausendmal berührt

Urgestein, Identifikationsfigur, Rekordspieler – Mirko Lüdemann ist das Aushängeschild der Kölner Haie. Beim letzten Hauptrunden-Spiel gegen Meister Berlin lief der 38-Jährige zum 1.000-mal im Dress des KEC auf. 1993 begann der Verteidiger im Alter von 19 Jahren seine Profi-Laufbahn am Rhein und hält seinem Klub seither die Treue. Der Haie-Rekordspieler (300 Spiele mehr als der zweitplatzierte Peppi Heiss) ist auch in der DEL der Dauerbrenner: 957 Einsätze machen Lüdemann, der aus der ehemaligen DDR-Eishockey-Hochburg Weißwasser stammt, in der höchsten deutschen Spielklasse zur absoluten Nummer eins – Chapeau.

Ustorf: Karriere-Aus?

Leidenszeit für Eisbären-Stürmer Stefan Ustorf (38): Anfang Dezember erlitt der ehemalige Nationalspieler im Meisterschaftsspiel gegen Hannover ein Schädel-Hirn-Trauma, seither laboriert er an den Folgen der Kopfverletzung – sogar bleibende Schäden schließen die behandelnden Ärzte nicht aus. An eine Rückkehr aufs Eis ist derzeit nicht zu denken. Bei Untersuchungen wurde eine Narbe im Gehirn festgestellt, die Folge zahlreicher Gehirnerschütterungen im Laufe seiner Eishockey-Karriere. Der gebürtige Kaufbeurer leidet unter Aufmerksamkeitsstörungen und hat unter Belastung nach wie vor starke Probleme – das Karriere-Aus droht. Wegen seiner vorbildlichen Einstellung galt er als unumstrittener Führungsspieler beim Meister. In seiner Laufbahn bestritt Ustorf 621 DEL-Spiele, trug 128-mal den Adler auf der Brust und absolvierte 59 Partien in der besten Liga der Welt (NHL).

Krinner: Falsch verstanden

Aus für Toni Krinner in Hannover: Trotz laufenden Vertrags musste der Trainer mit Ablauf der Spielzeit seinen Hut nehmen. Zuvor gab es wochenlange Querelen zwischen Coach und Mannschaft, in deren Folge auch die Anhänger des Club Krinners Demission forderten. Sportlich war die zweite Saison unter Krinners Führung ein einziges Desaster. Mit 15 Heimneiderlagen in Folge stellten die Scorpions einen neuen DEL-Negativ-Rekord auf und landeten schlussendlich am Tabellenende mit fast 30 Punkten Rückstand auf den ersten Pre-Playoff-Platz. Krinner war 2010 im Anschluss an Meistersaison als Nachfolger von Hans Zach aus Wolfsburg nach Hannover gekommen. Während Krinners ehemaliger Arbeitgeber unter seinem damaligem Co Pavel Gross die zweite bärenstarke Saison in Folge feiert, endete das Missverständnis zwischen dem 44-Jährigen und den Scorpions nach zwei Spielzeiten im Bösen.

Straubing: Historischer Erfolg

Die Straubing Tigers stehen erstmals in der Endrunde der DEL. Seit dem Aufstieg 2006 versuchten die Tigers vergeblich, dem Tabellenkeller zu entkommen. Im siebten Anlauf hat es endlich geklappt und als Sechstplatzierte sind die Straubinger sogar direkt für die Playoffs qualifiziert. Da wartet ein harter Brocken: Mit Vizemeister Wolfsburg treffen die Tigers auf eines der besten Teams des aktuellen Kalenderjahres. Die Vorfreude in der eishockey-verrückten Kleinstadt ist dennoch riesig. Schon in der Hauptrunde platzte der Pulverturm immer wieder aus allen Nähten – fast 10 Prozent Zuschauerplus. Nach dem 5:3-Erfolg im letzten Saisonspiel gegen Mannheim feierten die ihre Mannschaft minutenlang mit stehenden Ovationen. Schon jetzt ist der Einzug in die Playoffs der größte Erfolg der Straubinger Vereinsgeschichte.

DEG: Tote Hose(n)

Nach dem Ausstieg des Hauptsponsors Metro zum Saisonende geriet die Düsseldorfer EG in arge Nöte. Eine riesige Etat-Lücke klaffte nach dem Abgang des Geld- und Namensgebers, die kaum zu schließen schien. Dazu entstanden Unstimmigkeiten in der Führungsetage, in deren Folge Geschäftsführer Lance Nethery im Januar gehen musste. Das Aus des Traditionsklubs drohte, der Rückzug in die Oberliga bahnte sich an. Doch die Unterstützung und Rückendeckung durch Stadt, viele prominente Helfer und treue Fans war überwältigend. Neue Sponsoren, die Shirt-Aktion der Rockband "Tote Hosen" und viele weitere Aktionen brachten frische Gelder und finanzielle Zusagen für die kommende Saison mit sich. Mittlerweile fehlen im Budget nicht mehr mehrere Millionen, sondern "nur" noch rund eine halbe. Auch sportlich ist die DEG noch im Rennen, kann über das Pre-Playoff-Duell mit Iserlohn noch den Einzug in die eigentliche Endrunde perfekt machen.

DEL: Immer mehr

Erfreulicher Trend in der DEL: Die Hauptrunde zog im Schnitt 300 Fans pro Spiel mehr an als im Vorjahr. Damit strömten über 6.000 Zuschauer pro Partie in die deutschen Eisstadien, nur in Schweden und der Schweiz (je rund 6.300) ist der Zuspruch im europäischen Vergleich noch höher. DEL-Geschäftsführer Gernot Tripcke schreibt sich diesen Erfolg selbst auf die Fahnen und macht die geänderten Anspielzeiten für den Zuwachs verantwortlich. Dabei lässt sich das Plus viel eher durch den sportlichen Erfolg einzelner Teams begründen. So sind die wiedererstarkten Freezers (+2200) ganz alleine für die Hälfte des Anstiegs verantwortlich. Weitere Gewinner sind Augsburg (+800), Köln (+800) und Iserlohn (+600), ein sattes Minus gab es bei den Schlusslichtern aus Hannover (-400) und Nürnberg (-600).

Lance Nethery: Nachfolger von Peter John Lee

Im Januar ging nach 19 Jahren eine der erfolgreichsten Trainer- und Manager-Karrieren der DEL (vorerst) zu Ende. Lance Nethery musste die DEG verlassen, nachdem die neue Vereinsführung dem 54-jährigen Kanadier einen Neuaufbau unter erheblich geschrumpften finanziellen Möglichkeiten nicht mehr zutraute. Nethery, viermal Deutscher Meister (3x Frankfurt Lions als Trainer, 1x DEG als Manager), dazu einmal Deutscher Pokalsieger (DEG) und zweimal DEL-Manager des Jahres, wollte eigentlich eine halbjährige Auszeit nehmen. Aber nach gerade einmal drei Monaten unterschrieb Nethery, der im Jahr 2000 mit den Kölner Haien den legendären Spengler-Cup gewann, einen neuen Vertrag: Bei der WM fungiert er nun als Assistenztrainer der Schweizer Nationalmannschaft. Damit ist Lance Nethery Nachfolger des Managers der Berliner Eisbären, Peter John Lee, der in den vergangenen Jahren als Co-Trainer an der Bande der "Nati" gestanden hatte.

Daniel Pietzker

sportal.de / sportal

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