VG-Wort Pixel

Eisschnelllauf-Rekordweltmeisterin Was macht eigentlich ... Gunda Niemann-Stirnemann?

Eisschnelllauf Rekordweltmeisterin Gunda Niemann-Stirnemann
Eisschnelllauf Rekordweltmeisterin Gunda Niemann-Stirnemann, 51, in einem Café in Erfurt
© Roger Hagmann
Die Erfurterin dominierte in den 90er Jahren den Eisschnelllauf. Sie sammelte 19 Titel und wurde Rekordweltmeisterin.

Zwölf Jahre nach Ihrem Karriereende: Wie viele Paar Schlittschuhe haben Sie noch im Schrank?

Ein aktuelles Paar. Meine Schlittschuhe von früher habe ich zwar auch noch aufbewahrt, aber die hat sich das Thüringer Wirtschaftsministerium ausgeliehen.

Warum?

Im Ministerium soll es eine Ausstellung über erfolgreiche Thüringer Sportler geben. Ich habe dafür einige Dinge zur Verfügung gestellt – etwa meinen Pokal als Eisschnellläuferin des Jahrhunderts sowie meinen schwarzen Rennanzug und die Schlittschuhe, mit denen ich zum ersten Mal 1992 in Albertville Olympiasiegerin wurde.

Damals holten Sie Gold über 3000 und 5000 Meter und Silber über 1500 Meter. Ist das Ihre schönste Erinnerung?

Ja, vor allem weil es komplett überraschend kam. Natürlich war es immer ein Ziel, bei Olympia mitzumachen. Dass ich dann aber tatsächlich mal ganz oben auf dem Treppchen stehe – das war schon etwas ganz Besonderes. Genau wie die Goldmedaille über 3000 Meter 1998 bei den Olympischen Spielen in Nagano.

Vier Jahre zuvor waren Sie in Lillehammer beim 3000-Meter-Rennen über eine Markierung gestürzt.

Ganz furchtbar! Plötzlich war ich nicht mehr der aufgehende Stern, sondern die Versagerin. Ich war sehr traurig, gleichzeitig hat mich das aber auch motiviert, hart zu trainieren. Als ich dann tatsächlich wieder olympisches Gold gewann, war das ein unheimlich schöner Moment.

Sie haben für Heiztechnikprodukte und Strom geworben. Haben Sie finanziell ausgesorgt?

Nein. Das geht mit Eisschnelllauf nicht. Ich habe zwar gut verdient, aber damals war Eisschnelllauf längst nicht so populär wie heute. Das Sponsoring war auch noch ganz am Anfang. Da braucht man schon einen Beruf zum Leben.

Sie sind heute Trainerin in Erfurt. Je Sehnsucht gehabt, im warmen Büro zu sitzen, statt in der Eishalle zu bibbern?

Im Gegenteil! Gleich nach der Wende arbeitete ich eine Zeit lang im Archiv der Bibliothek des Thüringer Innenministeriums. Anschließend ging ich immer zum Training. Da habe ich erst gemerkt, wie schön das Training und die Eishalle doch sind. Den ganzen Tag im Büro zu sitzen ist eine große Herausforderung. Da arbeite ich lieber als Trainerin!

Ihr Spitzname war früher "Gunda Gnadenlos" – wegen Ihrer knallharten Übungseinheiten. Nehmen Sie Ihre Schützlinge auch so hart ran?

Nein, das geht auch nicht. Ich trainiere momentan 17 Jungen und Mädchen im Alter von 16, 17 Jahren. Die müssen wie ich früher erst mal in den Sport hineinwachsen.

Ihre Tochter Victoria ist 15, ebenfalls eine begeisterte Eisschnellläuferin, und wurde dieses Jahr bereits Deutsche Meisterin. Sie trainierte auch bei Ihrer einstigen Rivalin Claudia Pechstein. Warum?

Claudia findet, dass Victoria Talent hat, und bot an, sie zu fördern. Früher waren wir zwar Konkurrentinnen, hatten aber immer Hochachtung voreinander. Claudia hat eine sehr gute Technik und kann ihr viele Tipps geben. Victoria hat letztes Jahr immer mal wieder bei Claudia trainiert, das hat ihr viel gebracht. Mittlerweile bin ich aber ihre Trainerin.

Und wie läuft's?

Sehr gut! Wir haben einen Kompromiss geschlossen: Zu Hause bin ich ihre Mama, und im Training ist sie wie alle anderen auch einfach Sportlerin. Funktioniert prima!

Interview: Sabine Hoffmann

Mehr zum Thema


Wissenscommunity


Newsticker