Eisschnelllauf-WM Traumstart für "Gold-Anni"


Was für ein Auftakt für die deutschen Kufenflitzerinnen bei der Eisschnelllauf-WM in Nagano: Anni Friesinger holte mit einer Fabelzeit über 1500 m Gold. Einziger Wermutstropfen: die beschämende und unterkühlte Atmosphäre in der Arena.

Als auch die letzte Läuferin ihre Topzeit verfehlt hatte, ballte Anni Friesinger die Fäuste und stieß einen kurzen Schrei aus: Mit einem grandiosen Rennen über 1500 Meter hat die blendend aufgelegte "Kufen-Queen" dem deutschen Team einen goldenen Auftakt in die Eisschnelllauf-Weltmeisterschaften von Nagano beschert. In einem taktisch klugen Rennen spielte sie vor allem auf der letzten Runde ihre ganze Erfahrung aus und verbesserte in 1:56,06 Minuten den zehn Jahre alten Bahnrekord ihrer Freundin Marianne Timmer (Niederlande) gleich um 1,52 Sekunden.

"Nie hätte ich geglaubt, mit solch einem Vorsprung hier gewinnen zu können: Jetzt bin ich überglücklich", sagte die Siegerin nach ihrem insgesamt 14. WM-Gold. Es war die 175. Medaille deutscher Eisschnellläufer bei Welttitelkämpfen. Mit dem Riesenabstand von 1,3 Sekunden verwies die Inzeller Allround-Weltmeisterin Paulien van Deutekom (Niederlande) auf Platz zwei. Hinter der Kanadierin Kristina Groves (Kanada) verfehlte Daniela Anschütz-Thoms aus Erfurt nur knapp eine Medaille und verbuchte als Vierte ihre beste WM-Einzel- Platzierung.

Anni Friesinger störte nach ihrem fünften WM-Titel über 1500 m

auch nicht, dass nur 300 Zuschauer für eine beschämende, unterkühlte Atmosphäre in der 10.000 Plätze bietende M-Wave-Arena sorgten und bei der Siegerehrung fast das Abspielen der Hymne vergessen wurde. Mit einem Lorbeerkranz auf dem Kopf winkte sie strahlend auf die fast leeren Tribünen. "Ich muss halt akzeptieren, dass meine Strecke hier keine Tradition hat", sagte sie.

"Das war absolut perfekt. Das werden wir mit einem Gläschen Champagner feiern", zeigte sich ihr Trainer Gianni Romme zufrieden. Mit dem Gewinn ihres zehnten Titels bei einer Einzelstrecken-WM setzte Friesinger ihre Serie von mindestens einer Goldmedaille pro Saison seit dem Jahr 2000 fort und ist nur noch einen Titel von der Krone der erfolgreichsten Läuferin der WM-Geschichte entfernt. Diese trägt mit elf Titeln die Erfurterin Gunda Niemann-Stirnemann, die an gleicher Stelle vor zehn Jahren Olympia-Gold über 3000 m vor Claudia Pechstein und Anni Friesinger gewann.

Die Entscheidung, ob sie am Samstag auch zur Team-Verfolgung

antritt, ließ Anni Friesinger weiter offen. "Ich muss jetzt schauen, wie ich mich erhole. Auf der letzten Runde tat mir alles weh. Im Moment sage ich aber noch nicht nein zum Team", meinte sie. Keine Frage ist der Team-Start für Daniela Anschütz-Thoms, die nun voller Selbstvertrauen die 3000 m am Freitag angeht. "Die 1500 Meter waren eigentlich nur zum Warmlaufen gedacht. Es ist super gelaufen", meinte die 33-jährige Thüringerin. Bundestrainer Markus Eicher ist jetzt unabhängig vom Start seines Zugpferdes sicher: "Das Team - egal in welcher Besetzung - wird um Gold laufen."

Glücklich war am Eröffnungstag auch Marco Weber, der als Siebter in 6:32,96 über 5000 m für die beste WM-Platzierung eines Deutschen seit 2001 auf dieser Distanz sorgte. "Das war das beste Rennen meiner Karriere", meinte der Chemnitzer, der bei zwei Wechselfehlern noch einige Zeit verlor. "Sogar Platz 6 war drin", bekannte er und will diese Top-Platzierung nun aber über 10.000 m erreichen. Der Sieg ging an Titelverteidiger Sven Kramer, der den neunten Erfolg der Niederländer im elften 5000-m-Rennen der WM-Geschichte perfekt machte. In 6:17,24 Minuten verbesserte der 21-jährige Mehrkampf- Weltmeister den Bahnrekord seines Landsmannes Gianni Romme aus dem Olympia-Rennen vor zehn Jahren um 4,96 Sekunden. Romme ist mit drei WM-Titeln noch immer erfolgreichster Läufer über 5000 m.

DPA/kbe


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