Fabian Hambüchen Champion am Reck - mit 17 Jahren


Nachdem er die Goldmedaille bei der Turner-EM in Ungarn geholt hatte, wurde Fabian Hambüchen mit Interview-Anfragen überschüttet - und lehnte die meisten ab, weil er wieder zu Schule musste.

Man nennt ihn den "Turn-Professor" - weil Fabian Hambüchen eine Brille trägt und in seinen jungen Jahren schon eine schier unglaubliche Perfektion erreicht hat. Das bewies er nicht zuletzt bei den Olympischen Spielen in Athen 2004. Der zuvor noch weithin unbekannte Gymnasiast aus Wetzlar trat gegen die Weltelite an, verpasste die Bronze-Medaille nur knapp und katapultierte sich mit dieser Leistung in den Rang eines Turnerstars. Am vergangenen Sonntag siegte er bei der EM in Ungarn am Reck.

stern TV zeigte in der vergangen Sendung Amateur-Aufnahmen aus Hambüchens Kindheit: Schon im Alter von sechs Jahren übte er wie ein Besessener auf dem Trampolin Salti und Überschläge. "Es sah zum Piepsen aus", kommentierte seine Mutter Beate. "Aber er hat ja immer einen großen Willen gehabt. Und da hat er das durchgezogen." Fabians Vater Wolfgang, der Ende der 70er Jahre ebenfalls ein Spitzenturner war und nun hessischer Landestrainer ist, erkannte das Talent seines Sohnes und förderte ihn nach Kräften.

Keine Cola, keine Fritten

Konkret bedeutet das: Hambüchen geht derzeit vormittags zur Schule, trainiert nachmittags vier Stunden in der Halle und setzt sich dann wieder an den Schreibtisch. "Ich muss mich abends sehr motivieren, noch Hausaufgaben zu machen", sagte Hambüchen gegenüber Günther Jauch. Doch damit ist es nicht getan: Weil er wegen der Sportwettkämpfe häufig fehlt, muss der Teenager außerdem Schulstoff nachholen. Befragt nach seinem größten Ziel sagte er: "Das Abitur schaffen."

Pommes sind für einen Spitzensportler wie ihn Tabu, Cola im übrigen auch. "Die Cola zerstört das [Knochen stärkende] Kalzium, das ich morgens extra zu mir nehme", erklärte Hambüchen. Nur als "Drecksack", wie es die Kölner nennen, also gemischt mit Bier, trinke er hier und da einen Schluck Cola.

"Noch vier Zentimeter wachsen"

Hambüchen hat derzeit eine Körpergröße von 1,63 Zentimeter, ist aber noch im Wachstum. "Ich würde am liebsten nur noch vier Zentimeter wachsen", sagte er zu Günther Jauch: "Das wäre optimal" - zumindest für seinen Sport. Die nächsten großen Veranstaltungen, auf die sich Hambüchen vorbereitet sind die Turn-WM 2007 in Stuttgart und die Olympischen Spiele 2008 in Peking.

Unterstützt wird Fabian nicht nur von seinem Vater sondern auch von seinem Onkel Bruno Hambüchen, ausgebildeter Pädagoge und Psychologe, der für das Mentaltraining zuständig ist. "Ich kann Fabian dabei helfen, innere Spannungen abzubauen", sagte er im stern TV-Studio. So arbeitet das junge Ausnahmetalent faktisch als Zugpfernd eines Familienunternehmens - das wohl, wenn es mit Fabians Sportkarriere so weitergeht, weitere goldene Zeiten erleben wird.

Lutz Kinkel

Mehr zum Thema


Wissenscommunity


Newsticker