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Verunglückter Formel-1-Pilot Romain Grosjean über die Sekunden im Feuer: "War mit mir im Reinen und dachte: Ich werde sterben"

Formel-1-Pilot Romain Grosjean
Erlebte in seinem brennenden Wagen einen Moment des inneren Friedens: Formel-1-Pilot Romain Grosjean
© David Davies / DPA
Die Bilder des aus seinem brennenden Wagen steigenden Formel-1-Piloten Romain Grosjean wird kein Motorsport-Fan so schnell vergessen. Nun hat der Franzose die Sekunden in der Feuerhölle beschrieben. Worte, die unter die Haut gehen.

Formel-1-Pilot Romain Grosjean hofft trotz der Verletzungen nach seinem Feuer-Unfall von Bahrain weiter auf einen Einsatz beim Saisonfinale in Abu Dhabi. "Mit diesen Bildern will ich meine Karriere nicht beenden", sagte der Haas-Pilot am Freitag. Der 34-Jährige muss den US-Rennstall nach dieser Saison verlassen, beim vorletzten WM-Lauf am Sonntag in Sakhir pausiert er. Unter die Haut ging derweil sein Bericht von den Sekunden, die der Franzose im Feuerball verbrachte.

Grosjean war am vergangenen Sonntag kurz nach dem Start in Bahrain schwer verunglückt, sein Auto brach entzwei und ging in Flammen auf. "Es waren 28 Sekunden im Feuer, es hat sich aber viel länger angefühlt", erzählte der Fahrer. "Als ich rauswollte, habe ich mir den Kopf gestoßen. Ich habe mich wieder gesetzt und gedacht: Ich warte, ich habe mich irgendwie überschlagen. Ich warte, bis mir jemand hilft. Ich war nicht gestresst, aber ich habe das Feuer erst nicht gesehen. Ich drehte mich nach links und habe mir wieder den Kopf gestoßen. Dann erst habe ich überall Feuer gesehen und wusste: Es gibt keine Zeit abzuwarten. Ich musste an Niki Lauda denken. Ich dachte, es kann nicht so enden, es kann nicht mein letztes Rennen gewesen sein. Niemals. Ich hab's immer wieder probiert, aber ich steckte fest. Mein Fuß steckte fest."

Romain Grosjean: "Dann dachte ich an meine Kinder ..."

Dann erlebte der 34-Jährige einen Moment des inneren Friedens, in dem er schon mit seinem Leben abgeschlossen hatte. "Plötzlich hat sich mein Körper entspannt", so Grosjean. "Ich war mit mir im Reinen und habe gedacht: Ich werde jetzt sterben." Das alles spielte sich in Windeseile ab, der Fahrer erlebte es aber offensichtlich sehr bewusst. "Ich habe mich gefragt, wo es anfängt. Verbrennt mein Schuh, mein Fuß, meine Hand? Tut es weh? Es fühlte sich an wie zwei, drei Sekunden, doch es waren wohl nur Millisekunden. Dann musste ich an meine Kinder denken. Und ich dachte: Die können ihren Papa nicht heute verlieren!"

Danach verschwimmt seine Erinnerung. Schließlich schaffte es Grosjean doch "irgendwie", sich aus dem brennenden Boliden zu befreien. Ein Handschuh sei schon ganz schwarz verkohlt gewesen, er sei erleichtert gewesen, aus dem Wagen gelangt zu sein. Er habe gespürt, wie ihn jemand berührt. "Da habe ich erst gemerkt, dass ich ein laufender Feuerball war." Ein Streckenposten erstickte schließlich die Flammen. Seine Verletzungen, vor allem die verbrannten Handrücken, spürte Grosjean erst viel später: "Die Schmerzen der letzten beiden Tage waren heftig."

Das Schlimmste: "Was ich Menschen angetan habe"

Ob der 34-Jährige für das letzte Saisonrennen wirklich noch einmal ins Cockpit eines Formel-1-Boliden zurückkehren wird, ist fraglich. Es wird bereits spekuliert, dass der künftige Haas-Pilot Mick Schumacher schon in Abu Dhabi für Grosjean zum Einsatz kommen könnte. Seine Ärzte könnten noch keine endgültige Aussage treffen, sagte Grosjean. "Mir ist das Rennen wichtig, aber ein Rennen ist nicht so wichtig wie der Rest meines Lebens", fügte er hinzu.

Für einen Start in Abu Dhabi an diesem Wochenende habe er nicht riskieren wollen, die Mobilität von Zeigefinger und Daumen seiner linken Hand einzubüßen. Sollte er nicht rechtzeitig für das Schlussrennen fit werden, wolle er "jedes Formel-1-Team anrufen und bitten, ob sie mir im Januar einen privaten Test ermöglichen mit zehn, 15 Runden nur für mich selbst".

Grosjean versicherte, den Weltverband Fia bei der angekündigten Untersuchung des Unfalls unterstützen zu wollen. Dafür werde er sich auch die Bilder aus seinem Cockpit ansehen. "Das Schlimmste für mich ist nicht, was mir passiert ist, sondern was ich Menschen angetan habe. Meiner Familie, meinen Eltern, meinen Freunden. Das hat mich zum Weinen gebracht", verriet Grosjean.

Quellen: Nachrichtenagentur DPA; n-tv

dho

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