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Handball: Deutsche Handballer feiern erfolgreichen Neuanfang

Die EM ist abgehakt und die DHB-Auswahl wagt nach dem Verpassen der Olympischen Spiele einen Neuanfang. In den Testspielen gegen Polen und Dänemark konnten die deutschen Handballer überzeugen und auch das neuformierte B-Team profilierte sich auf internationaler Ebene. Wir fassen zusammen.

Gut zwei Monate ist es her, dass die deutschen Handballer bei der EM in Serbien die Qualifikation für die Olympischen Spiele verpassten. Für den neuen Bundestrainer Martin Heuberger eine prekäre Situation, scheiterte er so direkt bei seinen ersten Titelkämpfen. Nach dem ersten Frust scheint die DHB-Auswahl jedoch einen gelungenen Neuanfang gestartet zu haben.

Auf dem weiteren Weg helfen sollen neben Heuberger auch ehemalige Nationalspieler in verantwortungsvollen Positionen. Markus Baur wurde gerade als Jugendnationaltrainer installiert und folgte auf Christian Schwarzer, der nun als Jugendkoordinator aktiv ist. Klaus Dieter Petersen gehört ebenfalls dem Nachwuchsbereich an.

Mit einem Sieg gegen Polen und einem Remis sowie einem Erfolg gegen den amtierenden Europameister Dänemark ist die Nachbereitung der WM in Serbien, bei der die DHB-Auswahl die Qualifikation für die Olympischen Spiele verpasste, äußerst erfolgreich angelaufen. Zudem hielt sich auch das neu gegründete B-Team schadlos und wusste dabei zu gefallen.

Rücktritte und Rücktrittsforderungen

Zunächst hatte es im Anschluss an die Euromeisterschaft eine ordentliche Portion zerbrochenes Porzellan gegeben. Pascal Hens und Christian Sprenger gaben ihre Rücktritte bekannt und bei Hens waren es nicht nur die körperlichen Aspekte, die ihn zu diesem Schritt trieben. Der Kapitän hatte sich nach seinem schwachen Auftritten viel Kritik gefallen lassen müssen.

"Was fehlte, waren die leichten Tore aus dem Rückraum, wie sie zum Beispiel bei den Dänen ein Mikkel Hansen erzielte", so Schwarzer auf toyota-handball-bundesliga.de. Damit sprach er auch die fehlende Förderung bei den individuellen Stärken an. Insgesamt fehlte es der DHB-Auswahl an Spielern, die wie einst Daniel Stephan oder Markus Baur Verantwortung übernahmen.

Neben den Rücktritten war es Silvio Heinevetter, der für einen kleinen Eklat sorgte, in dem er den Rücktritt von Präsident Ulrich Strombach forderte. "Es gibt andere Leute, die das besser können, weil sie mehr Ausstrahlung und Charisma haben", erklärte Heinevetter medienwirksam. Ein weiterer Aspekt war das Thema Nachwuchs.

Immer wieder der Nachwuchsbereich

Schon Heiner Brand hatte immer wieder die fehlende Förderung der Nachwuchsspieler moniert und Füchse-Manager Bob Hanning erklärte auf welt.de: "Wir müssen mit unserem Potenzial bis 2020 der modernste Handballverband weltweit sein." Auch deswegen wurde eine B-Auswahl ins Leben gerufen, die sich nun dauerhaft etablieren soll – Versuche gab es auch schon früher.

Diese B-Auswahl konnte sich nun erstmals auf internationalem Parkett bewähren und trat bei beiden Spielen der A-Mannschaft gegen Dänemark im Vorprogramm auf. Da das Team von Heuberger über die Ostertage keine Qualifikation für die Olympischen Spiele absolvieren musste, entschied man sich für drei Testbegegnungen im Hinblick auf die WM-Qualifikation.

Bevor es in zwei Spielen gegen Bosnien-Herzegowina geht, nutzte Heuberger die Zeit, um sein Team auf Herz und Nieren zu testen. Der große Umbruch findet zwar nicht statt, doch geht es um die Breite und Nuancen. "Wir haben keinen Umbruch gemacht, sondern die Mannschaft auf ein, zwei Positionen ergänzt", meinte DHB-Vizepräsident Horst Bredemeier.

B-Team profiliert sich

"Wenn wir eine gute Anschlussförderung gewährleisten, sehen wir am Osterwochenende vielleicht Spieler, die Deutschland bei den Olympischen Spielen 2020 vertreten können", sagt Hanning auf welt.de. Und der Nachwuchs fuhr zwei Siege gegen Dänemark ein. Cornelius Maas agierte dabei im ersten Spiel erfolgreich im Rückraum Mitte. Neben Maas wussten gerade in der zweiten Hälfte Maximilian Holst sowie Hendrik Pekeler zu gefallen.

Nach dem 26:24-Sieg gewann der Nachwuchs auch das zweite Spiel. Hinter der kompakten 6:0-Deckung erwies sich Nils Dresrüsse als starker Rückhalt und seine Vorderleute agierten ebenso konsequent wie variabel und spielfreudig. Felix Danner und Gunnar Dietrich bildeten dabei gerade in Durchgang eins einen stabilen Mittelblock.

"Die Spieler haben ihre Chance genutzt, sich zu zeigen und sind engagiert in beiden Spielen aufgetreten. Wir sind auf dem Weg, die Durchlässigkeit unseres Spielsystems zu fördern, einen weiteren Schritt vorangekommen", erklärte der zufriedener Trainer Frank Carstens, der im ersten Spiel mit Dominik Klein prominente Verstärkung erhalten hatte.

A-Mannschaft mit starken Spielen

Schon gegen Polen bewies die deutsche A-Mannschaft ihre gute Form und in einem durchaus ausgeglichenen Spiel behielt man mit 28:26 die Oberhand. Heuberger teste dabei den einen oder anderen Spieler, dabei traf der Berliner Johannes Sellin doppelt. "Wir haben in unserer Entwicklung einen weiteren Schritt nach vorn gemacht. Unser Angriffsrepertoire hat sich gefestigt. Wir sind sicherer und auch geduldiger geworden", erklärte Dominik Klein.

"Für die Zukunft des deutschen Handballs sieht es sehr gut aus", ergänzte Dänemarks Trainer Ulrik Wilbek nach den beiden Begegnungen gegen Deutschland. Im ersten Vergleich erkämpfte die DHB-Auswahl ein 25:25, im zweiten Duell gab es einen klaren 33:26-Erfolg, bei dem allerdings auf Seiten des Europameisters Mikkel Hansen nicht mitwirken konnte.

Bei den Deutschen fehlte Oliver Roggisch, der im Mittelblock durch Stefan Kneer ersetzt wurde. "Das war kein Notmittelblock. Wir sind dabei, Alternativen zu suchen", sagte Heuberger - auch Roggisch steht wegen der fehlenden Einsatzmöglichkeit in der Offensive in der Kritik. Auf der Position des Spielmachers führten Martin Strobel und erstmals Steffen Weinhold klug Regie. "Wir werden da mit ihm weiterarbeiten", meinte der Bundestrainer.

Wie geht es weiter?

"Für uns war es eine sehr erfolgreiche Woche", fasste Heuberger die sieben Tage Trainingslager und Testspiele zusammen. Doch bleibt das alte Problem, eine Anschlussförderung zu gewährleisten. Hanning nannte es auf welt.de den "gordischen Knoten zwischen Verband, Liga und den Landesverbänden" und auch Heuberger ermahnte die Liga erneut, den Nachwuchs nicht als Bankdrücker verkommen zu lassen.

Das B-Team ist sicherlich eine gute Geschichte, doch war es bisher immer zum Scheitern verurteilt. "Es gab in der Geschichte des DHB immer mal wieder eine B-Mannschaft. Letztlich scheiterte die Kontinuität in solchen Dingen immer wieder an termintechnischen oder finanziellen Problemen", wusste auch Schwarzer zu berichten.

Dies soll nun anders werden und auch die athletische Seite am Training hat endlich Aufnahme gefunden, ab dem 15. Lebensjahr trainieren die Jugendlichen nun auch mit Langhanteln – gerade in diesem Bereich sind die Franzosen den Deutschen weit überlegen. Kurzfristig ist sicherlich keine enorme Steigerung zu erwarten, doch auf lange Sicht könnten die Veränderungen in den Strukturen und der Nachwuchsförderung die Rückkehr in die absolute Weltspitze bedeuten.

Gunnar Beuth

sportal.de / sportal

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