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Handball: Deutsche Handballer stehen im WM-Halbfinale

Durch einen 31:31 Handball-Krimi hat sich die deutsche Nationalmannschaft zum zweiten Mal nach 1995 ins Halbfinale einer Weltmeisterschaft gekämpft.

Durch das 31:31 (15:16) gegen Jugoslawien am Donnerstag in Povoa de Varzim spielt der EM-Zweite am Samstag gegen den Sieger aus der Hauptrundengruppe IV um den Einzug ins Endspiel. Zugleich sicherte sich die Auswahl des Deutschen Handball-Bundes (DHB) als Sieger der Gruppe II die Qualifikation für die Olympischen Spiele 2004 in Athen. «Ich bin schon sehr, sehr zufrieden. Wir haben nicht mehr zu verlieren, sondern nur noch alles zu gewinnen», sagte Bundestrainer Heiner Brand, «ich bin ein bisschen mehr als erleichtert. Dass wir die Olympia-Quali haben, ist schon sensationell.»

Mit seinem dritten

Treffer knapp drei Minuten vor Schluss zum 31:29 sorgte der Magdeburger Stefan Kretzschmar für die Entscheidung und brachte die Mannschaft in einen kollektiven Freudentaumel. «Spannender geht es nicht mehr. Das war spannend bis zur letzten Sekunde. Man hat gesehen, dass es 60 Minuten eng war, ein richtiger Krimi», sagte Rückraumspieler Volker Zerbe (Lemgo), «Wir gehen mit Spaß ins Halbfinale. Dieses Spiel gibt uns so viel Auftrieb, dass alles möglich ist.»

Vor wiederum

nur rund 800 Zuschauern war Deutschlands «Handballer des Jahres» und Kapitän Markus Baur (Lemgo/8/5) bester Torschütze. Bei den Jugoslawen überragte Torhüter Arpad Sterbik. Beste Werfer für die Handballer vom Balkan waren Nedeljko Jovanovic (9/2) und der beim SC Magdeburg spielende Nenad Perunicic (6); beide besitzen seit zweieinhalb Jahren bzw. knapp fünf Monaten auch die deutsche Staatsbürgerschaft.

«Man kennt

die Spieler. Das sind absolute Top-Stars. Die sind in der Lage, jedes Spiel zu gewinnen, wenn es in der Mannschaft läuft. Es ist eine exzellente Mannschaft», anerkannte Brand. Torhüter Christian Ramota (Lemgo), der diesmal in der Anfangsformation dem Kieler Henning Fritz weichen musste, hatte auch das Erfolgsrezept parat: «Wenn wir unsere schnelle Mitte weiterspielen können, haben wir eine große Chance.»

Anfangs nutzten die deutschen Spieler diese Chance. In der aufmerksamen und beweglichen Abwehr fingen sie die Angriffe der Jugoslawen ab und zogen auf 5:1 (11.) davon. Doch während der EM- Zweite in der Deckung die Bälle erkämpfte, vergab das Team in der Offensive selbst beste Chancen. Ein ums andere Mal kaufte ihnen Jugoslawiens Torhüter Arpad Sterbik, der zusammen mit Dejan Peric das beste Keeper-Duo der WM bildet, den Schneid ab. 53,6 Prozent aller Würfe pariert er. «Das war schon unglaublich», anerkannte Fritz.

So musste

die deutsche Mannschaft beim 9:9 (18.) den Ausgleich hinnehmen und beim 10:11 (22.) den ersten Rückstand. In dem fortan ausgeglichenen Spiel wechselte ständig die Führung. Dabei machte das DHB-Team in Überzahl eine unglückliche Figur und kassierte drei Tore. Zudem lief das schnelle Spiel des EM-Zweiten nicht wie gewünscht, so dass das Brand-Team mit 15:16 und damit erstmals bei dieser WM mit einem Rückstand in die Kabine ging.

Nach Wiederanpfiff

lag die DHB-Auswahl gar 16:18 (34.) zurück, machte daraus aber dank dreier erfolgreicher Konter eine 19:18- Führung (38.). Immer wieder kassierten die Deutschen Treffer durch Tempogegenstöße der Jugoslawen, weil ihre Torwürfe nicht in Sterbiks Kasten landeten. Letztlich durften sie sich aber über das verdiente Remis freuen.

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