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HANDBALL: Deutschlands Handballerinnen ohne Coach - Leukefeld wirft das Handtuch

Dago Leukefeld, Bundestrainer der deutschen Handball-Frauen, wirft das Handtuch und hat am Sonntag überraschend um die Auflösung seines bis 2003 laufenden Vertrages gebeten.

Dago Leukefeld, Bundestrainer der deutschen Handball-Frauen, wirft das Handtuch und hat am Sonntag überraschend um die Auflösung seines bis 2003 laufenden Vertrages gebeten. Der 37- Jährige äußerte diesen Wunsch am Rande des 31. Länderturniers in Neubrandenburg gegenüber Peter Sichelschmidt, Sportdirektor des Deutschen Handball-Bund (DHB), und dem DHB-Vizepräsidenten Wolfgang Gremmel. Das DHB-Präsidium wird 30. und 31. März auf seiner turnusmäßigen Sitzung in Berlin über diesen Antrag entscheiden.

Das Länderturnier um den Weise-Cup beendete das deutsche Team am Sonntag mit Platz zwei. Im entscheidenden Spiel um den Turniersieg verloren die DHB-Frauen gegen Vizeweltmeister Frankreich mit 16:18 (9:9).

Düstere Zukunft?

»Seit der EM habe ich gemerkt, dass ich diese Position nicht so ausfüllen kann, wie ich mir das vorstelle. Vor zehn Tagen habe ich in Gesprächen erläutert, was passieren muss. Es hat sich nichts bewegt, ich laufe nur gegen Wände«, sagte der Noch-Bundestrainer. »Wenn sich aber nichts ändert, wird der deutsche Frauen-Handball nicht im Mittelmaß, sondern noch darunter versinken«, ist er überzeugt. Leukefelds Vorstellungen gehen dahin, dass er im Mai nach der WM-Qualifikation gegen Schweden ausscheidet. Ihm sollen Angebote aus der Bundesliga vorliegen, Trier ist im Gespräch.

Ob dem Leukefeld-Wunsch seitens des DHB so entsprochen wird, bleibt abzuwarten. »Wir werden dieser Bitte entsprechen müssen, denn wir können niemanden zwingen, seinen Vertrag zu erfüllen«, glaubt Sichelschmidt. »Ich kann mir gut vorstellen, dass Dago Leukefeld die Frauen noch bei der WM-Qualifikation betreut. Danach wird es mit Sicherheit einen Nachfolger geben«, meinte der für den Frauen-Bereich zuständige Vizepräsident Gremmel. Möglich ist auch eine frühere Trennung.

Keine Leistungssteigerung unter Leukefeld

Leukefeld hatte die DHB-Frauen nach dem siebten Platz bei der Weltmeisterschaft 1999 von Lothar Doering übernommen. Damals war mit dieser Platzierung das Olympia-Ticket für Sydney verpasst worden, so dass ein Neuaufbau der Mannschaft notwendig wurde. Im März des Vorjahres in Neubrandenburg hatte Leukefeld die Auswahl erstmals betreut. Unter seiner Führung landete die Mannschaft bei der Europameisterschaft im Dezember des Vorjahres in Rumänien auch nur auf dem enttäuschenden neunten Platz, nachdem es sogar Hoffnungen gegeben hatte, dass sie um die Medaillen spielen könnte.

Seitdem steht der Bundestrainer in der Kritik, hat sich mit den Vereinen überworfen und die beschlossene Aufstockung der 1. Bundesliga um zwei auf 14 Teams kategorisch abgelehnt. »Einen größeren Schwachsinn gibt es nicht. Daraus wird nichts Positives entstehen. Jedes Spiel mehr wird eine Belastung für die Topspielerinnen und geht zu Lasten der Nationalmannschaft«, hatte Leukefeld in Neubrandenburg erneut betont.

Renate Wolf als Nachfolgerin?

Wird dem Leukefeld-Antrag entsprochen, könnten wieder Maik Nowak oder Renate Wolf ins Gespräch kommen. Die Bundesliga-Trainer aus Leipzig und Leverkusen waren schon im Vorjahr zusammen mit Leukefeld die Kandidaten. Nowak kritisierte die Rücktrittsabsichtigen: »Ich bin enttäuscht, weil die Mannschaft vor der wichtigen WM-Qualifikation steht und wir uns nach dem Abschneiden bei der EM in verschiedenen Gremien um die weitere Herangehensweise und Strukturveränderungen im deutschen Frauen-Handball bemüht haben. In dieser Phase verlässt der verantwortliche Trainer mit langfristiger Perspektive das Schiff.«

Von Peter Juny, (dpa)

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