HOME

Handball-Schiedsrichter: "Wir haben nie Spiele manipuliert"

Im Zuge der Bestechungsvorwürfe gegen die Handball-Dominatoren vom THW Kiel melden sich nun betroffene Schiedsrichter zu Wort. Diese zeigen sich schockiert und fürchten um ihr Ansehen. Auch ein damals beteiligter Spieler hat sich jetzt zu Wort gemeldet.

Die polnischen Handball-Schiedsrichter Marek Goralczyk und Miroslaw Baum haben sich schockiert über Bestechungsvorwürfe im Zusammenhang mit dem Champions-League-Sieg des THW Kiel vor zwei Jahren gezeigt. Goralczyk und Baum hatten am 29. April 2007 das Final-Rückspiel gegen die SG Flensburg-Handewitt geleitet. Er habe von den Vorwürfen im Internet gelesen und sei aus allen Wolken gefallen, sagte Goralczyk der "B.Z.". "Jeder macht Fehler, ich auch. Aber nicht für 50.000 Euro", versicherte er.

Dem deutschen Rekordmeister Kiel war vorgeworfen worden, seit 2000 internationale Spiele manipuliert zu haben. Diese Anschuldigungen hatte THW-Manager Uwe Schwenker am Montagabend nach einer Krisensitzung des Ligaverbandes HBL zurückgewiesen. "An den Vorwürfen ist nichts dran. Der THW hat keine Spiele manipuliert", sagte er. "Belastbare Tatsachen liegen nicht vor", hatte auch HBL-Präsident Reiner Witte erklärt. Am (heutigen) Dienstag tagt in Hamburg der Aufsichtsrat der HBL zu dem Thema. Der Manipulationsverdacht beruht bislang auf Gerüchten, die dem HBL-Aufsichtsratsmitglied Dieter Matheis "zu Ohren gekommen" waren. Beweise gibt es dafür nicht.

Schiris beteuern Unschuld

"Nie im Leben" habe er Geld bekommen, der THW Kiel sei auch nicht auf ihn zugekommen, betonte Schiedsrichter Goralczyk. "Ich würde wegen so einer Sache niemals meine Reputation riskieren", sagte er und verbürgte sich auch für seinen Kollegen Baum: "Wir pfeifen seit zehn Jahren zusammen und würden füreinander die Hand ins Feuer legen." Goralczyk will vorerst keinen Anwalt einschalten und wartet darauf, dass der polnische Handball-Verband auf ihn zukommt.

Baum antwortete im "Flensburger Tageblatt" auf die Frage, ob er Geld angenommen habe: "Nein, um Gottes Willen. Das alles ist ein großer Schock für mich. Seitdem ich von dem Vorwurf weiß, bin ich psychisch angeschlagen." Die Europäische Handball-Föderation (EHF) sei bislang nicht auf ihn zugekommen. An das Spiel in Kiel habe er eine "gute Erinnerung". "Es gab keinerlei Beschwerden", sagte Baum.

"Wir sind keine Maschinen"

In der einzig strittigen Szene bei Kiels 29:27-Sieg hatte der Flensburger Kapitän Joachim Boldsen die Rote Karte (19. Minute) gesehen. "Das war eine total lächerliche Entscheidung. Vielleicht war das Foul für zwei Minuten gut, aber nie und nimmer für Rot in einem Champions-League-Finale", sagte der mittlerweile für den FC Barcelona aktive Boldsen am Dienstag in der Zeitung "Ekstra Bladet". Auf die Vorwürfe gegen den THW reagierte er ausweichend. "Dieses Spiel ist lange her, daran kann ich nicht das Geringste mehr ändern, und deshalb halte ich mich raus", erklärte der Däne.

Das Duo Baum/Goralczyk hatte 2004 bei den Olympischen Spielen in Athen das Frauen-Finale zwischen Dänemark und Südkorea geleitet. Nach Aussage des ehemaligen Geschäftsführers des Weltverbandes IHF, Frank Birkefeld, war das Spiel zugunsten von Dänemark verschoben worden. Auf die Frage, ob sie jemals ein Spiel manipuliert haben, sagte Baum im "Flensburger Tageblatt": "Nein, das haben wir nie. Wir sind seit etlichen Jahren jetzt Schiedsrichter auf internationaler Ebene, wir hatten eine große Karriere. Natürlich sind auch wir keine Maschinen, auch wir haben Fehler gemacht. Aber wir haben nie beabsichtigt, eine Mannschaft zu benachteiligen."

DPA / DPA

Wissenscommunity