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Ärger um Rechtevergabe: Handball-WM nicht im Free-TV: Von alten Leuten, denen es nur ums Geld geht

Der deutsche Handball boomt: Die Nationalmannschaft ist amtierender Europameister, die Bundesliga ist die beste Liga der Welt. Aber wenn in Kürze die WM in Frankreich startet, gucken die Fans hierzulande in die Röhre.

Handball WM

Das deutsche Team bei der EM-Titelfeier in der Berliner Max-Schmeling-Halle 2016. Fans können die bald in Frankreich beginnende Handball-WM nicht im Free-TV verfolgen.

Es ist schon absurd: Deutschland ist amtierender Handball-Europameister, in der Bundesliga spielen wöchentlich die größten Stars gegeneinander, und der Markt gilt als wichtigster der Welt - trotzdem werden von der bevorstehenden WM in Frankreich hierzulande, wenn überhaupt, nur wenige frei empfangbare TV-Bilder zu sehen sein.

Schuld daran ist Rechteinhaber BeIN Sports. Beim Al-Dschazira-Ableger hatten ARD und ZDF nach eigener Auskunft mehrfach ihr Interesse an einer Live-Berichterstattung hinterlegt. BeIN Sports habe allerdings darauf bestanden, dass die TV-Signale für Satelliten-Kunden verschlüsselt werden. Dafür hätten die Öffentlich-Rechtlichen aber rund 18 Millionen Haushalte, die ihre Programme per Satellit empfangen, ausschließen müssen.

Handball-WM 2017: "Stand heute zeigen wir nichts"

Schon 2015 hatte es keine Free-TV-Bilder vom Turnier in Katar gegeben. Damals hatte der Pay-TV-Sender Sky kurzfristig reagiert, die wichtigsten Spiele übertragen und gute Quoten erzielt. Daraus wird diesmal nichts: "Stand heute zeigen wir nichts", so Sky-Sportchef Burkhard Weber, "und für die Öffentlich-Rechtlichen ist es technisch nicht möglich." Die Deadline sei überschritten.

Die letzte Hoffnung auf kostenlose Bilder aus Frankreich stellt somit die Internetplattform Sportdeutschland.tv dar. Der Online-Sportsender, an dem der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB) beteiligt ist, bemüht sich offenbar um Übertragungsrechte: "Wir wollen einfach, dass alle Fans in Deutschland die Handball-WM kostenlos verfolgen können", sagte Geschäftsführer Björn Beinhauer dem Fachmagazin "Sponsors". Darüber hinaus wäre auch der Sport-Streaming-Dienst DAZN eine Option.

Die Quoten machen eigentlich dem Fußball Konkurrenz

Dass mit Handball fette Quote zu machen ist, beweist ein Blick in die Statistiken: Das EM-Finale gegen Spanien verfolgten vor knapp einem Jahr 12,98 Millionen Zuschauer in der ARD, was einen Marktanteil von 42 Prozent bedeutet und das einzige Nicht-Fußballereignis in den Top 20 des Fernsehsports 2016.

Kein Wunder, dass der Free-TV-Blackout in Handballkreisen für großen Unmut sorgt: "Das ist eine beschissene Situation und schlecht für unsere Sportart, wenn ein Jahr mal einfach so wegfällt, man nicht im Fernsehen zu sehen und nicht präsent ist", sagte Nationalspieler Patrick Groetzki dem "Mannheimer Morgen". Es ginge wohl nur darum, so viel Geld wie möglich zu verdienen: "Man muss ganz klar sagen, dass im Handball-Weltverband zu wenig über die Folgen nachgedacht wurde, als man die Rechte an BeIN Sports vergeben hat." Auch Flensburgs Trainer Ljubomir Vranjes echauffierte sich in der "FAZ": "Da sitzen alte Leute und entscheiden, die weit, weit weg vom Handball sind." Bundestrainer Dagur Sigurdsson findet die Situation bedauerlich, auch weil die Mannschaft gerade sehr populär sei: "Aber einige Sachen sind nicht lösbar, und das scheint ein bisschen so auszusehen, dass man das nicht lösen kann."

Für die deutschen Handball-Fans und für den Handballsport an sich ist das ein trauriges Fazit.

tim

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