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Grand-Prix-Finale in Kanada : Zickenkrieg der russischen Diven: Das große Drama kehrt in den Eiskunstlauf zurück

In Vancouver findet in diesen Tagen das Grand-Prix-Finale im Eiskunstlauf statt. Und es wird spannend: Zwei russische Läuferinnen liefern sich in einen erbitterten Konkurrenzkampf, der über ihre Karrieren entscheiden wird.

Kleiner Skandal im Eiskunstlauf: Jelisaweta Tuktamyschewa legte einen Striptease hin 

Kleiner Skandal im Eiskunstlauf: Jelisaweta Tuktamyschewa legte beim Show-Laufen nach der letzten Vorauswahlrunde des Grand Prix einen Striptease hin 

AFP

Das Grand-Prix-Finale ist Höhepunkt und Abschluss der ersten Saisonhälfte im Eiskunstlauf. Und in diesem Jahr verspricht der Wettbewerb besonders spannend zu werden. Zwei Läuferinnen bringen alles auf das Eis zurück, was die Fans so sehr lieben: Technisches Können, Talent - und großes Drama. Jelisaweta Tuktamyschewa und Alina Sagitowa kämpfen nicht nur um den Grand-Prix-Sieg, sondern es geht auch um ihre Karrieren und ihren Platz in der Eiskunstlaufwelt. 

Tuktamyschewa geht als Favoritin ins Rennen. In diesem Jahr gelang ihr ein furioses Comeback, nachdem man die "alte Kaiserin" schon abgeschrieben hatte. Nach ihren Siegen bei den Europa- und Weltmeisterschaften 2015 ging es für sie lange bergab. Auf der internationalen Bühne reichte es beim Cup of China im vergangenen Jahr gerade einmal für Bronze. Mit 21 Jahren wollte man sie bereits zur grauen Eminenz abschreiben. Doch dann die Überraschung.

In die aktuelle Saison startete Tuktamyschewa gleich mit drei Siegen. Erst gewann die Russin die Lombardia Trophy in Bergamo, später den finnischen Espoo Finlandia Trophy Wettbewerb und schließlich Skate Canada, die Vorauswahlrunde des Grand Prix. In allen drei Programmen sprang sie den Dreifach-Axel - den "Königsprung", der als der schwierigste gilt.  

Ein Paukenschlag, vor allem für ihre beiden wichtigsten Kontrahentinnen: Neben Alina Sagitowa ist das Jewgenija Medwedewa. Beide Russinnen gehören aktuell zu den größten Stars des Eiskunslaufs. Medwedewa, 18, ist die Welt- und Europameisterin von 2016 und 2017. Sagitowa gewann bei den Olympischen Spielen in Pyeongchang sowie die Europameisterschaften von 2018. Zum Zeitpunkt der beiden Siege war sie grade mal 15 Jahre alt. Somit ist sie nach Tara Lipinski die zweitjüngste Olympiasiegerin der Eiskunstlauf-Geschichte.

Erbitterter Konkurrenzkampf 

Der sensationelle Olympiasieg von Sagitowa ist der Grund für einen erbitterten Konkurrenzkampf der beiden Läuferinnen. Medwedewa gab nämlich der gemeinsamen Trainerin Eteri Tutberidze die Schuld, dass sie sich bei den Olympischen Spielen der jüngeren Sagitowa geschlagen geben und mit der Silbermedaille begnügen musste. Was folgte, war ein Skandal: Medwedewa kündigte im vergangenen Mai die Zusammenarbeit mit Tutberidze und wechselte zum kanadischen Trainer Brian Orser, und sie zog auch gleich nach Kanada.  

Seitdem vermeiden die beiden Läuferinnen jede Begegnung, sprechen nicht miteinander und wenden sich bei Wettkämpfen demonstrativ voneinander ab. Als die beiden im vergangenen September bei einem Wettbewerb in Moskau antraten, weigerte sich die kanadische Entourage von Medwedewa dieselben Eingänge zur Eisbahn zu benutzen wie Sagitowas Crew. Die Spannung zwischen den beiden wäre fast mit den Händen zu greifen gewesen, meinten Kommentatoren.

Wenig überraschend, dass in dieser Atmosphäre beide auf dem Eis patzten. Sagitowa vermasselte den Lutz, den Flip und den Rittberger. Medwedewa stürzte nach dem Flip und führte ihre Kaskade gar nicht erst durch.  

Auch bei Skate Canada enttäuschte Medwedewa und schaffte es nicht, sich für das Finale des Grand Prix zu qualifizieren. Gegen Tuktamyschewa, die wieder glänzte, hatte sie keine Chance. Eine Konkurrentin konnte die "alte Kaiserin" also bereits loswerden. 

Russisch-japanische Spiele 

Nun wird sie sich der jüngeren Sagitowa in Vancouver stellen müssen. Es wird das erste Mal sein, dass sich die beiden Läuferinnen in dieser Saison bei einem Wettbewerb begegnen werden. Während es für Tuktamyschewa um ihr Comeback geht, muss Sagitowa ihre Zukunft in der russischen Eiskunstlaufwelt kämpfen. Seit dem Trainerwechsel von Medwedewa wird spekuliert, dass Trainerin Eteri Tutberidze Sagitowa nur noch aus Rache an ihrer ehemaligen Schülerin trainiert und bloß noch auf jüngeren Nachwuchs wartet. Und der steht schon in den Startlöchern. Neben Sagitowa und Tuktamyschewa startet beim Grand-Prix-Finale auch noch eine dritte Russin: die 16-jährige Sofia Samodurowa. Sollte Sagitowa in dieser Saison patzen, macht sie sich leicht ersetzbar. Sollte die Eiskunstlaufgröße Tutberidze sie fallen lassen, würde das so gut wie ein Karriere-Ende für sie bedeuten. 

In den kommenden Tagen könnten sich also auf dem Eis in Vancouver ganze Schicksale entscheiden. Der Grand Prix findet zwischen dem 6. und dem 9. Dezember statt. Antreten werden die drei Russinnen gegen drei japanische Läuferinnen, in deren Mannschaft mindesten ein genauso harter Konkurrenzkampf herrscht.

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