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Interview Regina Halmich: "Schön zu sein allein, ist nichts"

Über sieben Millionen TV-Zuschauer verfolgen ihre Kämpfe: Regina Halmich hat das Frauen-Boxen in Deutschland populär gemacht. Am Abend steigt die Box-Queen zum letzten Mal in den Ring. Im stern.de-Interview spricht die Weltmeisterin über den "Playboy", eine potenzielle Nachfolgerin und warum ein Comeback im Stile von Henry Maske für sie nie in Frage käme.

Was muss passieren, damit Sie in zehn Jahren ihren Rücktritt vom Rücktritt verkünden und wieder in den Ring steigen? Das wird nicht passieren. Definitiv nicht. Das ist unrealistisch. Das kann man nur schaffen, wenn man den Maske-Stil boxt. Und sich dann noch einen gleichaltrigen Gegner aussucht.

Wie beurteilen Sie denn das einmalige Comeback von Henry Maske? Mutig war das ja schon... Natürlich war das mutig, und ich ziehe auch den Hut vor seiner Leistung. Er hat so geboxt wie er immer boxt, also eher technisch und defensiv. Größere Ringschlachten würde Maske jetzt aber nicht mehr durchstehen. Damit wir uns richtig verstehen: Ich will seine Leistung gegen Hill gar nicht schmälern.

Nochmal zurück zum Thema Mut. Welche Rolle spielt der bei einem Boxer? Äußerlich zeigen Boxer vor Kämpfen keine Gefühle. Von Überwindungsängsten ist nie etwas zu sehen

Jeder Boxer hat vor einem Kampf Angst, jeder Boxer muss sich immer wieder überwinden. Klingt blöde, aber man gewöhnt sich an diesen Zustand - irgendwie. Bei mir ist es so, dass der Ehrgeiz, das ständige Streben nach dem perfekten Boxkampf größer ist, als die Angst. Ich habe mein Leben lang nach Herausforderungen gesucht, wollte und will immer die Beste sein. Diese Einstellung hilft mir auch im Trainingsalltag, den inneren Schweinehund regelmäßig zu überwinden.

Am Freitagabend bestreiten Sie gegen die Israelin Hagar Shmoulefeld Finer Ihren letzten Kampf. Jeder geht davon aus, dass Sie den Fight gewinnen werden. Wenn Sie nun aber doch verlieren sollten, was im Boxen ja schnell wegen einer kleinen Unaufmerksamkeit passieren kann, könnten Sie damit leben?

Nein, mit einer Niederlage könnte ich nicht leben. Ich kann doch so nicht abtreten. Ich mag gar nicht dran denken, aber das wäre wirklich die größte Katastrophe meiner sportlichen Laufbahn. Ich würde mir mit einem Schlag alles versauen, was ich mir aufgebaut habe. Es lastet ein riesiger Druck auf mir. Das darf einfach nicht schiefgehen. Ich werde nichts dem Zufall überlassen. Es muss einfach klappen - fertig, aus. Nächste Frage!

Wie stark schätzen Sie denn Ihre Gegnerin ein? Hagar Shmoulefeld Finer habe ich selber zweimal beobachtet. Sie ist noch jung, und genau darin liegt auch die Gefahr. Sie ist sehr gefährlich. Die Jungen sind immer besonders motiviert. Ich lass mich von ihrem mittelmäßigen Kampfrekord (13 Siege, 4 Niederlagen, drei Remis, Anm. der Red.) jedenfalls nicht blenden. Immer Vorsicht vor aufstrebenden Talenten!

Sie haben Sich vor vier Jahren für den Playboy ausgezogen. Erotische Bilder gab es auch in der Juni-Ausgabe der "Max". Wollen Sie nach dem Karriereende hauptberuflich modeln? Die Bilder sind ja sehr ästhetisch und nett anzuschauen...

Finden Sie (lacht)? Ich mag die Fotos auch sehr gern, aber das Modeln wird niemals mein Hautjob werden. Abgesehen davon, dass ich mit 1,60m weit entfernt von Modellmaßen bin, würde mich das auch nicht befriedigen. Nur schön sein, das ist nichts für mich. Ich steh zu meinen Plänen, nach dem Karriereende etwas im weiten Feld der Moderation zu machen. Das ist mein Traum.

Finden Sie sich eigentlich selber schön? Was heißt schon schön (lacht)... , ich würde mich als durchschnittlich attraktiv bezeichnen. Ich sehe ja morgens auch nicht anders aus als andere Frauen nach dem Aufwachen. Wenn man sich hübsch zu Recht macht, dann find ich mich auch schöner als im Trainingsanzug. Aber den muss ich nun mal jeden Tag anziehen. Also sonderlich attraktiv find ich mich in der Ballonseide nicht (lacht).

Könnten Sie sich denn vorstellen in zehn Jahren, also mit 40, sich noch einmal für den Playboy auszuziehen? Andere hübsche Frauen haben das ja schon gemacht, Uschi Obermeyer zum Beispiel.

Wenn man mich mit 40 fragen würde, würde ich wahrscheinlich absagen. Ganz einfach, weil die Figur dann nicht mehr so in Schuss ist, wie noch mit 28. Trotz des Trainings, das ich auch nach meinem Karriereende nicht von einem Tag auf den anderen einstellen werde.

Sie haben das Frauenboxen im Deutschland populär gemacht. Über 7 Millionen Menschen schauen bei Ihren Kämpfen im TV im Durchschnitt zu. Was passiert mit dem Frauenboxen in Deutschland nach Ihrem Rücktritt? Es wird weitergehen. Die machen den Laden ja nicht dicht, nur weil ich nicht mehr dabei bin. Niemand ist unersetzbar. Das ordne ich ganz nüchtern ein. Es gibt keine Regina Halmich mehr, aber dann kommt eben eine andere Boxerin um die Ecke. Es wird auch darauf ankommen, wie die Boxfans in Deutschland die neuen Gesichter aufnehmen und in ihr Herz schließen. Nur gut Boxen zu können, reicht allerdings nicht. Man braucht auch eine Persönlichkeit. Die Leute müssen sich mit der Boxerin identifizieren können.

Ganz konkret gefragt: Wer hat denn das Zeug dazu, einmal in Ihre Fußstapfen zu treten? Wenn man davon überhaupt sprechen kann...

Ich halte Susi Kentikian für sehr talentiert. Sie bringt alles mit und kommt auch gut bei den Leuten an. Noch hat sie nicht die Quoten, aber ich denke, sie könnte den Durchbruch schaffen. Ja, Susi wäre eine.

Das Interview führte Klaus Bellstedt

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