Ironman-Sieger Normann Stadler "Es geht allein um den Sieg"


Es ist der härteste Wettkampf der Welt: Beim Ironman auf Hawaii kämpfen die Athleten gegen extreme Wetterbedingugen und den inneren Schweinehund. Im stern.de-Interview spricht der zweimalige Sieger Normann Stadler über den "Mann mit dem Hammer", fiese Konkurrenz und Doping.

Herr Stadler, sie treten jetzt wieder beim wichtigsten Ironman-Rennen der Welt auf Hawaii an, dass Sie bereits in den Jahren 2004 und 2006 gewinnen konnten. Wie lief die Vorbereitung?

Ich fühle mich so gut vorbereitet, dass ich den Start kaum noch erwarten kann. Die Trainingszeiten waren optimal. Ich hoffe, dass ich den Zwei-Jahres-Rhythmus meiner erfolgreichen Hawaii-Wettkämpfe fortsetzen kann.

Letztes Jahr mussten sie aufgeben und auch in diesem Jahr haben sie einige Rückschläge einstecken müssen. Womit rechnen Sie in diesem Jahr?

Dieses Jahr ist alles drin. Im letzten Jahr war ich auch super drauf und hatte einfach Pech. Dabei war ich nicht der Einzige, der wegen eines Magen-Darm-Infektes aussteigen musste. Ich glaube fest daran, dass ich dieses Mal am wichtigsten Tag des Jahres von solchen unvorhergesehenen Dingen verschont bleibe. Dann ist alles möglich.

Wie sieht ihre Strategie in einem Triathlon aus? Worauf müssen Sie besonders achten?

Das Wichtigste ist, schnell seinen Rhythmus zu finden. Man muss ständig in sich hineinhorchen, ob das Tempo stimmt, ob man genügend trinkt und dann muss man Ausschau halten, wie die Konkurrenz unterwegs ist.

Welches sind die härtesten Momente in so einem Rennen? Gibt es Tiefpunkte, die man überwinden muss?

Über eine Strecke von insgesamt 226 Kilometern kommt der so genannte "Mann mit dem Hammer" häufiger. Wann der er kommt, ist bei jedem unterschiedlich. Gerade auf Hawaii hat man mit extremen Bedingungen zu kämpfen. Zu körperlicher Erschöpfung kommt starker Wind sowie extreme Hitze und Luftfeuchtigkeit. Ich wundere mich immer wieder, wie stark man über seine eigenen Grenzen gehen kann und es schafft, trotz allem weiter zu machen.

Wieso ist die Atmosphäre zwischen Ihnen und Chris McCormack so vergiftet? Braucht der Hawaii-Titelverteidiger Sticheleien gegen die Konkurrenz, um sich zu motivieren?

Chris ist ein Athlet, der sich aufgrund seiner Leistung Sticheleien leisten kann. Wir sind Konkurrenten, und da ist so etwas nicht nur normal, sondern tut dem Sport sogar gut. Das ganze sollte man aber nicht überbewerten. Wir sind in den letzten Tagen sogar einmal zufällig ein paar Kilometer zusammen gelaufen.

Stacheln Sie Aussagen ihres schärfsten Konkurrenten an?

Chris braucht dieses Anstacheln eindeutig mehr als ich. Er ist so ein Typ. Ich konzentriere mich lieber auf mich selbst. Wenn ich meine Leistung abrufe, wird es für alle anderen ganz schwer.

Wann fällt der Weltrekord des Belgiers Luc van Lierde, der immerhin schon elf Jahre Bestand hat?

Es ist sehr unwahrscheinlich, dass er in Hawaii fallen wird. Big Island ist ja eigentlich keine Insel, die dazu einlädt, hier Extremsport zu betreiben: Die Lava strahlt bis zu 60°C ab, und es herrschen brutale Winde. Um den Rekord zu knacken, braucht man eine entsprechend schnelle Strecke wie z.B. Frankfurt. Luc van Lierde muss den Tag seines Lebens erwischt haben, als er diesen Rekord aufgestellt hat. Hier bei der World Championship ist die Zeit jedoch zweitrangig. Am Ende geht es einzig und allein darum zu siegen.

Wie beurteilen sie die sportliche Entwicklung im Triathlon?

Ich freue mich, dass Triathlon in Deutschland immer bekannter wird und es immer mehr aktive Triathleten gibt. Allein beim Hamburg City Man gingen in diesem Jahr mehr als 10.000 Athleten über die Sprintdistanz und die Olympische Distanz an den Start. Den Ironman in Frankfurt haben 500.000 Zuschauer an der Strecke verfolgt. Außerdem sorgen große Sponsoren wie in meinem Fall für weitere Professionalisierung. Das ist eine erfreuliche Entwicklung.

Wenn sich Fußballer über die körperliche Belastung beklagen: Müssen Sie da nicht lachen?

Auf keinen Fall, auch wenn man das bei Trainingszeiten von bis zu acht Stunden auf den ersten Blick glauben könnte. Bei 3,8 km Schwimmen, 180 km Radfahren und 42 km Laufen hängt alles von der Schnelligkeit ab, die man über einen solchen Zeitraum maximal halten kann. Fußballer haben ganz anders geartete Belastungen, vor denen ich großen Respekt habe. Und wir absolvieren einen Ironman auch nicht mehrmals pro Woche.

Jan Frodeno hat die Goldmedaille in Peking über die olympische Kurz-Distanz gewonnen. Hat es sie nicht gereizt an den Spielen in Peking teilzunehmen? Sollte nicht auch die Langdistanz olympisch werden?

Frodo hat ein riesiges Rennen in Peking abgeliefert. Er und Daniel Unger als Sechster haben einen großartigen Beitrag dazu geleistet, Triathlon noch beliebter zu machen. Dass die Langdistanz der eigentliche Ursprung des Triathlons ist, wissen wahrscheinlich die Wenigsten. Aber jedenfalls weiß man dank der olympischen Erfolge, dass Triathlon ein wunderbarer Sport ist. Von historischer und sportlicher Seite gibt es eigentlich nichts, was gegen eine Aufnahme der Langdistanz ins olympische Programm spricht. Das muss jedoch an anderer Stelle entschieden werden, und solange bleibt für uns der Ironman Hawaii Saisonhöhepunkt.

Welche Athleten zählen Sie auf Hawaii neben dem Münchner Faris al Sultan und Chris McCormack zu den größten Konkurrenten?

Da gibt es gut 20 Leute, die ganz vorn mithalten können: Unter anderem gehört Craig Alexander, letztes Jahr Zweiter, zu den Top-Kandidaten. Marino Vanhoenacker aus unserem Dresdner Kleinwort Triathlon Team erwarte ich weit vorne. Wenn Cameron Brown mit den schnellsten vom Rad steigt, ist auch er gefährlich. Nicht zu vergessen Eneko Llanos, der Zweite von Frankfurt.

Sie sind jetzt 35 Jahre alt. Welche Rolle spielt das Alter für sie? Wie lange werden sie noch an den Start gehen?

Frank Vytrisal hat im vergangenen Jahr im Alter von fast 41 Jahren den 14. Platz auf Hawaii belegt und war bester Deutscher. Das sagt doch alles.

Egal in welcher Sportart - Doping ist ein bestimmendes Thema. Sie nehmen mit ihrem Team an einem Modellprogramm teil und wollen als "gläserner Athlet" zeigen, dass saubere Höchstleistungen möglich sind. Wie sieht dieses Programm genau aus?

Wir haben uns bewusst den Kriterien des Anti-Doping-Konzeptes unterworfen, um dem öffentlichen Wunsch nach Transparenz gerecht zu werden. Wir werden häufiger und intensiver getestet als jeder andere Sportler, wobei die Kontrollen von Dresdner Kleinwort finanziert, die Kontrollen selbst aber völlig unabhängig von der NADA durchgeführt werden. Von Dresdner Kleinwort ist der Kurs ganz eindeutig definiert. Wir erhalten Teile der Sponsorengelder erst drei Jahre nach Vertragsabschluss ausgezahlt, wenn ein dann erfolgter Test mit neuesten und dann evtl. noch präziseren Analysemethoden der eingefrorenen Proben ebenfalls negativ ausfällt.

Wie sehr ist der Triathlon von Doping betroffen?

Solange positive Tests nicht das Gegenteil beweisen, gehe ich davon aus, dass meine Konkurrenten keine unerlaubten Mittel nehmen. Für meine Teamkollegen besteht da jedenfalls kein Zweifel.

Waren Sie jemals in Versuchung, verbotene Hilfsmittel zu nehmen?

Niemals.

Interview: Tim Schulze

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