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Boxlegende Jack Johnson: Wird dieser tote Boxer von Trump begnadigt? Es wäre erst der dritte Fall in der US-Geschichte

Jack Johnson war der erste schwarze Schwergewichtsweltmeister im Boxen. 1913 wurde er unter fragwürdigen Umständen zu einer Haftstrafe verurteilt. Donald Trump erwägt jetzt seine posthume Begnadigung - dank eines berühmten Anrufers im Weißen Haus.

Jack Johnson, hier auf einem Bild von etwa 1930, war der erste afroamerikanische Schwergewichtsweltmeister im Boxen

Jack Johnson, hier auf einem Bild von etwa 1930, war der erste afroamerikanische Schwergewichtsweltmeister im Boxen - und damit vielen Weißen ein Dorn im Auge

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Als 1913 zu einer Gefängnisstrafe von einem Jahr und einem Tag verurteilt wurde, befand er sich auf dem Höhepunkt seiner Karriere. Fünf Jahre zuvor hatte der Sohn zweier ehemaliger Sklaven aus Galveston im US-Bundesstaat Texas Geschichte geschrieben und als erster Afroamerikaner den Weltmeistertitel im Schwergewichtsboxen erobert. Seine darauffolgenden Gegner dominierte er nach belieben. Am 4. Juli 1910 verteidigte er seinen Titel in einem spektakulären Kampf gegen den völlig chancenlosen Jim Jeffries. Der Ex-Weltmeister - von der Presse als  "große weiße Hoffnung" tituliert - war gedrängt worden, aus dem Ruhestand zurückzukehren, um dem schwarzen Champion den Titel wieder zu entreißen. Nach Jeffries' krachender K.o-Niederlage in der 15. Runde brachen im ganzen Land Rassenunruhen aus. Tagelang machten wütende Weiße Jagd auf Schwarze. Es gab Tote und hunderte Verletzte.

"Mann Act" bringt Jack Johnson vor Gericht

Im Ring war Johnson nicht zu besiegen. Doch sein Privatleben bot eine Angriffsfläche. Der "Galveston Giant" gab mit seinem Geld an, fuhr zu schnell schnelle und scherte sich nicht um die Rassentrennung in den USA: Johnson hatte sexuelle Beziehungen zu weißen Frauen und heiratete sogar drei von ihnen - ein in der damaligen Zeit für die meisten Weißen skandalöser Tabubruch.

Mithilfe des "Mann Act" brachten seine Gegner ihn schließlich vor Gericht. Das seit 1910 geltende Bundesgesetz untersagte den weißer Frauen "zu unmoralischen Zwecken" über bundesstaatliche Grenzen hinweg und sollte eigentlich Menschenhandel und Prostitution verhindern. Kritiker sagen jedoch, das Gesetz sei benutzt worden, um Afroamerikaner aus rassistischen Gründen zu verurteilen und politische Dissidenten zu bestrafen.

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Hauptzeugin der Anklage war die weiße Prostituierte Belle Schreiber, die eine Zeit lang Johnsons Liebhaberin gewesen war. Unter Androhung einer Gefängnisstrafe sagte sie aus, der Boxer habe sie zum Zweck der Prostitution über eine Staatsgrenze befördert - tatsächlich hatte er nur eine Zugfahrkarte für sie bezahlt. Eine Jury mit ausschließlich weißen Mitgliedern brauchte lediglich zwei Stunden, um den Weltmeister im Juni 1913 schuldig zu sprechen.

Bush und Obama verweigerten Begnadigung

Johnson, der noch auf Kaution frei war, floh daraufhin nach Europa. Doch seine erfolgreiche Boxkarriere war damit ebenso ruiniert wie sein Ruf. 1946 starb er bei einem Autounfall in North Carolina. Ein rassistischer Restaurantbesitzer in der Kleinstadt Franklinton hatte sich geweigert, ihn zu bedienen. Voller Wut raste der 68-Jährige in seinem Auto davon und prallte in der ersten Kurve gegen einen Telefonmast.

Zahlreiche prominente Amerikaner haben sich seither für eine Rehabilitierung von Jack Johnson eingesetzt. Ende 2004 reichten unter anderem die damaligen Senatoren John McCain, Edward Kennedy und Orrin Hatch, der Sugar Ray Leonard und der Filmproduzent Ken Burns eine Petition bei der US-Regierung ein, in der sie seine posthume Begnadigung forderten. US-Präsident George W. Bush ließ sie abblitzen. 2016 versuchte eine überparteiliche Gruppe von US-Abgeordneten aus Anlass des 70. Todestages der Sportlegende ihr Glück bei Barack Obama - ebenfalls erfolglos.

Trump denkt über volle Begnadigung nach

Und nun soll Donald Trump es richten. Es wäre ein absoluter Ausnahmefall, erst zwei Mal haben US-Präsidenten Verurteilte posthum begnadigt: 1999 Bill Clinton den ebenfalls schwarzen Armee-Leutnant Henry Ossian Flipper und 2008 George W. Bush den Unternehmer Charles T. Winters. Trump ist nicht abgeneigt, sich hinter seinen Vorgängern einzureihen - auch dank des Engagements eines weiteren sehr prominenten Amerikaners: Sylvester Stallone.

Der Hollywoodstar habe ihn wegen Jack Johnson angerufen, twitterte Trump am vergangenen Wochenende. "Seine Irrungen und Wirrungen waren beträchtlich, sein Leben komplex und kontrovers. (...) Aber ja, ich denke über eine volle Begnadigung nach."

Johnsons Urgroßnichte Linda Haywood sagte in einem CNN-Interview, sie sei begeistert gewesen, als sie gehört habe, dass der Präsident eine Begnadigung erwägt. "Viele Leute sagen: 'Warum ist das wichtig? Wen interessiert's? Er ist tot. Er wird es nicht erfahren'", zitierte der Nachrichtensender die 62-Jährige. "Das mag stimmen, aber er hat lebende Nachfahren. Für uns ist es wichtig."

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fin

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