Jack Johnson Lieder vom Menschsein


Er selbst nennt es "Barbeque Musik": Mit enspannten Songs hat sich der hawaiianische Sänger Jack Johnson bereits ein Publikum in den USA erspielt. Jetzt will er auch Europa erobern - in aller Ruhe.

Man sitzt im Vorgarten unter einem Baum und spielt Gitarre, weil es drinnen viel zu heiß ist: Das Leben auf Hawaii kennt keine Schafskälte. Jack Johnson ist in dem Inselparadies groß geworden - und seine Musik ist tief in dem freundlichen multikulturellen Miteinander verwurzelt: "Sie ist von Folk beeinflusst, ein bisschen von Reggae, ein wenig HipHop in den gesanglichen Phrasierungen, auch ein bisschen Jimi Hendrix, was die Akkordwechsel und Gitarrenarbeit angeht."

Mit dem Album "In Between Dreams" (Brushfire/UMG) hat der 30-Jährige ein Album veröffentlicht, das die Geschichte seines schon zum Kult gewordenen Debüts "Brushfire Fairytales" vor größerem Publikum fortzusetzen vermag. In den USA kommt seine entspannte Musik mit den mal nachdenklichen, mal witzigen Texten schon so gut an, dass live die größeren Hallen gebucht werden. Bei drei gerade absolvierten Auftritten in Deutschland nahm er die Club-Hürde. "Als Musiker will man, dass so viele Leute wie möglich deine Musik hören - solange man keine Kompromisse machen muss und noch immer die Platte aufnimmt, die man aufnehmen will."

Vom warmen Klima geprägt

Und das sind Lieder, die aus der traditionellen Musik Hawaiis mit "ihrem wirklich wunderschönen, aufs Wesentliche reduzierten Stil" schöpfen und viel von der auf der Insel beliebten Reggae-Rhythmik aufnehmen. Die aber auch vom "warmen Klima, dem Lebensstil draußen in der Natur, Surfen" geprägt sind, der Möglichkeit, "Musik im Freien zu spielen, im Vorgarten, weil es drinnen zu heiß ist".

Das alles ergibt eine eigenartige Mischung, auf die keines der üblichen Genre-Etiketten passen will. "Ich würde es Barbeque-Musik nennen, wenn's denn sein muss", sagt der zunächst ganz auf das Filmemachen konzentrierte Künstler. "Weil sie gut bei kleinen Zusammenkünften funktioniert, beim Grillen, bei einem Familienfest." Und weil sie genau in dieser Umgebung entstanden ist: "Als ich angefangen habe, für meine Surf-Filme zu reisen, hatte ich immer eine Gitarre auf dem Boot. Wenn wir irgendwo gezeltet haben, habe ich halt Gitarre gespielt und Songs geschrieben. Ich hatte nie einen Verstärker dabei. Ich ging eher diesen Weg als den zum Rock. Es liegt mir also eher im Blut, so zu spielen."

Liebeslieder auf Hawaii

Zwei Beispiele für Johnsons immer hintergründigen, aber je nach Thema witzigen oder nachdenklichen Stil sind "Banana Pancakes" und "If I Could". "Banana Pancakes" ist ein typisch männlicher Versuch, die Geliebte an einem verregneten Morgen von der gewöhnlichen Idee abzubringen, die Alltagsgeschäfte aufnehmen zu wollen. "But just maybe, hala ukulele, Mama made a baby, I really don’t mind the practice" säuselt der Sänger - und erklärt: "Es ist lustig, wie manche Lieder einfach damit anfangen, dass man sich und sie überhaupt nicht ernst nimmt. Und das werden dann die Lieblingslieder sowohl von einem selbst als auch von vielen Leuten. Dieser Song war nie für das Album vorgesehen - einfach nur ein Scherz oder eine Idee beim Gitarrenspielen. Ist schon interessant, was sich in ein Lied entwickelt und was jahrelang als Idee im Raum abhängt."

Gedenken an den toten Freund

"If I Could" bringt Gefühle über Leben - die Geburt und Tod - in zwei Strophen zusammen. "Ich habe da zwei Erfahrungen verarbeitet. Auf den 'Brushfire Fairytales' war das Lied 'Mudfootball', das Moe Lerner gewidmet war. Er war mein bester Freund, und diese Platte entstand, als er an Krebs starb. Ich fing damals ein Lied darüber an, beendete es aber nie. Egal, Moe rief damals alle seine Freunde an und sagte ihnen, dass er noch zwei Wochen zu leben habe. Aber er wolle allen sagen, dass sie nicht traurig sein sollten; er habe noch sein neugeborenes Enkelkind gesehen und er könne nicht glücklicher gehen, nachdem er dieses neue Leben habe treffen dürfen. Ich fand es nett, dass er seinen Freunden den Abschied so leichter machen wollte. Ein paar Jahre später starb meine Großmutter. Als sie an den Punkt kam, wo sie kaum noch mit jemand sprechen konnte, war es so, dass sie immer erstrahlte, wenn meine Brüder und die Kinder zu ihr kamen. Man hat gesehen, das ihr das alles bedeutete. Diese beiden Erfahrungen haben das Lied geformt."

Manchmal sei es schwer, über derart persönliche Dinge zu schreiben. Aber es sei zugleich etwas Allgemeines: Jeder müsse die Erfahrung machen, dass ein geliebter Mensch stirbt. "Jeder hat ein persönliches Erlebnis in dieser allgemeinen Erfahrung." Und oft seien es Künstler, die dies für andere ausdrücken könnten. "Ich denke, ich habe in meinen Texten manche Dinge auf den Kopf getroffen, mit denen sich Menschen beschäftigen."

Eigentlich begann Johnson eine Karriere als Surf-Filmer. Das es anders kam, liegt vor allem an Ben Harper. Harper spielte auf der ersten Johnson-CD mit und nahm das Talent dann mit auf seine US-Tournee. "Ich habe immer gedacht, ich mache diese eine Tour mit Ben Harper und gehe dann zurück, Surf-Filme zu drehen. Ich hatte nichts erwartet, bin aber glücklich, dass es weiter geht."

Uwe Käding/AP AP

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