HOME

Jan Ullrich: Warten auf den Freispruch

Alle warten aufs Christkind, Jan Ullrich auf seine Lizenz. Aber noch dauern die Ermittlungen in der Schweiz gegen ihn an. Unklar ist, ob Akten-Funde der spanischen Polizei im Fall des Doping-Hexers Fuentes gegen Ullrich verwendet werden dürfen.

Die Ermittlungen in der Schweiz gegen Radprofi Jan Ullrich wegen dessen möglicher Verstrickung in die Doping-Affäre um den spanischen Mediziner Eufemiano Fuentes gehen weiter. Dies bestätigte am Donnerstag Bernhard Welten, Mitglied der Fachkommission für Dopingbekämpfung beim Nationalen Olympischen Komitee der Schweiz. "Ich werde so oder so das Dossier an die Disziplinarkammer von Swiss Olympic weiterleiten. Mein Antrag kann Freispruch oder lebenslange Sperre lauten. In welche Richtung es geht, dazu gebe ich keine Auskunft", sagte Welten, der den Fall bearbeitet.

Er widersprach damit Lorenz Schläfli, Geschäftsführer von Swiss Cycling, der in der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" (Donnerstag- Ausgabe) die Einstellung des Verfahrens angekündigt hatte. "Diese Aussage ist völlig falsch und ein Missverständnis. Das habe ich mit Herrn Schläfli bereits geklärt. Ich bin für den Fall zuständig. Es gibt keine Veränderungen an der Sachlage." Bei Dopingfällen sei in der Schweiz die Fachkommission Dopingbekämpfung zuständig, die dann ihre Empfehlung gebe. Swiss Cycling sei der Ansprechpartner für den Internationalen Radsportverband UCI, "aber nicht federführend" bei der Bearbeitung des Falls Ullrich.

Rechtliche Verwirrungen

Wie Welten betonte, wartet er auf weitere Unterlagen aus Spanien und Deutschland und hofft, sie bis Mitte Januar zu erhalten. Von einer Einstellung der Ermittlungen könne keine Rede sein. Das Mitglied der Fachkommission für Dopingbekämpfung bei Swiss Olympic hatte bereits vor einigen Wochen bekräftigt, dass die Auflage des Gerichts in Madrid, wonach die Untersuchungsergebnisse zunächst nicht verwertet werden dürfen, aus Schweizer Sicht nur für das Strafrecht gelten. "Wir befinden uns im Privatrecht."

Der 33-jährige Ullrich untersteht dem Schweizer Sportgericht, weil er seinen Wohnsitz in der Schweiz hat und auch mit Schweizer Lizenz fuhr. Obwohl er inzwischen mit der Rückgabe seiner Profilizenz aus Swiss Cycling ausgetreten ist, habe sich daran nach Ansicht der Fachkommission Dopingbekämpfung und der UCI nichts geändert.

Keine Konsequenzen

Ullrich wird verdächtigt, zu den Kunden des spanischen Fuentes- Dopingrings gehört zu haben. Zuletzt hatte das spanische Magazin "Interviú" behauptet, Ullrich habe Fuentes in diesem Jahr 70 000 Euro für dessen Dienste bezahlt. Sein Verfahren ist das einzige noch offene im Zusammenhang mit der "Operacion Puerto", die den größten Dopingskandal der Radsport-Geschichte aufdeckte. Konsequenzen für die verdächtigten Sportler gab es bisher keine. Das Verfahren gegen Giro- Sieger Ivan Basso war in Italien mangels verwertbarer Beweise im Oktober eingestellt worden.

Zusammen mit weiteren Profis war Ullrich von T-Mobile einen Tag vor Beginn der diesjährigen Tour de France suspendiert und kurz danach entlassen worden. Seitdem sucht sein Manager Wolfgang Strohband nach einem neuen Team. "Wir sind in Verhandlungen mit einigen ProTour-Teams", sagte er am Donnerstag der "Netzeitung". "Welches Team es wird und mit welchem Programm, wissen wir noch nicht. Es kann ja auch ein Team sein, das sich zum Beispiel auf den Giro d’Italia konzentriert", fügte er hinzu.

DPA

Wissenscommunity