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Vor Handball-WM in Doha: Wie sich Katar den Weltsport erkauft

Die Handball-WM in Doha startet. Sie ist der Auftakt zu einem Jahrzehnt voller Sport-Großereignisse in Katar. Das Emirat reißt systematisch den Weltsport an sich - für ein großes Ziel.

Von Felix Haas

Die Multifunktionshalle in Lusail vor den Toren Dohas ist einer der neuen Sporttempel für die Handball-WM. Das Turnier Auftakt zu wahren Katar-Sport-Festspielen.

Die Multifunktionshalle in Lusail vor den Toren Dohas ist einer der neuen Sporttempel für die Handball-WM. Das Turnier Auftakt zu wahren Katar-Sport-Festspielen.

Als im vergangenen Jahr die vier besten europäischen Teams das Handball-Champions-League-Finale austrugen, feierten 20.000 Fans bei grandioser Stimmung ein ganzes Wochenende lang in der Kölner Lanxess Arena. Nur wenige Monate später lief Europas Champion Flensburg-Handewitt im Super Globe - einer Art Handball-Weltpokal - in Doha auf. Die durchschnittliche Anzahl der Zuschauer bei dem Event lag nicht einmal bei 3000 Fans. Und das, obwohl in Katar zahlreiche Freikarten verteilt wurden.

An diesem Donnerstag startet die Handball-WM in Doha. Der Super Globe sollte als eine Art Testlauf für die WM fungieren - und bei der Bewerbung hatte das Organisationskomitee noch vollmundig versprochen: "Kein Sitzplatz wird während der Weltmeisterschaft leer bleiben." Davon können Veranstalter und die teilnehmenden Teams vermutlich nur träumen. In den (natürlich) nagelneuen Arenen dürften - vor allem in der Vorrunde - einige Plätze frei bleiben.

Das Jahrzehnt der Katar-Festspiele beginnt

Trotz aller Kritik und allen Zweifeln an der Zuschauergunst ist die Handball-WM der Auftakt zu einem Jahrzehnt, das auch unter dem Namen "Katar-Festspiele" in die Sportgeschichte eingehen könnte.

Das Emirat wird in den kommenden Jahren den gesamten Weltsport zu Gast haben. Handball, Fußball, Leichtathletik, Radfahren, Turnen - all diese Sportarten tragen ihre Weltmeisterschaften in naher Zukunft in Katar aus. Der Tenniszirkus (Damen WTA-Finale + ATP-Turnier) ist sowieso schon jedes Jahr zu Gast. Die Formel 1 möchte natürlich auch in Doha unterkommen - am liebsten mit einem schicken Stadtkurs. Und es würde wohl kaum einen Sportfan wundern, wenn die Rallye Dakar demnächst zur Rallye Katar würde.

Wie Katar den Weltsport erkauft, zeigt das Beispiel der Leichtathletik-WM.

15.000 Besucher finden in der neuen "Lusail"-Multifunktionshalle Platz

15.000 Besucher finden in der neuen "Lusail"-Multifunktionshalle Platz

Wie Katar die Leichtathletik-WM erkaufte

Längst hat Katar es geschafft, die Mitbewerber chancenlos zurückzulassen. Das Emirat wedelt einfach so lange mit Geld, bis der zuständige Sportverband gar nicht mehr darum herum kommt, das Turnier nach Katar zu geben. Als Doha sich im vergangenen Jahr um die Austragung der Leichtathletik-WM bemühte, beschränkte sich die Stadt nicht auf die übliche millionenschwere Werbekampagne.

Doha legte im Council des Weltverbandes ein unschlagbares Angebot obendrauf: 30 Millionen US-Dollar Sponsoring-Unterstützung inklusive des Versprechens, Entwicklungsländer beim Bau neuer Tartanbahnen zu unterstützen - und so den Leichtathletik-Sport weltweit zu fördern. Welches stimmberechtigte Mitglied würde so etwas ablehnen? Natürlich bekam Doha den Zuschlag.

"Ich denke nicht daran, da hinzufahren."

Die Mitbewerber sind empört. Die spanische Bewerbung von Barcelona wurde nahezu ignoriert, Leichtathletik-Boss Jose Maria Odrozola war außer sich vor Wut, "Das einzige, was die haben, ist Geld" schimpfte er, "Ich bin verärgert und denke nicht daran, da hinzufahren."

In Katar kümmert das niemanden. Das Emirat verbreitet das Bild, alles würde professionell organisiert, alles werde verlässlich und fair konstruiert. Neue Arenen schießen aus dem Boden. Für die Handball-WM erbauten Arbeiter in Doha drei neue Multifunktions-Hallen - für geschätzte 228 Millionen Euro. Kritische Stimmen werden ignoriert, die britische Zeitung "Guardian" hatte vor Weihnachten berichtet, auf den Baustellen zur Fußball-WM käme alle zwei Tage ein Arbeiter zu Tode.

Die pompöse Skyline von Doha

Die pompöse Skyline von Doha

Ein großes Ziel hat Katar noch

Diese Zahlen sind schwer zu überprüfen. Klar ist allerdings, dass die Arbeitsbedingungen bei zum Teil zehn- oder zwölfstündigen Schichten bei 40 Grad Celsius im Schatten nicht mit den Maßstäben europäischer Arbeitsethik zu vereinbaren sind. Damit hierzulande dennoch die guten Absichten in die Welt getragen werden, dürfen Prominente Partei eingreifen. "Ich habe hier noch keine Sklaven gesehen", verkündete Franz Beckenbauer nach seinem Besuch im Emirat.

Bei der Handball-WM steht für Katar einiges auf dem Spiel. Schlechte Berichterstattung kann und will sich das Emirat nicht leisten. Denn eine große Sportveranstaltung fehlt noch in der Sammlung des Emirs Hamad bin Chalifa Al Thani: Er wünscht sich, dass Katar in naher Zukunft die Olympischen Spiele ausrichtet.

Guardiola kündigt Kommen an

Dafür ist es sicher nicht von Nachteil, die Probe "Handball-WM" zu bestehen. Der Emir wäre sicherlich beruhigter, wenn die Arenen voll werden. Zum Glück hat Katar auch dafür prominente Zugpferde. Pep Guardiola weilt gerade mit seinem FC Bayern in Doha zum Trainingslager. Der Star-Trainer hat sein Kommen zum Eröffnungsspiel schon angekündigt. Es bleibt abzuwarten, ob ihm viele Katarer folgen.

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