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Korruptionsaffäre: Mohren folgt Emig in die Arbeitslosigkeit

In der Korruptionsaffäre um die Sportchefs des Hessischen und des Mitteldeutschen Rundfunks hat nun auch letzterer Konsequenzen gezogen: Wilfried Mohren wurde entlassen.

Der unter Korruptionsverdacht stehende Fernseh-Sportchef des Mitteldeutsche Rundfunks, Wilfried Mohren, ist am Donnerstag fristlos entlassen worden. Der MDR in Leipzig teilte mit, man könne nach dem Studium der von der Staatsanwaltschaft Dresden vorgelegten Unterlagen sicher davon ausgehen, dass Mohren aus einem vom MDR nicht genehmigten Vertrag mehr als 100.000 Euro Einnahmen erzielt habe. Bei der Haftprüfung im Fall des ebenfalls unter Korruptionsverdachts stehenden Ex-HR-Sportchefs Jürgen Emig gab es zunächst keine Entscheidung.

Die Haftprüfung fand am Donnerstag am Amtsgericht Frankfurt am Main statt, der zuständige Richter wollte seine Entscheidung aber erst am Freitag oder Montag bekannt geben. Emig hatte mit seinem Anwalt einen Antrag auf Aufhebung des Haftbefehls oder dessen Außervollzugsetzung gestellt. Die Staatsanwaltschaft beantragte, Haftfortdauer anzuordnen und den Haftbefehl um weitere Vorwürfe zu erweitern. Emig, der ein Teilgeständnis abgelegt hat, sitzt im Untersuchungsgefängnis in Weiterstadt. Er soll mit seinem Geschäftspartner von Sportveranstaltern Geld als Gegenleistung für die Fernsehberichterstattung des öffentlich-rechtlichen Senders angenommen haben.

"Erdrückende Beweise" gegen Mohren

MDR-Intendant Udo Reiter sagte zum Fall Mohren: "Die zusammengetragenen Beweismittel und Aussagen sind erdrückend." Mohren sei untragbar geworden. Mohren sitzt seit Mitte vergangener Woche in Untersuchungshaft. Gegen ihn läuft ein Ermittlungsverfahren wegen Bestechlichkeit in besonders schwerem Fall. Er soll von 1997 bis 2005 rund 150.000 Euro von Firmen als Gegenleistung für die Ausstrahlung bestimmter Sportsendungen kassiert haben. Außerdem soll der Ex-Fernsehsportchef der Dreiländeranstalt bei Ausschreibungen von Aufträgen Firmen über die Angebote von Mitbewerbern informiert haben, so dass diese Wettbewerbsvorteile erhalten konnten.

Reiter sagte, die intern bereits angelaufenen Untersuchungen sollten verschärft werden. Dazu habe man Wirtschaftsprüfer aus Frankfurt angefordert, die Spezialisten für Wirtschaftskriminalität seien. Man wolle einen von externen Fachleuten erstellten Bericht, der detaillierte Informationen über die Vorgänge liefere. Zudem wolle man mögliche Schwachstellen analysieren, um Empfehlungen für Dienstvorschriften erarbeiten zu können. "Und wir brauchen einen gerichtsverwertbaren Report, um Schadenersatzansprüche geltend zu machen", sagte Reiter.

MDR-Intendant: "Massiver Schaden"

Der MDR-Intendant betonte, die in den letzten Wochen bekannt gewordenen Schleichwerbungs- und Korruptionsfälle hätten den öffentlich-rechtlichen Sendern massiv geschadet. Er warnte jedoch davor, den öffentlich-rechtlichen Rundfunk jetzt insgesamt in Frage zu stellen. Kritik und Selbstkritik seien angebracht, man erlebe aber derzeit auch, dass undifferenziert und populistisch auf die ARD eingeprügelt werde. "Vor allem, wenn die Kritik von unseren Mitbewerbern kommt, ist viel Heuchelei erkennbar", sagte Reiter.

Nach Angaben des MDR werden derzeit alle bereits abgedrehten, aber noch nicht ausgestrahlten Folgen der von ihm verantworteten ARD-Erfolgsserie "In aller Freundschaft" auf mögliche Schleichwerbung überprüft. Weitere MDR-Produktionen wie der "Tatort" oder der "Polizeiruf 110" würden ebenfalls untersucht.

AP / AP

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