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Ex-Profi-Radsportler: Was macht eigentlich ... Linus Gerdemann?

Der Münsteraner Linus Gerdemann gewann bei der Tour de France 2007 eine Etappe und galt als neues Gesicht des deutschen Radsports.

Von Ulrike von Bülow

Linus Gerdemann: Was macht der Ex-Profi-Radsportler inzwischen?

Linus Gerdemann, 35, beim Wandern auf Mallorca, wo er mit seiner Lebensgefährtin und deren zwei Kindern lebt

Die kräftigen Oberschenkel sind geblieben. Sitzen Sie noch viel auf dem Fahrrad?

Nicht mehr allzu viel. Ich hatte ziemliche Hüftprobleme, habe nach einer Operation jetzt aber wieder mehr Spaß am Radfahren, weil's ohne Schmerzen geht.

Sie leben in Deià, in den Bergen auf Mallorca, wo Sie früher optimale Trainingsbedingungen hatten. Heute führen Sie hier ein Restaurant, das Nama.

Ich fand Gastronomie immer schon spannend, und Immobilien auch. Irgendwann stand das Restaurant zum Verkauf, und da haben wir uns gedacht: Da kann man was Interessantes draus machen. Meine Freundin hat singhalesische Wurzeln, und in Deià hat ein asiatisches Restaurant gefehlt, also haben wir eins aufgemacht.

Sie sind 2006 und 2007 für das Team T-Mobile gefahren, das damals mit Doping-Vorwürfen gegen seine ehemaligen Fahrer kämpfte; Erik Zabel oder Rolf Aldag. Wie war die Stimmung dort?

Na ja, ab 2007 gab es ein neues Management, da wurde ein Paradigmenwechsel eingeläutet. Es kamen jüngere Fahrer …

… ein sauberer Neuanfang?

Ja. Natürlich hatten die noch Altlasten an Bord, aber ich glaube, dass das sicher die Zielsetzung der neuen Teamführung war.

Es wurde streng darauf geachtet, dass die Fahrer nur Bananen zu sich nahmen?

Strengstens! Wir hatten Blutvolumen-Messungen und sonst was; es wurde viel kontrolliert.

Am 14. Juli 2007 gewannen Sie die siebte Etappe der Tour de France, konnten sich das Gelbe Trikot überziehen, waren Gesamtführender. Ihr schönster Moment als Profi?

Das war natürlich der bedeutendste. Das war meine erste Tour, und dann war da die siebte Etappe, die erste Bergetappe, wo die Anspannung bei den Teams immens hoch ist. Und dann gelang einfach alles: der Etappensieg, ich wurde bester Nachwuchsfahrer, aggressivster Fahrer. Ich habe mich an dem Tag aber auch unglaublich verausgabt. So wie nie zuvor – und ich glaube auch danach nie wieder. (lacht)

Sie galten damals als das neue Gesicht des deutschen Radsports. Weil Sie immer gesagt haben: Ich dope nicht.

Ich wusste, dass wir skeptisch beäugt wurden, und fand es deshalb wichtig, mich zu erklären. Aber es war auch ein Kampf gegen Windmühlen mit den deutschen Medien. Du wurdest angegangen, wenn du nicht erfolgreich gefahren bist. Und wenn du gewonnen hast, hat jeder gefragt: Wie geht denn das? Das war oftmals frustrierend.

Kann man ungedopt die Tour de France gewinnen?

Ich habe sie nie gewonnen. Ich bin aber überzeugt: Man kann sie auch ungedopt gewinnen.

Halten Sie den Radsport heute für sauber?

Definitiv. Die Kontrolldichte ist so gestiegen, und selbst Teams, die das nicht so gut fanden, haben umdenken müssen. Früher wurde einfach weggeschaut, wie aktuell in anderen Sportarten immer noch weggeschaut wird. Aber wenn auf einer Schnellstraße nie geblitzt wird, fahren viele zu schnell. Werden da plötzlich fünf Blitzer aufgestellt, ändert sich etwas.

Mit Jan Ullrich lebt noch ein früherer Radprofi auf Mallorca. Haben Sie Kontakt, so unter Ehemaligen?

Ich bin anfangs bei T-Mobile mit ihm zusammen gefahren. Wir haben keinen regelmäßigen Kontakt, aber man sieht sich …

… an der Kreuzung, am Berg?

Nee, er war auch schon bei uns im Restaurant.

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