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Martin Kaymer: "Ryder Cup wäre ein dickes Ding"

Seinen ersten Sieg auf der European Tour hat Martin Kaymer sensationell Anfang des Jahres feiern können, aber Deutschlands größte Golf-Hoffnung will mehr. Nächste Woche schlägt der Langer-Nachfolger beim legendären Masters-Turnier in Augusta ab. Mit stern.de sprach Kaymer über Tiger Woods, Stadionatmosphäre beim Golf und den Ryder Cup.

Martin Kaymer, was wäre aus Ihnen geworden, wenn es nicht mit der Profikarriere geklappt hätte? Ich hätte auf jeden Fall etwas mit Sport im weiteren Sinne gemacht. Sportmanagement kann man ja mittlerweile studieren, das wäre was für mich.

Beschreiben Sie doch mal das Leben auf der Tour. Sie sind ja permanent auf Reisen und leben aus Koffern. Wie lässt sich das mit Ihrer Beziehung vereinbaren? Meine Freundin und ich bekommen das gut hin. Wir sind es gewohnt, eigene Wege zu gehen. Die Freude ist dann immer umso größer, wenn wir uns wiedersehen. Das Leben auf der Tour ist rasant, heute ist man hier, morgen ist man dort. Manchmal wache ich im Hotel auf und weiß nicht, wo ich gerade bin. Aber ich genieße das Reisen, auch wenn es sich komisch anhört. Ich sauge die ganzen Eindrücke auf, finde es toll, neue Kulturen kennenzulernen. Dazu gehört für mich auch, Zugang zu den Menschen in anderen Ländern zu bekommen.

Wie ist Ihr Verhältnis zu Tiger Woods?

Meine erste Begegnung werde ich nie vergessen: Nach meinem Sieg in Abu Dhabi traf ich Tiger in der Players Lounge beim Turnier in Dubai. Er sah mich, erhob sich aus seinem Stuhl, nahm seine Kappe ab und gratulierte mir zu meinem ersten Sieg auf der European Tour. So ist Tiger!

Was macht das Phänomen Tiger Woods aus?

Er ist ein Typ, er ist speziell, er ist echt. Und man sollte nie versuchen, ihn auf dem Platz zu imitieren. Tiger ist auch deshalb der beste Golfer der Welt, weil er zum richtigen Zeitpunkt den richtigen Schlag irgendwoher zaubert. Das kann kein anderer. Das fasziniert mich.

Wann haben Sie zuletzt mit Bernhard Langer gesprochen? Letzte Woche, wir tauschen uns regelmäßig aus. Bernhard hat ja einen unglaublichen Erfahrungsschatz, von dem ich profitieren kann. Deshalb haben wir uns auch für nächste Woche zum Golfen verabredet. Wir werden in Augusta eine Proberunde zusammen spielen. Da werde ich mir Tipps holen.

Sie liefern das Stichwort: Augusta. Bei dem Namen bekommt man als Golffan Gänsehaut. Was ist Ihr Ziel für das Masters, das in der nächsten Woche beginnt?

Ich fahre da nicht hin, um mal ein bisschen den Platz kennenzulernen. Ich will den Cut schaffen. Dann sieht man weiter. Fakt ist: Ich werde versuchen, zu attackieren.

Und die Ziele insgesamt für das Jahr 2008?

Ich will auf der European Tour mein 2. und wenn möglich 3. Turnier gewinnen!

Sie haben in der Jugend sehr erfolgreich für Fortuna Düsseldorf Fußball gespielt, sich dann aber letztlich für den Golfsport entschieden. Schlägt denn Ihr Herz weiter für die Fortuna?

Gar nicht - komischerweise. Ich habe die Bindung zum Fußball fast verloren. Wenn ich in Deutschland bin, versuche ich allerdings zum 1. FC Köln zu gehen. Da ist die Stimmung einmalig. Und trotzdem: Mein Leben ist Golf.

Wie sieht es denn mit der Nationalmannschaft aus? Immerhin steht da ja im Sommer was Kleines an... ?

Klar, die EM ist für mich Pflicht. Da verfolge ich natürlich die deutschen Spiele. Ich spiele ja während der EM die BMW International Open in München. Vielleicht lässt sich das mit einem Abstecher nach Österreich verbinden. Ich würde liebend gerne ein Spiel der Truppe live im Stadion verfolgen. Jogi Löw leistet richtig gute Arbeit, da geht was bei der EM.

Golf und Fußball, was die Atmosphäre betrifft, lässt sich das ganz schwer vergleichen. Es sei denn, man spielt als Golfer den Ryder Cup. Da kann es schon mal lauter werden auf den Rängen. Mögen Sie als Golfer die aufgepeitschte Stimmung beim Kontinentalvergleich zwischen den besten Golfern Europas und der USA, oder ist Ihnen das zu laut?

Ryder Cup ist Ryder Cup und jeder Golfer weiß, was da auf einen zukommt. Falls ich es dieses Jahr tatsächlich ins Team der Europäer schaffen sollte, wer das ein dickes Ding. Und dann würde ich mich natürlich auf die Stadionatmosphäre freuen, völlig klar.

Interview: Klaus Bellstedt

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