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Mehr Sport: Leichtathletik WM - Die deutschen Medaillenhoffnungen

Zwei Jahre sind seit der Leichtathletik-WM in Berlin vergangen. Mit neun Medaillen lieferte die DLV-Auswahl ein beachtliches Ergebnis ab und versuchte den Weg weg vom Erfolgsdenken und hin zum Mannschaftsgedanken zu schaffen. Wir haben im Vorfeld der WM in Südkorea einen Blick auf das neue Team geworfen.

Bei der Heim-WM in Berlin glänzte das DLV-Team mit neun Medaillen und zwei Jahre später soll das neu formierte und mit Talenten gespickte Team einen weiteren Schritt in Richtung Olympische Spiele 2012 in London machen. Wir schauen vor der WM in Südkorea auf das deutsche Team und nennen die Medaillen-Favoriten.

Die inzwischen nicht mehr in Amt und Würden stehenden DLV-Vizepräsident Leistungssport Eike Emrich und Sportdirektor Jürgen Mallow hatten vor Berlin versucht, aus einer Vielzahl von Athleten eine Mannschaft zu formen. So brachten sie all die Teilnehmer im Vorfeld zusammen, um den Mannschaftsgedanken im Bundesleistungszentrum zu Kienbaum zu formen - mit Erfolg.

Denn nach den schwachen Auftritten bei den Olympischen Spielen in Peking - Christina Obergföll holte Bronze im Speerwurf - musste ein Umdenken stattfinden und die neu gewonnene Lockerheit wirkte Wunder. "Es war eine unglaublich gute Idee, da ist was zusammengewachsen", erklärte Ariane Friedrich seinerzeit auf sueddeutsche.de.

Neuer Schwung für die Athleten

Der bloße Blick auf den Medaillenspiegel scheint auch nach dem Abgang von Emrich und Mallow nicht mehr im Mittelpunkt zu stehen. "Wir haben mit hohem Anspruch und perspektivischem Weitblick nominiert. Die Ergebnisse der vergangenen Wochen haben gezeigt, dass wir eine leistungsstarke DLV-Nationalmannschaft zur WM nach Daegu senden", erklärte DLV-Sportdirektor Thomas Kurschilgen.

"Wir wollten neuen Schwung in die deutsche Leichtathletik bringen. Das ist gelungen", hatte DLV-Präsident Clemens Prokop nach 2009 erklärt und neben den alten Hasen gibt es eine durchaus hoffnungsvolle nachfolgende Generation, die sich die eine oder andere Medaille einheimsen könnte. Wir wagen den Blick in die Kristallkugel und geben nun einen Überblick über die Medaillen-Kandidaten.

Betty Heidler
Die 27-Jährige ist eine sichere Bank, wenn es um Medaillen geht - mal abgesehen von den bislang erfolglos verlaufenen Olympischen Spielen. Die dürfen aber im Hinblick darauf, dass es sich um eine Weltmeisterschaft handelt, vernachlässigt werden. Heidler schwingt den Hammer souveräner als Tim Taylor es jemals erreichen wird und ist amtierende Europameisterin, Vize-Weltmeisterin und Weltrekordlerin. Am 21. Mai diesen Jahres bugsierte sie beim Meeting in Halle das Wurfgerät auf unglaubliche 79,42 Metern und verbesserte den Rekord der Polin Anita Wlodarczyk um 1,12 Meter.

Robert Harting
Der Modellathlet und Diskuswerfer ist eine eigenwillige Persönlichkeit, die sich nicht in eine Schublade stecken lässt. Gerade die Heim-WM 2009 in Berlin wurde zu seiner Bühne und das Publikum wusste nicht, ob es frenetisch applaudieren oder ihn mit Schmährufen von selbiger jagen sollte. Harting holte sich die Goldmedaille und schaffte es, dass im Deutschen Haus - nach Aussage von Ariane Friedrich - der Bär gesteppt habe.

Doch dann gab es auch den Harting, der bei einer Aktion von Doping Opfern der DDR, die zuvor Pappbrillen verteilt hatten, um auf zu harmlose Anti-Doping-Politik aufmerksam zu machen, meinte: "Wenn der Diskus aufkommt, soll er gleich gegen die Brillen springen, damit die wirklich nichts mehr sehen." Auf bz-berlin.de erklärte dann später: "Ich bin eben kein Sesselpupser und wenn mich jemand angreift, wehre ich mich, da explodiere ich auch mal." Rein sportlich kann es für den Titelverteidiger aber nur das Ziel sein, die Goldmedaille zu verteidigen. Und da stehen die Chancen nicht schlecht.

Christina Obergföll
Die mehrfache Deutsche Meisterin im Speerwurf gehört schon - und das soll nicht respektlos erscheinen - zum älteren Eisen. Mit ihren 30 Lenzen verfügt sie natürlich über viel Routine, hat allerdings in ihrem Portfolio nur die Silver-Card als Abonnement gebucht, sicherte sich damit bei den Weltmeisterschaften 2005 und 2007 sowie der EM 2010 in Barcelona jeweils zweite Plätze.

Der klare Hinweis auf den Status einer Top-Favoritin fehlt dabei, doch im Jahr 2011 bewies sie bei vier Erfolgen in der Diamond League ihre gute Form, steht schon vor den abschließenden Wettkämpfen als Siegerin fest und warf zudem bei den deutschen Meisterschaften in Kassel 68,86 Meter - Platz zwei in der Weltjahresbesten-Liste. Mit Linda Stahl sitzt ihr allerdings die amtierende Europameisterin im Nacken, die nur aufgrund ihrer noch ausbaufähigen Erfahrung noch nicht als Top-Favoritin gilt.

Silke Spiegelburg
Bei den Junioren hat die 24-Jährige schon Goldmedaillen bei Europa- und Weltmeisterschaften gewonnen und bei einem Meeting in der schönen Westfalenmetropole Münster klaute sie Yelena Isinbayeva sogar den Junioren-Weltrekord. Beste Voraussetzungen also, um irgendwann auch im Konzert der Großen das oberste Treppchen zu besteigen. In den letzten drei Jahren reichte es für die Stabhochspringerin zu Silber-Ehren bei den Europameisterschaften im Freien und in der Halle. Dennoch scheint die Zeit als Führende in der Diamond League reif für den ganz großen Coup. Konkurrenz kommt dabei auch aus dem eigenen Lager. Martina Strutz steigerte den Deutschen Rekord in dieser Saison überraschend auf 4,78 Meter. Beide müssen jedoch damit leben, dass Überfliegerin Isinbayeva in diesem Jahr ein Comeback gefeiert hat und natürlich Topfavoritin ist. 

Nadine Müller
Ebenfalls eine junge Wilde ist Nadine Müller. In ihrer Gegenwart sollte man sich ob ihrer 1,93 Meter Körpergröße und Spannweite von 2,07 Metern vielleicht etwas zurückhalten. Große Erfolge hat die 25-Jährige zwar noch nicht vorzuweisen, doch arbeitet sie stetig daran, den Diskus in immer weitere Entfernungen zu feuern. Momentan liegt ihre Bestweite bei 67,78 Metern, und wenn sie nur ansatzweise ihre Möglichkeiten abrufen kann, steht einer Besteigung des Treppchens nichts im Wege. Ein gutes Omen mag dabei eins ihrer Hobbys sein: Bergsteigen.

Malte Mohr
Der geballten Frauenpower stellt sich mit Malte Mohr eine Art Überflieger entgegen. Und da Sergey Bubka nicht mehr aktiv mit dem Stab hantiert, darf sich der 25-Jährige durchaus Chancen auf den WM-Titel ausrechnen. Bei der Hallen-Weltmeisterschaft in Doha musste er nur Steven Hooker den Vortritt lassen. Zwar stellte der Franzose Renaud Lavillenie in Monaco mit 5,90 Metern eine Jahresbestweite auf, doch die ist Mohr auch schon gesprungen. Beim Vier-Länder-Kampf vor dem Brandenburger Tor war er zudem der Matchwinner für die Deutschen, übersprang 5,81 Meter. "Ich bin mir ziemlich sicher, dass ich auch in Daegu noch einen draufpacken kann, und dann werde ich definitiv um die Goldmedaille mitspringen", sagt Mohr selbstbewusst.

Jennifer Oeser
Es müsste schon mit dem Teufel zugehen, wenn Oeser nach ihrem fulminanten Wettkampf in Berlin 2009 nicht erneut für eine Medaille gut wäre. Vor zwei Jahren machte die Siebenkämpferin auf sich aufmerksam, als sie im abschließenden 800 Meter-Rennen stürzte, sich aber aufrappelte und noch zu Silber lief. Bei der EM in Barcelona verbesserte sie sich nochmals um 200 Punkte und liegt aktuell mit 6663 Punkten auf Rang drei der Bestenliste 2011.

Neben den fast als sicher - wenn es das überhaupt gibt - anzusehenden Medaillen-Kandidaten verfügt der DLV über eine Vielzahl von Athleten, die sich berechtigte Hoffnungen auf einen Podestplatz machen dürfen. Alleine bei den Weitspringern hat der DLV mit Sebastian Bayer, Christian Reif und Geheimwaffe Sostene Moguenara drei heiße Eisen in der Grube.

Und auch in den Wurfdisziplinen sind die Deutschen traditionell eine Bank. Neben Betty Heidler, Christina Obergföll, Robert Harting und Nadine Müller sind auch Kathrin Klaas, Markus Esser (Hammer), David Storl, Ralf Bartels (Kugel) und Matthias de Zordo (Speer) nicht aus den Augen zu verlieren. Komplettiert wird das illustre Feld nach unserer Meinung durch Hochspringer Raul Spank, der in Ostrava immerhin 2,32 übersprang sowie Zehnkämpfer Pascal Behrenbruch und dem Küken im Feld der Athleten, Gesa Felicitas Krause, die über die 3000 Meter Hindernis antreten wird.

Gunnar Beuth

sportal.de / sportal

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