HOME

Mick Schumacher in der Formel 4: Papas Schnellster

Erster Sieg in einem Formel-4-Rennen: Am Wochenende zeigte der junge Mick zum ersten Mal auf dem Rennparcours, wie viel Schumacher in ihm steckt.

Von Stephan Draf, Oschersleben

Zweites Rennen, erster Sieg: Mick Schumacher startet in der Formel 4 durch

Zweites Rennen, erster Sieg: Mick Schumacher startet in der Formel 4 durch

Bei Rennveranstaltung in Oschersleben, einem Ort nahe Magdeburg, geht es, abgesehen vom Motorengeheul, normalerweise durchaus familiär zu: Die Boxengasse ist für alle Zuschauer geöffnet, man findet sie bei der "Schnitzel-Alm" links. Väter, Mütter, Kinder schlendern an den Rennwagen vorbei, bestaunen Motoren und Slicks, kein Gedränge, es ist ein gemächliches Vollgas-Vergnügen. Normalerweise. So einen Auflauf vor einem Zelt jedenfalls haben sie hier lange nicht gesehen. Schon gar nicht drei Tage lang. Alles wegen eines jungen Manns, der meist einen gelb-grünen Helm trägt, darauf sieben Sterne, eine Reminiszenz an die Weltmeistertitel seines Vaters.

Man wusste bislang fast nichts von ihm, Bilder gab es nur wenige. Deshalb heben sich die Handys der Schaulustigen vor dem Zelt des "Amerfoort Racing"-Teams, klicken die Kameras, jedes Mal wenn Mick Schumacher die Öffentlichkeit des Teamzelts betritt – und gleich wieder verlässt, in den Schutz des bereit stehenden Wohnmobils. Auf den Handys müsste sich das Bild eines 1,70 Meter blonden Jungen befinden, das Gesicht eine Mischung der Eltern, das Lächeln scheu, der Kopf gesenkt.

Es wird Mick Schumacher und seiner Familie klar gewesen sein, dass der Einstieg des 16-Jährigen in die Formel 4, der A-Jugend der Formel 1, gleichzeitig das Ende einer vertrauten Anonymität bedeutet – dass nun die Familie Micks Bilder nicht mehr verpixeln lassen kann, so wie längste Zeit seiner Kindheit und Jugend. "So wie wir es halten", hatte Michael Schumacher einmal gesagt, "kann meine Frau mit den beiden Kindern überall hingehen oder verreisen – und wird nicht erkannt. Und wir wollen, dass so bleibt."

Es gleicht einer Entpuppung

Im Kart drehte Mick seine Runden noch unter dem Mädchennamen seiner Mutter, in Oschersleben tritt er als Schumacher an, es gleicht einer Entpuppung. Es ist eine Gratwanderung.

Sein Team versucht ihn noch zu schützen: Sabine Kehm, die Sprecherin und Vertraute der Familie Schumacher, steht tapfer vor der Absperrung, die Rennwagen von Schlachtenbummlern trennt: Nein, der Mick gebe keine Interviews. Und, nein, auch keine Autogramme, und, nein, sie selbst gebe auch keine. Man solle dem Jungen doch Zeit lassen, ja, er habe durchaus Talent, aber ob es reiche für die Formel 1, für Siege und Titel, "dass weiß doch jetzt noch niemand. Das ist hier etwas anderes als Kartfahren."

An der Spitze des Feldes: Mick Schumacher gewinnt das Formel-4-Rennen in Oschersleben

An der Spitze des Feldes: Mick Schumacher gewinnt das Formel-4-Rennen in Oschersleben

Frits an Amersfort, Micks Teamchef, gibt immerhin an, dass Mick sich mit seinen Teamkameraden gut verstehe, er spreche ein gutes Englisch, das helfe. Manchmal kann man die drei zwischen den Reifenstapeln sehen, einen Deutschen, einen Australier, einen Engländer: in heruntergerollten Rennoveralls, wie die Alten. Sehnige Köper, die Sixpacks altersgemäß, der Bartwuchs ebenfalls. Schnelle Jungs.

Stolz und ausgelassen nach dem ersten Sieg

Es kommt dem Team Schumacher an diesem Wochenende zupass, dass Mick Schumacher viel im Rennwagen sitzen kann, bei Tempo 210: gleich drei Rennen, dazu Freies Training sowie das Qualifying. Im Training bleibt er im Mittelfeld, im ersten Rennen holt er zehn Plätze auf, im zweiten neun, er fährt kühl, kalkuliert, hält sich aus Scharmützeln heraus. Wenn er zum Überholen ansetzt, zieht er auch vorbei. Im dritten Rennen darf er aus der ersten Startreihe starten, und verteidigt die Führung souverän bis ins Ziel. Als Mick Schumacher den Siegerpokal in die Höhe stemmt, sieht er enorm stolz aus. Beim Sektspritzen lacht er. Ausgelassen. "Unglaublich", sagt er zum Rennsprecher, "mein erstes Rennen."

Eine Stunde später steht im Internet die erste Schlagzeile: "Ganz der Papa". Diese Bürde wird Mick Schumacher bleiben, trotz aller Erfolge in der Zukunft.

Und auch diese: Sonntag Spätnachmittag, wieder Ruhe, beim Team Amersfoort wird zusammengepackt, da schlendert ein Vater mit drei kleinen Kindern am Team-Zelt vorbei. Die Kids tragen Rennfahrermützen mit den Namen Nico Rosberg, Sebastian Vettel, Lewis Hamilton. Der Vater zeigt auf das Schild, das hinter dem Wagen mit der Nummer 25 hängt, "Mick Schumacher" steht darauf. "Das ist der Sohn vom Michael", sagt der Vater. "Das ist der", kräht der Kleinste, "der so schlimm hingefallen ist, oder, Papa?" – "Der so schlimm hingefallen ist", antwortet der Vater, "ja, genau."

Wissenscommunity