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Nach Veröffentlichung der Doping-Studie Leichtathletik-Verband fordert Anti-Doping-Gesetz


Nach der Veröffentlichung der Doping-Studie untersucht eine Kommission den Bericht, um Lehren aus der Vergangenheit zu ziehen. Deutlich weiter gehen Forderungen nach harten Strafen für Doping-Sünder.

Die Enthüllungen über weitreichende Dopingpraktiken in der Bundesrepublik halten den deutschen Sport weiter in Atem. Der Deutsche Olympische Sportbund hat bereits Maßnahmen ergriffen. "Wir haben eine unabhängige Kommission eingesetzt und den Vorsitzenden benannt, das ist der ehemalige Bundesverfassungsrichter Udo Steiner", sagte DOSB-Präsident Thomas Bach im "heute-journal" des ZDF. Steiner werde den Bericht der Berliner Humboldt-Universität evaluieren und dem DOSB-Präsidium Empfehlungen "geben für den Umgang damit und auch für Lehren für die Zukunft".

Bach begrüßte die nun stattfindende öffentliche und wissenschaftliche Diskussion über die Doping-Vergangenheit der Bundesrepublik. "Das ist das, was wir wollten. Wir wollten Klarheit und Offenheit. Und jetzt kann man sich mit größtmöglicher Transparenz mit diesen Ergebnissen auseinandersetzen."

Der Doping-Experte Werner Franke fordert bereits eine strafrechtliche Aufklärung des westdeutschen Dopingprogramms. Wie schon bei den Prozessen gegen Verantwortliche in der DDR müssten auch die Hintermänner in Westdeutschland wegen Körperverletzung vor Gericht gestellt werden. "Wieso wurde etwas bestraft bei DDR-Tätern, aber nicht bei west- oder gesamtdeutschen Tätern?", sagte der Heidelberger Molekularbiologe am Dienstag im Nordwestradio.

Kaum Unterschiede zwischen West und Ost

In jedem Fall hat den deutschen Sport mit der neuen Doping-Diskussion die Vergangenheit den deutschen Sport eingeholt. Für den ehemaligen Sportausschussvorsitzenden Peter Danckert gibt es praktisch kaum mehr einen Unterschied zum DDR-Doping und dem staatlich geduldeten und von Steuergeldern finanzierten Doping in der Bundesrepublik, wie es in der Forschungsarbeit der Berliner Humboldt Universität beschrieben und analysiert wird. "Es gab in Ost und West flächendeckendes Doping", sagte SPD-Politiker Danckert auf der Internetseite der "Mitteldeutschen Zeitung". Er sehe Unterschiede nur noch in Nuancen, wurde Danckert zitiert.

Einer sei, dass Doping "im Osten staatlich angeordnet war und im Westen staatlich geduldet. Jetzt sind wir sogar noch einen Schritt weiter und müssen sagen, dass es im Westen mit Steuermitteln unterstützt worden ist". Erneut machte sich Danckert auch für entsprechende Gesetze gegen Dopingsünder stark, "damit dieser Betrug aufhört. Oder man darf sich nicht mehr als Dopingbekämpfer hinstellen".

Namen und Fakten auf den Tisch!

Auch Clemens Prokop hat sich bereits mehrfach für ein Anti-Doping-Gesetz ausgesprochen. Der Präsident des Deutschen Leichtathletik-Verbandes (DLV) will heute zusammen mit Bayerns Justizministerin Beate Merk Wege zur Bekämpfung des Dopings aufzeigen. Die gemeinsame Pressekonferenz im Münchner Justizpalast steht unter dem Motto: "Was jetzt zu tun ist!"

Prokop tritt für eine längere Verjährungfrist bei Doping-Vergehen ein. Es sei ein Unding, dass die Verjährungsfrist nur acht Jahre betrage, sagte Prokop am Dienstag im Bayerischen Rundfunk. "Eine der Forderungen muss sein: Wir müssen diese kurze Frist von acht Jahren deutlich verlängern." Betrüger könnten sich dann nie sicher sein, dass ihre zweifelhaften Erfolge Bestand haben. "Was mich erschreckt hat, dass sich tatsächlich ein erhebliches Ausmaß des Dopings in Westdeutschland abzeichnet", sagte er. Auch Hinweise, dass bereits in den 40er-Jahren in Leichtathletik, Fußball und Rudern gedopt worden sein soll, haben den DLV-Chef schockiert.

Ines Geipel, die Vorsitzende des Dopingopfer Hilfevereins DOH, nannte weitere Fragen. "Wenn so viele Leute involviert waren, stellt sich die Frage: Um welche Sportler und Funktionäre handelt es sich?", gab die Buchautorin zu bedenken und hinterfragte auch die Rolle des IOC-Präsidentschaftskandidaten Bach: "Inwieweit ist zum Beispiel auch Thomas Bach involviert? Wenn keine Namen genannt werden, bleibt alles anonym."

Innenminister Friedrich soll Antworten geben

Der DOSB-Chef, der im September Präsident des Internationalen Olympischen Komitees werden will, bekräftigte im ZDF, dass zu seiner aktiven Zeit als Sportler in der Olympiamannschaft 1976 "für uns in Fechterkreisen das Thema Doping kein Thema" gewesen sei. Wenn auch in der wissenschaftlichen Arbeit viele alte Erkenntnisse wiederholt werden, sind Politik und Sport aber gefordert zu zeigen, wie ernst sie es mit der Aufklärungsarbeit meinen.

Innenminister Hans-Peter Friedrich soll nach dem Willen der SPD bei der geplanten Sondersitzung des Sportausschusses des Deutschen Bundestages Rede und Antwort stehen. Auch der an der Studie beteiligte Wissenschaftler Giselher Spitzer, BISp-Direktor Jürgen Fischer und Bach sollen zur Sitzung eingeladen werden. Möglicherweise wollen die Parlamentarier schon am 29. August zusammenkommen, alternativ stehen der 2. oder 3. September als Termin im Raum.

swd/DPA DPA

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