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NFL: Any Given Wed...Friday - Verbalschläge gegen NFL-Boss

"Ich würde nicht auf ihn pinkeln, wenn er brennen würde und ich ihn löschen müsste", sagt Steelers-Linebacker James Harrison laut mensjournal.com über NFL-Commissioner Roger Goodell. Freunde für's Leben werden die Beiden sicher nicht mehr, aber vielleicht dürfen sie auf ein professionelles Arbeitsverhältnis ab dem 28. Juli hoffen.

James Harrison von den Pittsburgh Steelers ist auf dem Platz kein Kind von Traurigkeit - im letzten Jahr durfte der Linebacker einiges an Strafen aus seinem sicher tiefen Portemonnaie bezahlen. Steelers-Fans sind teilweise überzeugt, dass Harrison gerne mal als Sündenbock von der Liga genommen wurde, um härterer Spielweise vorzubeugen. Und zugegeben, so manches Mal schien es, dass die Liga aufgrund der Debatte über Gehirnerschütterungen Harrison als Exempel herausgesucht hatte.

Kein Wunder also, dass Harrison nicht der größte Freund von NFL-Commissioner Goodell ist. In einem Gespräch mit mensjournal.com trug er seine Zunge jedoch vielleicht etwas zu sehr auf dem Herzen: "Wenn er brennen würde, würde ich nicht auf ihn pinkeln, um ihn zu löschen", lautete eine auf Goodell gemünzte Aussage Harrisons, der den Liga-Boss auch noch als "Teufel" bezeichnete.

Das Spiel der Bürokratie

Harrisons etwas weiter ausholende Argumentation kann ich ein Stück weit nachvollziehen. Schließlich berichtete der Linebacker weiter, bei einem Gespräch im NFL-Ligahauptquartier mit Goodell und zwei weiteren Funktionären hätten diese ihm eventuell regelwidrige Tackles seiner vierjährigen Karriere gezeigt und dazu befragt. "Sie haben vielleicht zehn von insgesamt 4000 Spielzügen genommen und mich dann gefragt, was ich dabei gedacht habe", zitierte mensjournal.com Harrison.

Das ist ein sehr bürokratischer Ansatz - bei Sportfunktionären, die meist den Sport über den sie bestimmen, nicht selber ausgeführt haben, aber eine beliebte Vorgehensweise. Vielleicht sollten über solche Strafen Ex-Spieler urteilen und keine Bürokraten?

Wenn auch seine Wortwahl, sagen wir mal, sehr, sehr unglücklich war, ein Stück weit kann man Harrison also verstehen. Nur - wirklich intelligent wirkt es nicht unbedingt, sich auf diese Art und Weise über seinen obersten Boss zu äußern.

James, wir verzeihen Dir

Doch nicht nur der Commissioner, auch die Mitspieler Rashad Mendenhall, den er in der Printausgabe des Men Journal laut espn.com eine "Fumblemaschine" nannte, und Ben Roethlisberger bekamen ihr Fett weg. Der Quarterback habe sich bei seinen Interceptions im Super Bowl vor allem darauf verlassen, dass die Verteidigung die Kohlen aus dem Feuer holt. Außerdem folgte ein unschöner Seitenhieb auf Big Bens Gehalt: "Tu nicht so, als wärst Du Peyton Manning. Der bist Du nicht, Du wirst nur genauso gut bezahlt", gab Harrison via Mens Journal seinem Mitspieler seinen ungefragten Rat.

Roethlisberger und Mendenhall verziehen ihrem Linebacker jedoch umgehend, zumal dieser gegenüber espn.com behauptete, der Reporter des Mens Journal hätte seine übrigens im April gemachten Aussagen, doch stark aus dem Kontext gerissen. Ein wenig haben solche Aussagen was von dem berühmten gehackten Twitter-Account. Doch um des lieben Steeler-Friedens-Willen, glauben ihm Big Ben und Mendenhall einfach Mal.

Der Zusammenhalt bei den Steelers stimmt doch noch - ein weiteres Beispiel folgt nach der kurzen Streikunterbrechung am Ende der Kolumne.

Wird ja auch mal Zeit?!

Streichen Sie das Datum rot im Kalender an: Wenn es nach einem Bericht von espn.com ginge, nähme die NFL am 28. Juli den Betrieb wieder auf. Denn, so die Argumentation der ESPN-Experten Adam Schefter und Chris Mortensen, genau eine Woche zuvor fände eine Versammlung der Liga statt. Auf dieser soll das neue CBA ratifiziert werden.

Da steckt eine Menge Konjunktiv drin und genauso kommt der Artikel letztlich rüber. Die Aussage: Am 21. Juli einigen sich die Parteien oder auch nicht - da wollten sich die beiden Liga-Insider doch verständlicherweise absichern. Als positiv denkender Mensch gehe ich nun erst einmal von Ende Juli als Beginn der Free Agency aus.

Das Verrückte an der Sache: Eigentlich ist man sich über den Hauptstreitpunkt, nämlich der Aufteilung der Einnahmen in Höhe von neun Milliarden Dollar einig - doch es hapert an einigen kleineren Punkten. Die Bezahlung der Rookies, Pensionen für Ex-Spieler, das Doping-Testprogramm und die Krankenversicherung sind wohl die wichtigsten. Der 21. ist in noch nicht einmal einer Woche, die letzten Wasserstandsmeldungen? Sie gab es nicht, wir sind genauso weit wie am Dienstag, als Schefter und Mortensen mit eben diesem Datum spekulierten.

Hausaufgaben müssen neben den beiden Verhandlungsparteien auch noch einige von ihnen beschäftigte Gerichte machen. Und die Zeit rinnt den Verhandlungsparteien langsam davon. Denn der Ausfall des ersten komplett mit Vorbereitungsspielen belegten Wochenendes vom 11. bis zum 15. August würde 60 Millionen Dollar weniger im Neun-Milliarden-Kuchen bedeuten. Da klingt eine Einigung bis nächste Woche doch verlockend.

Wie die Spatzen von den Dächern...

...so zwitschern doch so einige der NFL-Spieler. Das die Benutzung von Twitter nicht immer auf intelligente Weise geschieht, habe ich ja bereits ein paar Mal darstellen dürfen. Doch es bleibt - nicht nur - mein Lieblingsthema. Die Protagnisten diese Woche: Running Back Ray Rice von den Baltimore Ravens und Steelers-Safety Ryan Clark. Beide Teams sind bekanntlich Erzrivalen und treffen, so er denn stattfindet, gleich am ersten Spieltag aufeinander.

Rice wollte das Duell wohl befeuern, als er via Twitter die Verhaftung von Pittsburghs Wide Receiver Hines Ward wegen Trunkenheit am Steuer mit den Worten: "Sieht so aus, als würde er den ersten Spieltag verpassen" kommentierte. Clark "bedankte" sich daraufhin dafür, dass Rice ungefragt seine Meinung zu dem Vorfall abgäbe, was Rice wiederum mit der lapidaren Aufforderung: "Du weißt ja, wo Du mich finden kannst", beantwortete. Der Kampf um die Schaufel im Gemeindekindergarten zu Baltimore dürfte nicht anders vonstatten gehen.

Vielleicht ist es doch Zeit für einen Twitterführerschein und vielleicht sind die Maßnahmen der NBA gar nicht so lächerlich, die unlängst den Spielern das twittern während der Pausen aus der Kabine untersagte. Vielleicht würde es manchmal auch nur helfen, den eigenen Kopf einzuschalten, noch einmal in sich zu gehen, bevor man senden drückt. Vielleicht würde uns dadurch aber auch eine Menge an Unterhaltung verloren gehen.

Meinungen und Anregungen können Sie wie immer per Kommentar-Funktion oder per Email an sven.kittelmann@sportal.de loswerden.

Sven Kittelmann

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