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NFL: Any Given Wednesday - Top und Flop Fünf

Gleich zum Saisonauftakt wurde den NFL-Fans alles geboten, was Football ausmacht. Und wie es nun mal so ist in der Sportwelt, werden nach einem Spieltag bereits erste Schlüsse auf den weiteren Verlauf des Jahres gezogen. Daran möchten wir uns halbherzig beteiligen und präsentieren deswegen die Top und Flop Fünf der ersten Woche.

Fußballfans, Ihr kennt das: Euer Verein verliert am ersten Spieltag und schon schreiben die Medien den Trainer arbeitslos. So oder ähnlich funktioniert es natürlich auch in der NFL. Da wurden bereits Quarterbacks während der ersten Niederlage ausgepfiffen oder der Abgesang auf ein einstmals großes Playoff-Team angestimmt. Bei noch 15 weiteren Spielen vielleicht etwas verfrüht.

Trotzdem will ich mich ebenfalls an solchen Spielchen beteiligen – in abgeschwächter Form. Heute mache ich das mal ausführlich, in den nächsten Kolumnen müssen zwei Absätze reichen: Von nun an gibt es in jeder Woche eine Art Mini-Powerranking mit den fünf angesagtesten Teams und den fünf Verlierern des Spieltages. Also auf zur Top und Flop Fünf der ersten NFL-Spielwoche.

Die Super Bowl-Teilnehmer

Ja, Übertreibung ist alles und somit herzlich willkommen zum verfrühten Super-Bowl-Tipp, der zumindest 50 Prozent von dem völlig ignoriert, was ich noch in der letzten Woche zum großen Finale in Indianapolis geschrieben habe. Doch zur ersten Hälfte: Die Green Bay Packers haben ihre Favoritenstellung beim Sieg über die New Orleans Saints unterstrichen. Vielleicht war dies aber gar nicht die Erkenntnis aus dem Spiel, sondern eine andere – aber dazu später.

Die Packers traten offensiv genauso auf, wie erwartet und ließen sich durch einen wild um sich werfenden Drew Brees in der Defense nicht verunsichern. Denn am Ende hielt die Verteidigung, wie sie sollte und wie heißt es doch so schön: Verteidigung gewinnt Titel – zu früh? Stimmt, aber so lange es meinen Tipp bestätigt...

In der AFC sieht die Sache auf einmal ganz anders aus. Einmal machten die Baltimore Ravens kurzen Prozess mit meinem Favoriten Pittsburgh Steelers, auch dazu später mehr. Andererseits zeigte Tom Brady, dass mit ihm wieder einmal nicht gut Kirschen essen ist, wenn man gegnerische Defense heißt. Trotz der Rookies Nate Solder und Waters in der Offensive Line und dem Ausfall von Center Dan Koppen Ende des zweiten Viertels. Koppen könnte übrigens die ganze Saison über fehlen, je nachdem wie schwer sein Knöchelbruch ist – Sebastian Vollmer dürfte dagegen wohl bald wieder Solder ersetzen.

Das reicht für das Championship-Spiel

Ich muss zugeben, neben den Packers sahen tatsächlich die Philadelphia Eagles sehr, sehr gut beim 31:13 bei den St. Louis Rams aus. Mal abgesehen vom Verletzungspech der Rams – auch hier ist mein Lieblingshalbsatz dieser Kolumne angebracht: dazu später mehr. Michael Vick knüpfte durch die Luft, mit zwei Touchdowns und am Boden mit fast 100 Yards Raumgewinn an seine Leistungen der letzten Saison nahtlos an, nur den Ball sollte er besser festhalten.

Dem von einigen Lesern in die Top Ten der Quarterbacks geforderten Joe Flacco muss ich zumindest in dieser Woche Abbitte leisten – wie dem gesamten Team der Baltimore Ravens. Die ließen den Pittsbugh Steelers, die ich ja in den Super Bowl getippt habe, keine Chance und nahmen dem Divisionsrivalen jede Luft zum Atmen. Noch rücke ich übrigens von den Steelers nicht ab, das Schiff nach dem ersten Debakel zu verlassen, das passt nicht.

Apropos passen: Flacco kam auf drei Touchdowns und sorgte mit dafür, dass die Ravens stets die Oberhand behielten. Ansonsten war es – wen wundert es bei den Ravens – die Defense, allen voran Ed Reed und Ray Lewis, die den Steelers jederzeit klarmachte, dass es im M'n'T Bank Stadium nicht zu holen gab.

Der sexy Pick der Woche – für beide Ranglisten

Der Satz: Niemand gab ihnen eine Chance, doch sie nutzten sie, klingt abgedroschen, ist er auch und doch passt er zu den Buffalo Bills, wie die Faust auf das berühmte Auge. Verprügelt durften sich sicher die Kansas City Chiefs zumindest gegen die, bereits vor dem ersten Kickoff so gebrandmarkten, Kellerkinder aus dem Staate New York fühlen.

Noch in der letzten Saison hatten die Chiefs ihrerseits zu einem Überraschungslauf auf die Playoffs angesetzt, jetzt wurde ihnen im eigenen, bei gegnerischen Teams berüchtigten, Arrowhead Stadium mit 7:41 kräftig der Hintern versohlt. Kein Wunder, dass sie meine Flop Fünf gleich anführen. Nun müssen sie beweisen, dass dies ein einmaliger Ausrutscher war, und die Playoff-Teilnahme im letzten Jahr kein purer glücklicher Zufall war, wie viele – und auch ich – glauben.

Doch noch einmal zurück zum Positiven: Ryan Fitzpatrick, bei dem sich Viele gefragt haben, warum nicht ein Rookie-Quarterback an seiner statt gedraftet wurde, hatte das Spiel im als sehr feindlich für den Auswärts-Quarterback geltenden Stadion in Kansas City unter Kontrolle. Jeweils zwei Touchdowns im ersten und dritten Viertel waren fast die ganze Miete.

Lasset alle Hoffnungen fahren, oder...?

Damit ab zu den meiner Meinung nach größten Enttäuschungen des ersten Spieltages. Natürlich sind dies zum einen die Steelers, die sich von den Ravens in Grund und Boden spielen ließen und sage und schreibe sieben Mal den an die Gegner abgaben. Allen voran Quarterback Ben Roethlisberger, der drei Interceptions produzierte. Zwei davon kamen im dritten Viertel, als ich beim Live-Spiel dachte: "Jetzt geht’s los, jetzt holen die Steelers auf." Doch sie holten nie auf, fanden nie ein Rezept gegen die Ravens.

Auch wenn sich das 7:35 der Steelers nach einem größeren Debakel anhört, als das 20:23 der Denver Broncos gegen die Oakland Raiders: Bei den Broncos sehe ich weniger Chancen als bei Pittsburgh, sich für das nächste Spiel zu erholen. Zu offensichtlich waren die alten Fehler in neuem Gewand, es gab kein Laufspiel und vor allem immer noch keine Laufverteidigung.

Doch dass nun die ersten Medien und Fans lautstark nach Tim Tebow rufen und fast schon wieder an John Fox Stuhl sägen, naja, das ist wohl mal wieder typisch für Denver. Ja, Kyle Orton war größtenteils sehr schlecht – aber warum lassen diejenigen, die Tebow fordern, völlig außer Acht, wie limitiert seine Fähigkeiten als NFL-Quarterback sind? Und Fox hat zwei Jahre, Josh McDaniels-Regime wieder gut zumachen, das ist in effektiv sechs Wochen seit der Aussperrung sicher nicht drin.

Jeder ist nicht ersetzbar

Bei den letzten beiden Teams sind es vor allem Verletzungen, die dafür sorgen könnten, dass sie Dauergäste in den Flop Fünf sein könnten. Zu den Colts habe ich in den letzten Wochen ja schon einiges geschrieben. Dass sie tatsächlich so ein Desaster wie beim 7:34 gegen die Houston Texans erlebten, war ein erster unschöner Vorgeschmack auf das, was weiter blühen könnte, wenn Peyton Manning länger fehlen wird.

Bei den St. Louis Rams ereigneten sich die Verletzungen erst während des 13:31 gegen die Eagles. Mit Danny Amendola, Steven Jackson und Sam Bradford verloren die Rams nacheinander den besten Wide Receiver der letzten Saison, den wichtigsten Running Back und den Quarterback.

Während der allerdings in der nächsten Woche wieder spielen kann, könnte ihm für mindestens ein weiteres Spiel der Running Back fehlen. Viel härter könnte es Amendola treffen, dessen Ellbogenverletzung das Saison-Aus bedeuten könnte. Sollte dies der Fall sein, dürfte man sich nicht wundern, wenn die Rams für ihn einen Ersatz-Quarterback holen. Amendola ist nämlich auch der dritte Not-Spielmacher.

Football heißt Football, weil...

...der Ball bisweilen auch mal getreten wird. So stellte Sebastian Janikowski von den Raiders ausgerechnet bei den Broncos den Längenrekord für Kicks (63 Yards) ein. Ausgerechnet darum, weil Ex-Bronco Jason Elam diesen vor 13 Jahren ebenfalls eingestellt hatte. Davor war dieses Kunststück nur Tom Dempsey von den New Orleans Saints 1970 gelungen. Interessanterweise gelang Dempsey dies, obwohl er an seinem rechten Fuß keine Zehen hatte. Bei Janikowski ist dagegen noch alles dran – zumindest am Fuß.

Sven Kittelmann

sportal.de / sportal

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