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Denksportler: Football-Star macht seinen Doktor in Mathematik

Jedes Jahr im Herbst spielt John Urschel für das NFL-Team Baltimore Ravens in den größten Stadien der USA. Den Rest des Jahres trainiert er lieber sein Gehirn - ebenfalls auf allerhöchstem Niveau.

NFL-Star John Urschel macht seinen Doktor in Mathematik

NFL-Star und Doktor in spe John Urschel überzeugt auf und neben dem Platz

Anfang Februar ist es wieder soweit: Die Denver Broncos und die Carolina Panthers treffen im 50. Super Bowl - dem Endspiel der US-Football-Liga NFL - aufeinander. Die anderen 30 Teams der National Football League (NFL) befinden sich zu diesem Zeitpunkt längst im wohl verdienten Urlaub nach knochenharter Saison - nur einer nicht: John Urschel. Der erwirbt lieber seinen Doktortitel am renommierten MIT-College in Cambridge, Massachusetts.

Wer Urschel kennt, wundert sich darüber nicht: Der 24-Jährige gehört zu den schillernden Charakteren des US-Profisports. Auf seiner Twitter-Seite posiert er lächelnd vor einer Tafel voller mathematischer Formeln, in einer Gilette-Werbung tanzte er sich mit "The Awkward Dance" in die Herzen der Fans - und jetzt kündigte er mal eben an, am "Massachusetts Institute of Technology" nach dem Doktorhut zu greifen.

Mathematik ist schon lange das Steckenpferd der Offensivkraft. Während er mit den Ravens in den Playoffs 2015 spielte, schrieb er zeitgleich eine Arbeit mit dem Titel "A Cascadic Multigrid Algorithm for Computing the Fielder Vector of Graph Laplacians" - eine genaue Übersetzung wäre an dieser Stelle zwecklos, aber es geht um Graphen, Vektoren, Algorithmen und solche Sachen.

In einem Interview mit der "American Mathematical Society" gab Urschel an, auf Auswärtsfahrten Mathe-Bücher zu lesen und so seine Recherche voranzutreiben. Er könne die beiden extremen Welten, zwischen denen er sich bewege, gut trennen: "Wenn ich auf dem Football-Feld an Mathe denke, wird es mich umbringen. Da kommt also mein natürlich Überlebenswille ins Spiel. Und wenn ich mich mit Mathematik beschäftige, nimmt es mich hundertprozentig ein und ich denke an nichts anderes."

NFL-Star John Urschel: "Ich mag es, Leute zu rammen"

Eine Frage drängt sich allerdings auf: Immer wieder wird über die gesundheitlichen Langzeitfolgen einer NFL-Karriere diskutiert. Viele Ex-Spieler verklagen die Liga wegen bleibender Hirnschäden als Folge früherer Kopfverletzungen. Auch Urschel hat im letzten Jahr eine Gehirnerschütterung erlitten.

In einem Essay für das Sportlermagazin "Players Only" schreibt er in dem Zusammenhang auch über die Sorgen seiner Familie, Freunde und Mathematikerkollegen. Sie verstünden nicht, dass es ihm beim Football nicht um das große Geld gehe, so der Denksportler: "Ich spiele, weil ich das Spiel liebe. Ich mag es, Leute zu rammen."

tim

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