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Mittlerer Schulabschluss: Berliner Schüler versagen in Mathe – die Maßnahme dagegen sorgt für Aufregung

Die Durchfallquote beim Mittleren Schulabschluss (MSA) in Mathematik war in Berlin in den vergangenen Jahren hoch, die Folge: Viele Schüler verließen die Schule ohne Abschluss. Deshalb wurden 2016 offenbar einfach die Anforderungen gesenkt.

Ein Schüler sitzt über Prüfungsaufgaben

In der zehnten Klassen wird Mitte des zweiten Halbjahres geschwitzt: Der MSA steht an

Differentialrechnung, Funktionen, Geometrie, Trigonometrie, Vektoren, was Kinder in der zehnten Klasse beherrschen müssen, treibt so manchem Schüler Schweißperlen auf die Stirn. Und um die Berliner steht es da besonders schlimm. Einerseits existiert ein großer Lehrermangel – begründet durch fehlende Studienplätze für Lehramtsstudierende, schlechte Bezahlung und die Abschaffung der Verbeamtung. Andererseits ist in Berlin das Schuleschwänzen zu einem solchen Problem geworden, dass die Ordnungsämter ihm nicht mehr Herr werden, kommentiert Susanne Vieth-Entus im "Tagesspiegel". Lern-Patenschaften, Nachhilfelehrer und Sozialarbeiter bemühen sich vergeblich: Auch die Nachprüfungen setzen ein Minimum an Interesse voraus. Und die Konsequenzen sind ablesbar: In Berlin bleiben viele Schüler ohne Abschluss.

In diesem Jahr haben sich die Zahlen plötzlich drastisch gebessert. Nicht etwa, weil es plötzlich genug Lehrer gibt oder die Schüler erkannt haben, wie wichtig Bildung ist. Nein, wenn man den Einschätzungen von Berliner Lehrern glauben darf, wurde das Niveau der Prüfungsaufgaben dem Leistungsniveau der Schüler angepasst. "2015 hatten 79 Schüler eine Fünf oder Sechs, dieses Jahr waren es noch 43“, zitiert der "Tagesspiegel" Hannelore Weimar, Leiterin der Tempelhofer Johann-Eck-Gemeinschaftsschule. Das sei doch eine "ziemliche Diskrepanz". Deswegen sei die Freude über die gesunkene Durchfallquote gedämpft, "denn wir wissen, was dahinter steht".

Niveaulos

Die Aufgaben waren zum Teil trivial einfach. Eine gar auf Grundschulniveau: Drei Kapseln sind für ein Gewinnspiel mit den Ziffern 2, 3 und 6 markiert. Hintereinander gelegt, bilden die darin enthaltenen Ziffern die dreistellige Gewinnzahl. Geben Sie die größte dreistellige Gewinnzahl an, die auf diese Weise gebildet werden kann. Einen Punkt brachte die Lösung 632 ein. Und wer mit vergleichbar anspruchsvollen Aufgaben Punkt um Punkt zusammensammelte, hatte zumindest gute Chancen auf eine Vier.

Dabei "bleiben 30 Prozent der Ausbildungsbetriebe überhaupt ohne einen einzigen Bewerber. Längst sind sie so weit, auf Abschlusszeugnisse zu verzichten, wenn sie nur sehen, dass die jungen Leute, die dann doch den Weg zu ihnen finden, zumindest ausbildungswillig und -fähig sind", so Vieth-Entus. Mit anderen Worten: Die Schulschwänzer kommen auch für einen Job nicht aus dem Bett.

bal

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