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NHL: Icecrusher - Ist 18 noch zu jung?

Diese Woche blicken wir im Icecrusher auf die St. Louis Blues, die einen neuen Besitzer gefunden zu haben scheinen und diskutieren eine mögliche Erhöhung des Mindestalters für den NHL-Einstieg.

Nachdem ich vergangene Woche die Rolle der Enforcer in der NHL beleuchtet habe, möchte ich im NHL-Icecrusher heute wieder einen Blick auf die aktuelle Situation werfen.

Bekommt Hulsizer nun die Blues?

Aber zuerst doch noch zu einem Besitzerwechsel: Alteingesessene Leser des Icecrusher werden sich erinnern, dass ich in meiner Kolumne vergangene Saison des Öfteren über den möglichen Verkauf der Phoenix Coyotes an den Chicagoer Geschäftsmann Matthew Hulsizer berichtet habe. Doch letztendlich zerschlug sich der Deal, da es zu große Widerstände zu überwinden gab.

Nun sieht es so aus, als wenn Hulsizer künftig den Blues singen und das Team aus St. Louis übernehmen wird. Der Deal soll kurz vor der Vollendung stehen, berichtet aol.sportingnews.com. Allerdings fehlt dann noch die Zustimmung der NHL. Seit März suchte Dave Checketts einen neuen Besitzer für das Team, schlug aber eine erste Offerte Hulsizers aus.

Wie es scheint, hat der Chicagoer Geschäftsmann sein Angebot noch einmal erhöht und soll nun bereit sein, 190 Millionen US Dollar zu bezahlen. Neben Hulsizer sollen Minderheits-Eigner Tom Stillman und Geschäftsmann Max Chambers aus Calgary bereits Gebote abgegeben haben. Chambers gab an, dass sein Angebot über 167 Mio US Dollar abgelehnt worden sei.

St. Louis mit neuem Coach

Es gibt aber auch aktuelle Nachrichten von dem Team aus St. Louis, denn die Blues haben als erstes NHL-Team diese Saison ihren Trainer entlassen und damit das Experiment mit einem jungen Coach vorzeitig beendet. Mit dem 40-jährigen Davis Payne, der das Team im Januar übernommen hatte und bis Saisonende eine 23-15-4 Bilanz hinlegte, waren die Blues mit sechs Siegen und sieben Niederlagen enttäuschend in die Saison gestartet.

Deshalb zog man jetzt schnell die Notbremse, feuerte den unerfahrenen Payne und übergab das Ruder an Ken Hitchcock, der damit seine vierte Station als NHL-Coach antritt und 1999 mit den Dallas Stars den Stanley Cup gewinnen konnte. Seitdem er im Februar 2010 von den Columbus Blue Jackets gefeuert worden war, hatte Hitchcock die kanadische WM-Auswahl betreut.

Bruins überwinden Talsohle

Blicken wir nun aber auf das sportliche Geschehen der letzten Tage und sehen dort, dass sich die Boston Bruins etwas fangen konnten. Der Champion konnte drei Spiele in Folge gewinnen und sich so etwas aus dem Tabellenkeller der NHL verabschieden. Dort liegen einsam die Columbus Blue Jackets ganz unten am Boden mit nur zwei Siegen aus 14 Spielen.

Ungleich ausgeglichener geht es an der Spitze zu, eigentlich konnte sich kein Team frühzeitig absetzen. Einzig die Dallas Stars stechen mit ihrer Bilanz von elf Siegen und drei Niederlagen bei 22 Punkten etwas heraus. Es folgen acht weitere Teams mit 18 bis 21 Punkten auf dem Konto. Dabei haben Minnesota und die New York Rangers (jeweils 5 Siege) sowie Dallas (4) die heißesten Serien am Start.

Richtig kalt ist hingegen die Form der Anaheim Ducks (6 Niederlagen in Serie) sowie der Colorado Avalanche (4). Beide Teams waren ja richtig gut in die Saison gestartet, wurden nun aber vorerst auf den Boden der Tatsachen zurückgeholt.

Stars strahlen weiter

Widmen wir uns aber noch einmal dem Überraschungsteam der Saison, den Dallas Stars. Vergangene Spielzeit landeten die Stars noch im Keller der Pacific Division und verpassten die Playoffs. Mit dem deutlichen 5:2 bei den Washington Capitals - der ersten Heimniederlage der Caps - zeigten die Texaner aber, dass die bisherigen Ergebnisse kein Zufall waren.

Die nächsten Spiele in Pittsburgh und Detroit werden aber weitere echte Gradmesser für die Texaner sein und wer weiß, vielleicht ist es ja das Jahr der Sportstadt Dallas: Mavericks NBA-Champions und die Rangers im World Series Finale. Fehlen nur noch die Cowboys in der NFL und eben die Stars in der NHL, aber für solche Spekulationen ist es dann doch noch etwas zu früh.

In die NHLerst mit 19?

Zu früh ist auch das Einstiegsalter der Jungstars in die NHL, finden einige Experten und so gibt es Diskussionen, dass das Mindestalter für den Draft von 18 auf 19 Jahre erhöht werden soll. Im Moment schaffen es weniger als 50 Prozent aller gedrafteten Spieler überhaupt in die NHL.

Auf den ersten Blick würde eine Erhöhung des Alters Sinn machen, denn ein weiteres Jahr würde den Teams die Möglichkeit geben, die Spieler länger zu beobachten und sich entwickeln zu lassen, Fehlgriffe würden dabei unwahrscheinlicher. 

Allerdings hat auch ein nicht näher benannter Spieler-Agent recht, der der Calgary Sun sagte: "Also der Junge kann heiraten, in den meisten Staaten Alkohol trinken oder zur Armee gehen, aber er kann nicht in der NHL spielen, selbst wenn er gut genug ist?" Die NBA erhöhte ja 2005 das Mindestalter auf 19 und so mussten große Talente wie Greg Oden, Blake Griffin und Derrick Rose noch ein Jahr auf dem College spielen, obwohl sie bereits nach der Highschool gut genug für die Liga waren.

Interessant auch ein Vergleich zur Fußball-Bundesliga, wo die Teams im Schnitt ja immer jünger werden und die Talente schnell in die Mannschaften integriert werden. Feldspieler wie Mirko Votava und Lothar Matthäus, die mit fast oder über 40 Jahren noch mithalten konnten, sind heute eigentlich beinahe undenkbar, in der NHL gehören aber diverse 40-jährige Spieler noch zu den absoluten Leistungsträgern ihrer Teams, um mit Nicklas Lidström (41, Detroit Red Wings) und Teemu Selanne (41, Anaheim Ducks) nur zwei Beispiele zu nennen.

Sind die medizinischen Abteilungen in der NHL besser oder ist der Sport mit seinen kurzen Spielzeiten mit längeren Pausen für die älteren Spieler geeigneter?

Henning Schulz

sportal.de / sportal

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