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NHL: Redakteure tippen die NHL-Saison

Auch vor dieser Saison haben sich unsere NHL-Experten wieder daran gewagt, einige Tipps abzugeben. Wer wird Stanley Cup-Sieger? Wer Top-Rookie? Lesen Sie unsere Prognosen.

Unsere US Sport-Redakteure haben einige Fragen der NHL-Saison für Sie beantwortet. Wer wird Stanley Cup-Sieger? Wer bester Rookie? Schauen Sie in unsere Prognosen herein.

Stanley Cup-Sieger

Henning Schulz: Nachdem ich in den vergangenen Jahren immer an die Washington Capitals geglaubt habe, lege ich Ovechkin und Co. diese Saison zu den Akten und wage mich an einen Geheimtipp: Buffalo Sabres. Viel hat sich getan, nachdem US-Milliardär Terrence Pegula das Team im Februar gekauft hat. Mit Ryan Miller haben die Sabres ohnehin einen Super-Goalie - auf den ich später noch näher eingehen werde. Mit Christian Ehrhoff wurde einer der begehrtesten und besten Verteidiger der Liga von den Vancouver Canucks verpflichtet. Robyn Regehr von den Calgary Flames bringt noch weitere benötigte Erfahrung in die Verteidigung. Die Offensive ist sehr ausgeglichen besetzt ohne einen herausragenden Superstar, wodurch sie schwer auszurechnen ist. In Buffalo herrscht Aufbruchstimmung und die könnte gleich zum ganz großen Erfolg führen. Mit Jochen Hecht und Ehrhoff würde sich die Zahl der deutschen Stanley Cup-Gewinner damit auf einen Schlag glatt verdoppeln.

Sven Kittelmann: Ganz unbescheiden verweise ich noch einmal darauf, welcher Redakteur in der letzten Saison in dieser Rubrik goldrichtig lag. Warum also das Pferd, auf das man gesetzt hat, bereits jetzt absatteln: Die Boston Bruins werden als erstes Team nach den Detroit Red Wings 1998 den zweiten Stanley-Cup-Sieg hintereinander feiern. Ich weiß, dieses Kunststück ist den Bruins noch nie gelungen, trotzdem sprechen sehr viele Faktoren für die Bostoner. Kaum wichtige Abgänge, wenn es denn welche gab, konnten sie sehr gut kompensiert werden (Kaberle - Corvo) und zudem noch eine Menge Platz in der Salary Cap für etwaige Verstärkungen. Dazu ein Tyler Seguin, der in seinem zweiten Jahr noch mehr auftrumpfen kann.

Oliver Stein: Ich greife einfach mal besonders tief in die Kiste der Underdogs und wage mich mit meinem Tip wohl auf dünnes Eis: Stanley Cup Sieger 2012 werden die Nashville Predators. Im Vorjahr noch in Runde zwei der Playoffs am späteren Finalteilnehmer Vancouver gescheitert, sehe ich die Predators in diesem Jahr als noch gefestigtere Einheit als in der letzten Spielzeit. In Pekka Rinne hütet ein Top-Goalie den Kasten, das Verteidiger-Duo Suter und Weber gehört mit zu dem Besten, was die NHL an Reihen zu bieten hat, und Stürmer-Star Sergei Kostitsyn scheint in der Vorbereitung in der Form seines Lebens zu sein. Im Westen der Liga, wo möglicherweise dieses Jahr ein großer Umbruch stattfindet, haben die Predators alle Chancen, sich durchzusetzen.

Rookie des Jahres

Henning Schulz: Adam Larsson von den New Jersey Devils. Der schwedische Verteidiger hat eine grandiose Vorbereitung gespielt, wurde vom Coach im Schnitt über 25 Minuten pro Spiel eingesetzt und fand sich in Überzahl und Unterzahl auf dem Eis wieder. Der erst 18-jährige (!) Schwede ist ein geborener Anführer und könnte vor einer ganz großen Zukunft bei den Devils stehen. Dass er von Anfang an im Roster stehen wird, gilt bereits als sicher. Zumindest deutete dies GM Lou Lamoriello an. Larssons Vorteil ist, dass er in seiner Heimat bereits die vergangenen beiden Jahre mit Skelleftea in der Elite Liga spielte und somit bereits ordentlich Erfahrung auf einem hohen Niveau aufzuweisen hat. 

Sven Kittelmann: Ich bleibe mal bei der schwedischen Fraktion, nehme aber einen Stürmer. Gabriel Landeskog von der Colorado Avalanche ist mein Favorit. Warum? Weil er für einen Rookie in einem Teamsport ideale Bedingungen vorfindet: Das Team aus Denver befindet sich im Wiederaufbau, die jungen Spieler wie Landeskog werden zu mehr Eiszeiten kommen, als dies in einem etablierten Team der Fall sein würde. Mehr Eiszeit ist natürlich gleichbedeutend mit mehr Chancen, sich individuell auszuzeichnen - und darauf kommt es bei diesem Award schließlich an.

Oliver Stein: Bei den Rookies gehe ich normalerweise mal mit der landläufigen Meinung, dass ein guter Draftpick nicht sofort eine steile Karriere bedeutet. Aber in dieser Saison bin ich mir sicher, das der Top-Pick Ryan Nugent-Hopkins bei den Edmonton Oilers voll einschlagen wird. Ob neben Taylor Hall oder Ryan Smith, die Fans der Oilers werden an dem neuen Schwung in der Offensive der Kanadier ihre helle Freude haben. Für die Red Deer Rebels konnte er in der abgelaufenen WHL-Saison in 69 Spielen 31 Tore und 75 Assists für sich verbuchen, und wurde damit zum Rookie des Jahres in der WHL.

Topscorer des Jahres

Henning Schulz: Vergangene Saison war Sidney Crosby auf dem Weg zu einer Riesensaison, die ihm von seiner im Januar erlittenen Gehirnerschütterung zunichte gemacht wurde. Wäre alles normal weiter gelaufen, wäre der Kapitän der Pittsburgh Penguins ganz klar Topscorer geworden. Nun laboriert Crosby immer noch an den Nachwirkungen seiner Verletzung und es ist unklar, wann er wieder ganz der Alte sein wird. Deshalb setze ich dieses Jahr auf seinen kongenialen Partner Evgeni Malkin, der seinen Kreuzbandriss vollkommen auskuriert hat und in den Vorbereitungsspielen bereits angedeutet hat, dass er wieder auf bestem Wege ist, an die Saison 2008/09 anknüpfen zu können, als er nicht nur NHL-Topscorer war, sondern auch als der wahrscheinlich beste Spieler der Welt galt.

Sven Kittelmann: Wie vom Kollegen Schulz erwähnt, ist Crosby als Wackelkandidat alleine aus dem Grund anzusehen, da man nicht weiß, wann er wieder spielt. Sein größter Widersacher Alex Ovechkin hat im letzten Jahr aufgrund seiner Punkteausbeute enttäuscht, deswegen setze ich auch hinter Ovie ein kleines Fragezeichen. Ich setze auf Steven Stamkos, der bereits im letzten Jahr zu den Top Fünf gehörte und in diesem Jahr seine persönliche Bestmarke weiter in Richtung der 100 Punkte-Marke, und darüber hinaus, stoßen könnte. 

Oliver Stein: Gerüchten zufolge soll Capitals-Besitzer Ted Leonsis bereits konkrete Pläne haben, das Team aus Washington bei einer weiteren Saison unter den eigenen Erwartungen komplett neu zusammensetzen zu wollen. Das, gepaart mit der für seine Verhältnisse mageren Ausbeute in der letzten Saison, dürfte für Alex Ovechkin genug Motivation sein, es allen zu zeigen. Auf dem Weg in ihr erstes Conference-Finale, wenn nicht sogar in den Stanley Cup, wird Ovechkin wie in früheren Jahren der entscheidende Faktor sein und die 100-Punkte-Marke dürfte keine Hürde für den Russen darstellen.

Goalie des Jahres

Henning Schulz: Nachdem ich ja bereits die Sabres als Stanley Cup-Sieger getippt habe, setze ich auch auf Ryan Miller als besten Torwart der Saison. Nach seiner überragenden Saison 2009/10 als er die Vezina Trophy für den besten NHL-Goalie mit nach Hause nehmen durfte, war die vergangene Spielzeit durchwachsen, wenn auch auf einem hohen Niveau. Ende März zog sich Miller eine nicht näher erklärte Verletzung zu, mit der er in die Playoffs ging. Spekulationen gingen von einer Gehirnerschütterung bis zu einem gebrochenen Jochbein. So spielte Miller die schlechtesten Playoffs seiner Karriere und die Sabres scheiterten gleich in der ersten Runde in sieben Spielen an den Philadelpha Flyers. Dieses Jahr wird für Miller und die Sabres alles besser werden.

Sven Kittelmann: So gerne ich auf Tim Thomas von den Boston Bruins setzen möchte - eine Wiederholung des letzten Traumjahres dürfte sehr schwer für ihn werden. Deswegen ist Carey Price für mich der Tipp in dieser Kategorie. Der erst 24-jährige Goalie der Montreal Canadiens bewies schon im letzten Jahr eindrucksvolle Verbesserungen seines Spiels. Ihm wird die Erfahrung aus der vergangenen Saison klar zugute kommen. 

Oliver Stein: Wie bei meinem Meister-Tip bleibe ich auch für die Vezina Trophy im Südosten der Vereinigten Staaten. Wie oben bereits erwähnt gehe ich davon aus, das Pekka Rinne von den Nashville Predators eine tolle Saison vor sich hat. Bereits im letzten Jahr hatte er mit gut 93 Prozent gehaltener Schüsse den zweitbesten Wert aller Stammkeeper der Liga und dank der Vertragsverlängerung von Shea Weber muss sich seine beste Defensiv-Reihe gar nicht erst einspielen.

Enttäuschung des Jahres

Henning Schulz: Ich habe es letzte Saison schon versucht, aber diese Saison sind die Phoenix Coyotes fällig. Super-Goalie Ilya Bryzgalov verließ die Coyotes und schloss sich den Philadelphia Flyers an. Neben Bryzgalov verlor der Club mit Ed Jovanovski noch einen zweiten ganz wichtigen Defensiv-Baustein, beide hinterlassen ein Riesenloch in der Abwehr. Phoenix geht mit einem ganz jungen Team in die Saison, das zwar ein intelligentes System spielt, das vielen Gegnern Schwierigkeiten bereiten könnte, aber dem diese Saison doch die Erfahrung und teilweise vielleicht auch die Klasse fehlen dürfte, um erneut die Playoffs zu erreichen. Sollten es die Coyotes erneut in die Playoffs schaffen, verspreche ich, dass ich sie nie wieder als Enttäuschung der Saison anbieten werde. 

Sven Kittelmann: Die San Jose Sharks haben eines ihrer Probleme, nämlich die fehlende Defensivpräsenz zwar abgestellt, doch dies geschah zu Ungunsten des Angriffs. Mit Dany Heatley und Devin Setoguchi verließen die beiden Topscorer das Team und so steht die Offensive in diesem Jahr vor dem Problem zu viele Vorbereiter und zu wenige Vollstrecker zu haben. Erst, wenn sich Joe Thornton mit dieser Rolle anfreunden könnte, wären die Erfolge der letzten Jahre zu wiederholen.

Oliver Stein: So leid es mir für mein persönliches Lieblingsteam in der Liga, die Vancouver Canucks, tut, der Verlust von Verteidiger Christian Ehrhoff könnte schwerer wiegen als bisher angenommen. Bereits in den Playoffs der letzten Saison zeigte sich, wie wichtig für den oft nervös-wirkenden Goalie Roberto Luongo eine gut funktionierende Abwehr ist, und mit Ehrhoff wurde nach Kevin Bieksa der zweitwichtigste Mann abgegeben. Die Sedin-Zwillinge werden nebst Ryan Kesler sicher wieder eine äußerst produktive Saison in der Offensive haben, aber für einen Run in den Playoffs – welcher bei dem vorhandenen Spielermaterial eigentlich immer gelingen sollte - wird es einmal mehr nicht reichen.

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