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Eishockey: Seidenberg holt mit Boston Bruins den Stanley Cup

Erst Dirk Nowitzki, jetzt Dennis Seidenberg: Nach dem Basketballüberflieger hat mit dem Eishockeystar ein weiterer Deutscher einen nordamerikanischen Meistertitel gewonnen.

Er reckte den Pokal in die Höhe, riss den Mund weit auf und schrie seine Freude hinaus. Dennis Seidenberg bringt den Stanley Cup zurück nach Deutschland. 15 Jahre nach Uwe Krupp holte der Nationalverteidiger am Mittwochabend (Ortszeit) mit seinen Boston Bruins durch einen verdienten 4:0-Sieg im siebten Finalspiel bei Christian Ehrhoffs Vancouver Canucks die begehrteste Eishockeytrophäe der Welt. Nur vier Tage nach dem Triumph von Dirk Nowitzki in der Basketballliga NBA hat Deutschland auch einen Stanley-Cup-Champion in der NHL.

"Ich kann es noch gar nicht glauben. Ein Traum ist wahr geworden, ich fühle mich jetzt zwar irgendwie leer, aber überglücklich", jubelte Seidenberg. Während der 29-Jährige auf dem Eis mit seinen Mitspielern feierte, hatte Ehrhoff umgehend mit dem Ko-Runden-Kapitel abgeschlossen - und sich unter der Dusche seinen zwei Monate alten Playoff-Bart abrasiert. "Die Enttäuschung ist natürlich riesengroß, wir haben das ganze Jahr über so hart gearbeitet. Im siebten Spiel zu verlieren, ist sehr hart", meinte der gebürtige Moerser mit leiser Stimme.

"Es ist schade, dass einer der Verlierer sein muss"

Als sich beide Teams nach dem Schlusspfiff voneinander verabschiedenten, gaben sich auch Seidenberg und Ehrhoff die Hände - zuvor hatten sie in der gesamten Serie jeglichen Kontakt vermieden. "Ich habe Dennis gratuliert, ist natürlich schön für ihn, aber bei mir überwiegt die Enttäuschung", so Ehrhoff. Es sei schade, dass letztlich einer von beiden der Verlierer sein müsse, ergänzte Seidenberg.

Für beide war es die wichtigste Partie ihrer bisherigen Karriere - doch nur Seidenberg kam mit dem Druck klar. Nachdem Patrice Bergeron Boston in der 15. Minute in Führung gebracht hatte, legte Seidenberg im Mitteldrittel den Treffer von Brad Marchand (33. Minute) und erneut Bergeron (38.) auf. Beim Bergeron-Tor in Unterzahl hatte ausgerechnet Ehrhoff den kanadischen Olympiasieger nicht mehr energisch auf seinem Weg zum Tor stören können.

Vancouver wirkte anschließend geschockt, der Starsturm mit den schwedischen Zwillingen Henrik und Daniel Sedin hatte gegen Bostons erste Abwehrreihe mit Seidenberg und Kapitän Zdeno Chara keine Chance. Zudem präsentierte sich Bruins-Torhüter Tim Thomas in fantastischer Verfassung und wurde verdient zum "wertvollsten Spieler der Finalserie" (MVP) gewählt. "Wir haben keinen Weg gefunden, ihn zu überwinden, er hat eine überragende Serie gespielt", meinte Ehrhoff.

Enttäuschte Fans randalieren in der Stadt

Zahlreiche Zuschauer hatten die Arena bereits Minuten vor dem Ende verlassen und somit den 4:0-Endstand von Marchand (58.) verpasst. Während die Bruins in der Arena feierten, ehe es anschließend zurück nach Boston ging, brachen in der Innenstadt von Vancouver schwere Krawalle aus. Frustrierte Fans hatten Autos angezündet und sich Straßenschlachten mit der Polizei geliefert.

Vancouver hat nach 1982 und 1994 zum dritten Mal die Endspielserie verloren und wartet weiterhin auf den ersten Titel. In Boston stürmten derweil Zehntausende auf die Straßen und bejubelten die erste Championship seit 1972.

Heiko Oldörp, DPA / DPA

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