Eishockey-WM "Marco Sturm ist unser Dirk Nowitzki"


Nur eines will die deutsche Eishockey-Nationalmannschaft bei der WM in Kánada nicht: In der Relegation landen und möglicherweise absteigen. Bundestrainer Uwe Krupp sieht sogar Potenzial für das Viertelfinale - sicher ist aber nichts. Auch die deutschen NHL-Stars um Marco Sturm garantieren keinen Erfolg.

Die Kabine in der St. Margarets Arena wurde für kurze Zeit zum Laufsteg. Denn Eishockey-Bundestrainer Uwe Krupp hieß die NHL-Profis in der deutschen Nationalmannschaft auf besondere Weise willkommen. "Jeder aus der NHL steht einmal auf und soll sich mal rumdrehen, dann sage ich: Das ist das letzte Mal, dass ihr ihn euch anseht, ohne für ihn zu arbeiten", berichtete der frühere NHL-Star.

In der Eishalle in Tantallon, wo sich Krupps Team auf die WM in Kanada vorbereitet, durften sich so Dennis Seidenberg und Christoph Schubert vorstellen. Am Donnerstag musste die Prozedur noch einmal wiederholt werden: Da traf Marco Sturm ein, der deutsche Hoffnungsträger. "Er ist unser Dirk Nowitzki, unser Vorzeigespieler", sagte Krupp über den Stürmer der Boston Bruins, der nach dem Play-off-Aus in der NHL wieder das Trikot des Deutschen Eishockey-Bundes (DEB) überstreift.

Die jungen Spieler sollen nicht in Ehrfurcht erstarren

Mit der besonderen Vorstellung in der Kabine will Krupp vor allem eines erreichen: Seine jungen Spieler sollen nicht in Ehrfurcht erstarren und alle Verantwortung auf die NHL-Legionäre abwälzen. Denn die Profis aus der stärksten Eishockeyliga der Welt sind zwar eine Verstärkung, aber keine Garantie für Erfolg. Gänzlich ohne NHL-Spieler überraschte die DEB-Auswahl im vergangenen Jahr als WM-Aufsteiger mit Platz neun, zwei Jahre zuvor war sie mit vier Übersee-Stars abgestiegen.

"Wenn die Jungs im Spiel staunen: Wow, jetzt schießt der Christoph Schubert aufs Tor, dann haben wir ein Problem", sagte Krupp und appellierte an die Spieler, die vor einem Jahr in Russland überzeugten. Die NHL-Profis bräuchten "eine Mannschaft um sie herum, die ihr absolut bestes Eishockey spielt - so, als wären sie gar nicht dabei".

Die NHL-Fraktion im deutschen Team könnte sogar noch weiter anwachsen. Nach dem 1:2 nach Verlängerung, der dritten Niederlage im dritten Play-off-Viertelfinale gegen die Dallas Stars, standen Christian Ehrhoff, Marcel Goc und Thomas Greiss mit den San Jose Sharks vor dem Aus. Das Trio könnte bereits zum WM-Auftakt am Samstag (21.30 Uhr/live im DSF) gegen Vize-Weltmeister Finnland zur Verfügung stehen.

Krupp: Potenzial für das Viertelfinale

In der Vorrunde gegen Finnland, die Slowakei und Norwegen sollen die Übersee-Profis helfen, den Gang in die Relegation zu vermeiden. Denn die DEB-Auswahl will an die Leistungen vom Vorjahr anknüpfen und noch einen Schritt weiterkommen. "Wir haben eindeutig das Potenzial, ins Viertelfinale zu kommen", sagte Krupp, warnte allerdings: "Aber wir haben genauso das Potenzial, in die Abstiegsrunde zu rutschen."

Mit dem Sprung ins Viertelfinale, der ihr zuletzt bei der WM 2003 unter Krupps Vorvorgänger Hans Zach gelang (ebenfalls ohne NHL-Verstärkung), könnte die deutsche Mannschaft sogar noch das Ticket für die Olympischen Spiele 2010 in Vancouver lösen. Dafür müsste sie Weißrussland und Lettland, die vor ihr in der Weltrangliste liegen, deutlich distanzieren. Schafft sie es nicht, muss sie im Februar 2009 in die Olympia-Qualifikation.

In Tantallon, 30 Kilometer westlich vom Spielort Halifax, stand nicht nur die Integration der NHL-Profis auf dem Programm, die Krupp ohnehin nicht für schwierig hielt: "Wir haben keine Diva dabei." Auch die Umstellung auf die kleinere Eisfläche in Nordamerika, auf der erstmals bei einer WM gespielt wird, war ein Schwerpunkt. "Du musst mehr checken und von überall schießen", riet der Deutschkanadier John Tripp, der bis vor vier Jahren in Kanada und den USA spielte, seinen Teamkollegen.

Weniger Raum, weniger Zeit

"Es geht nur geradeaus, von Nord nach Süd. Zusammengefasst: Du hast weniger Raum und weniger Zeit", erklärte Krupp, der bereits vor dem Abflug nach Halifax im Training in Deutschland die kleinere Eisfläche simulierte. Der Spielweise, die der einzige deutsche Stanley-Cup-Sieger predigt, kommt das kleine Eis sogar entgegen: "Wir versuchen immer, schnell und gradlinig zu spielen: viel checken, viel schießen, viel Druck zum Tor." So, wie es die NHL-Profis kennen, die jetzt auch jedem Mannschaftskollegen bekannt sind.

Thomas Lipinski/SID SID

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