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NHL Sollten Bodychecks in der NHL verboten werden?


Wieder fällt Sidney Crosby unbestimmte Zeit aus. Die Karriere des vielleicht besten Eishockey-Spielers der Welt wird von immer wiederkehrenden Symptomen einer Gehirnerschütterung gefährdet. Es ist an der Zeit, dass die NHL Maßnahmen ergreift.

Mit zwölf Punkten in acht Spielen feierte Sidney Crosby ein beeindruckendes Comeback in der NHL bei den Pittsburgh Penguins. Doch nach nur knapp zwei Wochen ist es auch schon wieder vorbei mit Crosbys Rückkehr.

Der 24-jährige Superstar muss erneut auf unbestimmte Zeit pausieren. Droht dem vielleicht besten NHL-Spieler der Gegenwart etwa doch eine Karriere, die von Verletzungen bestimmt wird und nicht von seiner Leistung auf dem Eis?

Am Montag trat Crosby vor die Presse und erklärte, dass er mit Symptomen wie bei einer Gehirnerschütterung erneut einige Zeit ausfallen wird, dabei hatte er gerade erst nach zehnmonatiger Verletzungspause aufgrund der Folgen einer schweren Gehirnerschütterung sein Comeback gefeiert.

Untersuchung ohne Ergebnis

Untersuchungen ergaben zwar, dass er keine Gehirnerschütterung habe. Doch Crosby selbst ist sich da nicht so sicher, nachdem er nach dem Spiel gegen die Boston Bruins wieder unter Kopfschmerzen litt.

"Ich habe am nächsten Morgen ein wenig geskatet, aber es hat sich nicht richtig angefühlt", sagte Crosby laut espn.com. Zu dem Ergebnis der speziellen Untersuchung sagte er: "Dieser Test ist nicht alles. Du musst auch auf deinen Körper hören."

Aber gleichzeitig gab er auch vorsichtig Entwarnung, dass es diesmal nicht so schlimm sei. "Es ist jetzt ganz anders als vorher", sagte Crosby nhl.com. "Ich fühle mich nicht schlecht. Und ich bin nicht glücklich, zuschauen zu müssen. Aber bei dieser Sache muss ich sicher und vorsichtig sein. Also muss ich sicherstellen, dass ich bei 100 Prozent bin, bevor ich wieder zurückkehre."

Zahlreiche Ausfälle wegen Gehirnerschütterungen

Der Fall Crosby hat dafür gesorgt, dass Symptome wie Kopfschmerzen von den NHL-Teams nun viel ernster genommen werden. Alleine die Penguins haben diese Saison vier Spieler gehabt, die damit pausieren mussten. Neben Crosby waren dies Tyler Kennedy, Zbynek Michalek und Kris Letang. Zudem fällt auch NHL-Topscorer Claude Giroux von den Philadelphia Flyers mit den gleichen Anzeichen unbestimmte Zeit aus.

"Ich habe das Gefühl, ginge es nach Giroux, würde er morgen wieder spielen", sagte zwar Jaromir Jagr zur Verletzung seines Teamkollegen. "Die Ärzte müssen ganz sicher sein. Du möchtest nicht sowas, wie es mit Crosby passiert ist. Du musst sehr vorsichtig sein."

Giroux war beim 5:2-Sieg der Flyers über Tampa Bay von seinem Mannschaftskollegen Wayne Simmonds mit dem Knie am Kopf getroffen worden. Danach wurden die Kopfschmerzen von Tag zu Tag schlimmer, sodass eine Rückkehr auf das Eis derzeit nicht absehbar ist.

Giroux ist nicht der erste Spieler seines Teams, der mit diesen Symptomen längere Zeit ausfällt. Flyers-Kapitän Chris Pronger fehlt bereits seit geraumer Zeit aufgrund einer Gehirnerschütterung. Ebenso wie Rookie Brayden Schenn, der mit einer mittelschweren Gehirnerschütterung unbestimmte Zeit nicht zur Verfügung steht.

Studie zeigt, dass Ausfalldauer zunimmt

Viele Teams müssen derzeit auf Spieler verzichten, die wegen einer Gehirnerschütterung fehlen. Und die Fälle nehmen immer mehr zu. Bereits im April hatte die Universität von Calgary eine Studie veröffentlicht, nach der die Anzahl der Tage, die Spieler mit einer Gehirnerschütterung ausfallen, stetig zunimmt.

Die Daten von sieben Jahren (1997 bis 2004) wurden von den Wissenschaftlern ausgewertet. Während die Anzahl der Kopfverletzungen in dieser Zeit zurückging, nahm die Ausfalldauer stetig zu. Was entweder für schwerwiegendere Verletzungen spricht oder die größere Vorsicht, mit der Ärzte ihnen heute begegnen.

Bodycheck-Verbot in den Junioren-Ligen?

Seit längerer Zeit gibt es in Kanada die Diskussion, ob in den Junioren-Ligen Bodychecks komplett verboten werden sollten. "Es ist Fakt, dass der Großteil der Gehirnerschütterungen und Eishockey-Verletzungen überhaupt durch legale Bodychecks verursacht werden", sagte Dr. Syd Johnson von der Dalhousie Universität sciencedaily.com.

"Es ist sicher zu sagen, dass so lange Bodychecks zum Eishockey gehören, es auch eine hohe Anzahl von Gehirnerschütterungen geben wird." Deshalb plädiert Dr. Johnson auch dafür, Bodychecks aus dem Junioren-Sport zu verbannen. "Wenn Junioren-Eishockey-Spieler keinen Bodychecks mehr ausgesetzt sind, wird auch die Anzahl an Kopfverletzungen signifikant zurückgehen." 

"Da die Schwere einer Gehirnerschütterung von Mal zu Mal zunimmt, ist es umso besser, wenn ein Junioren-Spieler nur wenige hinnehmen muss. Wie Profi-Eishockey heute gespielt wird, hat seinen Ursprung bei den Junioren. Dies ist ein Teufelskreis, denn die jungen Athleten lernen das Spiel so, dass es ihnen unweigerlich Verletzungen zufügen wird und sie damit die nächste Generation an Spielern beeinflussen."

"Es wird Zeit, diesen Kreislauf zu durchbrechen und den Jungen beizubringen, so zu spielen, dass ihr Können im Vordergrund steht und ihr Gehirn geschont wird", fährt die Ärztin fort. Eishockey ohne Bodychecks, ist das überhaupt denkbar?

Veränderung nur vorsichtig möglich

Dr. Johnson hat auf jeden Fall einige interessante Gedankengänge und wenn man das Spiel dahin gehend verändern will, dass die Kopfverletzungen zurückgehen, muss man auch sicherlich im Junioren-Bereich anfangen, diese Änderung wird aber nicht von heute auf Morgen möglich sein.

Die Liga muss aber etwas machen oder sie wird noch mehr talentierte Spieler früh verlieren, da diese besonders oft Opfer harter Hits werden. Eines der prominentesten Beispiele ist sicherlich Eric Lindros, dem immer wieder vorgeworfen wurde, er sei zu weich, der aber nach acht Gehirnerschütterungen und zahllosen weiteren Verletzungen nie die Statistiken erreichte, die er eigentlich aufgrund seines Talents hätte erreichen können.

Nun, da Kanadas Darling Sidney Crosby von so einer Verletzung betroffen ist, wird vielleicht endlich was getan. Es wird über Verbesserungen der Ausrüstung nachgedacht, zum Beispiel neuartige Helme, wie sie Quarterback Aaron Rodgers von den Green Bay Packers in der NFL trägt oder auch einfach die Pflicht einzuführen, Helmvisiere zu tragen. 

Das Zusammenspiel zwischen Geschwindigkeit und körperbetontem Spiel ist das, was Eishockey ausmacht, Veränderungen können also nur mit allergrößter Vorsicht vorgenommen werden, soll der Sport nicht einen Großteil seines Reizes verlieren.

Henning Schulz

sportal.de sportal

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