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Olympia in Vancouver: Eishockey: Kanada schießt DEB-Team aus dem Turnier

Das olympische Eishockeyturnier ist für die deutsche Auswahl beendet. Beim 2:8 gegen den Gastgeber Kanada kommt die Mannschaft von Trainer Uwe Krupp nicht über die Rolle eines Sparringspartners hinaus. Das ist kein gutes Omen für die Heim-WM.

Von Mathias Schneider, Vancouver

Seine Stimme ist ruhig, beinahe zart. Sie passt nicht zu einem Mann seiner Statur. Groß ist Sven Butenschon, er trägt dieser Tage Vollbart, wie man das ja von Eishockeyspielern während wichtiger Turniere kennt. Sie schauen dann noch ein bisschen verwegener aus. Nun steht er hier unten im Bauch des Canada Hockey Place, 19.300 Zuschauer haben den Gastgeber Kanada soeben zu einem 8:2 über Deutschland gebrüllt. Butenschon müsste eigentlich glücklich sein. Er lebt sechs Monate im Jahr in Kanada, genau genommen in Vancouver. Er wird sich wohl mit der Familie nach der Karriere hier niederlassen. Nach der Partie könnte er mit dem Fahrrand in seinen Vorort Kitsilano fahren. Er brauchte dann etwa eine Viertelstunde. Es hätte ein schöner Tag werden können für den Deutsch-Kanadier Sven Butenschon.

Hätte er nur nicht in dieser deutschen Eishockeyuniform gesteckt.

Wie ein Sparringspartner

"Da kann man sich dann natürlich nicht richtig freuen über ein tolles Erlebnis, wenn man gerade acht Tore kassiert hat", sagt er jetzt traurig. Für die Adler Mannheim spielt er in Deutschland, er ist deutscher Nationalspieler, da schwärmt man nicht für diese Kanadier, nicht wie mancher andere im deutschen Team, der danach ergriffen von einem großartigen Erlebnis sprach. Als habe er gerade die Rolling Stones persönlich getroffen. Für Butenschon waren seine Kanadier schlicht stark, nicht nur am Puck, sondern auch in den Zweikämpfen. "Wenn dann Talent und Zweikampfhärte zusammenkommen", er beendet den Satz zunächst nicht. Dann nimmt er ihn doch noch einmal auf: "Dann hat man eine große Mannschaft."

Acht zu zwei.

Sie hatten es wohl befürchtet. Bereits vor dem ersten Bully begleitete die Mannschaft von Bundestrainer Uwe Krupp die Aura der Niederlage auf das Eis. Drei Niederlagen hatten das Team bereits in der Vorrunde jeden Glauben an die eigene Kraft geraubt. Lediglich der eigentümliche Modus ermöglichte noch eine vierte Chance. Doch Kanada mit seinen Stars aus der National Hockey League ließ es nie zu einem Zweikampf auf Augenhöhe kommen. Während die Schweizer die Nordamerikaner in der Vorrunde noch an den Rand einer Niederlage drängten, schien diese deutsche Elf gerade noch über genug Behauptungswillen zu verfügen, um die Niederlage zwei Drittel lang erträglich zu halten. 0:1 und 1:3 gingen die ersten beiden Abschnitte verloren. Nur Marcel Goc hatte getroffen, da war die Partie allerdings längst entschieden. Im letzten Drittel ergab sich das deutsche Team in sein Schicksal, wirkte nur noch wie ein Sparringspartner. Dass Manuel Klinge am Ende noch das 2:8 schaffte, war der Unachtsamkeit des Gegners geschuldet.

Einstimmung für die WM in Deutschland

Dabei hatte die beachtliche Leistung beim 0:2 gegen den Olympiasieger Schweden zum Auftakt noch die Hoffnung auf ein ordentliches Turnier als Einstimmung für die WM auf eigenem Eis in zwei Monaten geweckt. Nun gehen die Deutschen frei von jedem Selbstvertrauen ausgerechnet auf eigenem Eis in das Turnier, auch wenn der Torwart Thomas Greiss noch anmerkte, man könne erhobenen Hauptes nach Hause fahren. Welcher der Profis aus der amerikanischen National Hockey League dann überhaupt am Start sein wird, steht derzeit noch nicht fest. Es macht das Unterfangen für Krupp nicht leichter, eine ordentliche Auswahl zu finden.

Doch auch Kanada wirkte trotz des hohen Sieges keinesfalls immer souverän und unverletzlich. Dabei soll das Team von Mike Babcock doch quasi im Alleingang mit der Goldmedaille im wichtigsten Sport des Landes für mache fehlende Medaille entschädigen, die man sich erhofft hatte. Nun wartet im Viertelfinale Russland. Nicht auszuschließen, dass bei allen Enttäuschungen über verpasstes Gold bisher die größte Ernüchterung für den Gastgeber noch bevor steht.

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